Was gibt es Schöneres, als Beruf und Hobby miteinander zu kombinieren? Rolf Kille aus Mönchweiler hat das gemacht und seinen Beruf als Schreiner mit seinem Hobby der Geologie miteinander vereint. Und das auf ganz besondere Art und Weise.

Urknall nennt der Schreiner diese Tischplatte mit scheinbar wahllos angeordnetem Gestein.
Urknall nennt der Schreiner diese Tischplatte mit scheinbar wahllos angeordnetem Gestein. | Bild: Roland Sprich

Wenn Rolf Kille in seiner Schreinerwerkstatt steht, dann entstehen an der Dreh- und Hobelbank nicht nur Möbelstücke aus Buchen-, Eichen- oder Kirschholz, sondern auch aus Gneis, Buntsandstein, Muschelkalk und Granit. „Ich habe in den 1970-er Jahren über die Volkshochschule einen Geologiekurs belegt“, erinnert sich Rolf Kille. Dabei lernte er den renommierten Geologieprofessor Willi Paul kennen. Dieser weckte bei Rolf Kille das Interesse für heimische Gesteinsarten.

Einzigartige Möbel mit heimischem Gestein

Die Idee, Holz und Gestein zu kombinieren und somit einzigartige Möbel zu schaffen, entwickelte sich im Laufe der Jahre. „Eigentlich bin ich ja Möbelrestaurator“, sagt Rolf Kille und schmunzelt. Bis heute steht der 80-Jährige täglich in seiner Schreinerwerkstatt in Mönchweiler und restauriert Möbelstücke. „Hier fühle ich mich wohl.“ Und hier entstehen auch die Ideen zu einzigartigem Mobiliar. Etwa ein Beistelltischchen im Barockstil mit einer Tischplatte aus Schwarzwaldgestein. Ein Schmuckstück ist auch die zentnerschwere Felsentruhe, die mit wertvollen Schwarzwalderzen, Quarzen, Kupfer und Silber bestückt ist. Oder ein Tisch mit scheinbar wahllos angeordneten Gesteinen, dem er den Namen Urknall verpasst hat.

In hauchdünne Scheiben geschnitten, leuchten die verschiedenen Mineralienarten in dieser Säule, die Rolf Kille selbst gebaut hat.
In hauchdünne Scheiben geschnitten, leuchten die verschiedenen Mineralienarten in dieser Säule, die Rolf Kille selbst gebaut hat. | Bild: Roland Sprich

Wichtig ist Kille die Arbeit mit heimischen Gesteinen. Die am häufigsten vorkommenden Steine sind Gneis und Buntsandstein. Aber auch Gestein längst erloschener Vulkane lässt sich im Schwarzwald, praktisch vor der Haustüre, finden. „In Unterkirnach und im Groppertal gibt es Vulkangestein“, verrät Kille. Die Bearbeitung der Gesteine ist dabei eine handwerkliche Meisterleistung.

Hohe Präzision ist gefragt

Das Gestein, das er heute überwiegend von der Mineralienhalde Grube Clara in Wolfach im Kinzigtal bezieht, erfordert hohe Präzision. Zunächst werden die Gesteine auf der Steinsäge in rund sechs Millimeter dünne Scheiben geschnitten und auf eine Trägerplatte geklebt. Anschließend werden sie geschliffen und poliert. Was sich einfach anhört, ist ein hoher Zeitaufwand. Rolf Kille ordnet dabei die Gesteinsfragmente nicht wahllos an. Für seinen „geologischen Heimatspiegel“ beispielsweise ordnete der Schreinermeister die einzelnen Gesteine im Glasrahmen so an, wie sie sich in den Erdschichten über Millionen von Jahren ablagerten. Das erfordert viel geologisches Wissen und Faszination für die Gesteine. Als Rolf Kille erzählt, welche Eigenschaften die einzelnen Gesteinsarten haben, leuchten seine Augen.

Eine Meisterkunst ist diese aus verschiedenen Gesteinsarten hergestellte Tischplatte.
Eine Meisterkunst ist diese aus verschiedenen Gesteinsarten hergestellte Tischplatte. | Bild: Roland Sprich

Wenn Rolf Kille einen Malachit oder anderen Gesteinsbrocken in den Händen hält, in denen Kristalle schimmern, hält er damit auch ein Stück Entstehung der Erde in den Händen. „Es ist faszinierend, was die Erde in Jahrmillionen erschaffen hat.“

Nachfolger gesucht

Der 80-jährige Schreinermeister möchte sein Interesse an der Geologie gerne weitervermitteln und sucht einen Nachfolger für seine Schreinerei, der Holz und Gestein in ähnlicher Weise miteinander verbinden möchte.