Männer in Frack und Zylinder, Frauen in wallenden Röcken und ein Maler in Leinen-Tunika: Diese Figuren tummeln sich derzeit auf Seppenhofens Straßen. Um zu verstehen, was hier los ist, muss man einen Blick auf die Geschichte des Ortsteils werfen.

Vor 900 Jahren wurde der Seppenhofen erstmals schriftlich erwähnt. Grund genug für den Ort, ein großes Fest zu feiern. Ein wichtiger Teil davon sind die „Bewegten Geschichten“, ein Wandertheater, für das derzeit geprobt wird. Kurze Szenen an verschiedenen Schauplätzen sollen die Zuschauer weit in die Vergangenheit zurückführen.

Hauptregisseurin ist Natascha Hofmeier. Auch Ehemann Thomas wurde eingespannt und mutierte kurzerhand vom Friseurmeister zum Künstler.
Hauptregisseurin ist Natascha Hofmeier. Auch Ehemann Thomas wurde eingespannt und mutierte kurzerhand vom Friseurmeister zum Künstler. | Bild: Silvia Bächle

Politisch hat Seppenhofen als einziger Ortsteil keine Vertretung in Form eines Ortschaftsrates, doch kulturell kann der Ort, was nun auch die Aufarbeitung der Geschichte durch Historiker Matthias Wider zeigt, auf jeden Fall mithalten. Der Geschichtsdidaktiker hat die erste Seppenhofer Chronik verfasst. „Ein Buch, eine erste Ortschronik ist gut, aber etwas um alle Sinne anzuregen wäre perfekt“, sagt Regisseurin Natascha Hofmeier. Aus diesem Gedanken heraus entstand das Wandertheater.

Vom Friedhof bis zum Feuerwehrgerätehaus werden acht Szenen gespielt, die Seppenhofen in unterschiedlichen Epochen zeigen. Auf dem rund zwei Kilometer langen Weg zeigen 106 Akteure die Geschichte des Ortes. Mit dabei sind auch Neu-Seppenhofer oder ehemalige Anwohner.

Von Hexen bis Touristen

Dabei schrecken die Theatermacher auch vor düsterem Stoff nicht zurück. So geht es in einer Szene etwa um das Thema Hexenverbrennung. Matthias Glunk, Müller der Oberen Mühle war nämlich auch Stabhalter beim Malefizgericht in Blumberg.

Doch nicht alle Geschichten spielen im finsteren Mittelalter. Auch Seppenhofen als Ferienort um 1950 dient als Inspiration. Damals gab es im Ort sogar einen Verkehrsverein und Heimatabende mit kulturellen Aufführungen. Die betuchten Gäste, oft aus den Großstädten, kamen in den Schwarzwald.

Davon hat sich Natascha Hofmeier inspirieren lassen: So spielt eine Szene vor dem alten Seppenhofer Laden im Haus von Sonja und Angelus Trautmann, der noch wie damals eingerichtet ist.

Mindestens 100 Jahre alt dürfte Heizmanns Laden in Seppenhofen sein, der noch im Originalzustand bei Trautmanns vorhanden ist. Die ...
Mindestens 100 Jahre alt dürfte Heizmanns Laden in Seppenhofen sein, der noch im Originalzustand bei Trautmanns vorhanden ist. Die bekannte Magdalena spielt Judith Oschwald. | Bild: Silvia Bächle

Doch alles beginnt mit der Unterschrift auf der Urkunde vom 30. Mai 1122, der „offiziellen Geburtsstunde“ von Seppenhofen. Auch zwei Kinderszenen gehören zu diesem Schauspiel – 18 Kinder im Alter zwischen sieben und 16 Jahren sind in dieses Wandertheater mit eingebunden. Eine Zeitreise mit Witz und Charme aber auch mit Ernsthaftigkeit und einem Augenzwinkern soll es werden.

Mathias Wider lieferte den historischen Kern, Natascha Hofmeier und Diana Frei steuern die Geschichten und Musik bei. „Teilweise sind ganze Familien mit am Start“, so die Hauptakteurin Natascha Hofmeier, die ihrem Ehemann Thomas gleich mal eine Künstlerkarriere verpasst hat.

Den historischen Hintergrund liefert Historiker Matthias Wider, die Musik-Szenen Diana Frei, die auch im Regie-Duo mit Natachas Hofmeier ...
Den historischen Hintergrund liefert Historiker Matthias Wider, die Musik-Szenen Diana Frei, die auch im Regie-Duo mit Natachas Hofmeier ist. | Bild: Silvia Bächle

Ganz bewusst werden beim Wandertheater – diese finden am 20. und 27. Mai, am 3. und 24. Juni sowie 1. und 8. Juli statt – nur 30 Karten (die gibt es in der Tourist-Info für 9 Euro) verkauft. „Wir wollen die Szenen im kleinen Rahmen anbieten, damit wirklich jeder Gast hautnah mit dabei ist“, erklärt Natascha Hofmeier. Start ist immer am Friedhof, Ende am Feuerwehrgerätehaus.