Die 21-jährige Helen Halbig aus Löffingen hat sich in eine Männerdomäne als Zimmerin gewagt. Bei der Lossprechung von den elf Zimmerern wurde sie als Innungssiegerin ausgezeichnet und außerdem mit zwei Sonderpreisen gewürdigt.

Die junge Dame aus Löffingen legte bei den Prüfungen mit 95 von insgesamt 100 zu erreichenden Punkten den Innungssieg vor. Stolz über die herausragenden Leistungen, die neben dem IHK-Preis auch mit dem Preis der Volksbank Hochschwarzwald gewürdigt wurden, war auch Ausbilder, Zimmerermeister, Betriebswirt und Geschäftsführer Jürgen Kuttruff aus Bachheim. In der über 60-jährigen Firmengeschichte war Helen Halbig die erste weibliche Auszubildende. Sie wird weiterhin dem Ausbildungsbetrieb treu bleiben, um „in den nächsten Jahren meine Fähigkeiten weiter auszubauen“, erklärt die junge Frau.

Gutes Arbeits- und Betriebsklima

Die 21-jährige Zimmerer-Gesellin hat mit ihren männlichen Kollegen nur positive Erfahrungen sammeln können. „Von Anfang an war ich im Betrieb und in der Schule gleichberechtigt“, informiert sie. Dabei hebt sie das gute Arbeits- und Betriebsklima bei Jürgen Kuttruff hervor, der nun in dritter Generation das Familienunternehmen mit Ehefrau Pia führt. Die Leidenschaft und Freude an diesem Beruf habe sie von ihrem Chef, aber auch von den Kollegen aufgesogen: „Ich arbeite mit Freude als Geselle“. Helen Halbig ist begeistert von der hohen Hilfsbereitschaft untereinander, insbesondere bei gewichtsmäßig schweren Arbeiten. Diese Hilfe gelte für alle.

Ihr Know-how, aber auch ihre Fähigkeit zur Teamarbeit musste Helen Halbig bei ihrem Gesellenstück unter Beweis stellen. Nach den drei Theorieprüfungen – Holzkonstruktion, Bauteile und Wirtschaftskompetenz – folgte die praktische Prüfung: die Fertigung eines Werkstücks von Hand ohne Zuhilfenahme von Maschinen, die Berechnung und der Aufriss einer Treppe sowie als Gesellenstück ein Modell des Dachstuhls der Klosterkirche in Friedenweiler, welches im Team von fünf Auszubildenden geplant, aufgerissen und anschließend gebaut werden musste.

Als Mädchen liebte sie Puppen und Pferde

Dass die sympathische Helen ein Handwerk wählt, war als Kind nicht erkennbar. Wie alle Mädchen liebte sie Puppen und Pferde.

Ihre Liebe zu Holz entdeckte sie bei einem Praktikum in Zimmerei und Schreinerei. So stand für sie nach dem Abitur der Berufswunsch Zimmerin fest. Vor allem das vielseitige Aufgabenfeld rund um den Holzbau – von individuellen Fertighäusern bis hin zu Innenausbau und Sanierungen – sowie auch Zukunftsperspektiven mit zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zur Selbständigkeit waren sicherlich ausschlaggebend.

Problematik des fehlenden Nachwuchses

Allerdings sieht auch die junge Zimmerer-Gesellin die Problematik des fehlenden Nachwuchses. Helen Halbig sieht hier drei wesentliche Punkte: Das Bild des Handwerks würde in der Schule kaum vermittelt, ein Studium würde in der Gesellschaft höher bewertet und auch die körperlich anstrengende Arbeit sei bei der Jugend nicht angesagt. Dass sich ändern werde, ändern müsse, zeige der Realität. Handwerker seien überall gesucht, das Handwerk als goldener Boden werde wiederkommen, so hörte man bei der Lossprechung.