Um die für den Schwarzwald und die Hochlagen bedeutende Wälder-Rinderrasse zu erhalten, engagierte sich 1995 der heute 60-jährige Landwirtschaftsmeister, Zuchtwart und Zuständiger für die Milchleistungsprüfung, Karlheinz Agostini, in Göschweiler die Bullenprüfstation einzurichten. Hier werden die besten Bullen aufgezogen, die später als Zuchtbullen für Nachwuchs sorgen sollen.

  • Einzige Bullenprüfstation im Land: Als vor 25 Jahren die eigenständigen Tierzuchtämter in Baden-Württemberg abgeschafft wurden, um diese in private Hände zu legen, war es Karlheinz Agostini, der in Göschweiler einen zukunftsweisenden Schritt tat. So ist von den ehemals vier Bullenprüfstationen heute nur noch die in Göschweiler übrig geblieben. „Ziel dieser Bullenkälberprüfstation ist es, nur gesunde und leistungsfähige Nutztiere für den Nachwuchs zu sichern“, erklärt Agostini. 40 Bullenkälbchen werden zwischen drei Monaten und einem Jahr in Göschweiler von der 28-jährigen Anne Willmann, unterstützt von Karlheinz Agostini und auch von ihrem Vater Rudi Willmann, gepflegt und gehegt. Wer auf die Bullenprüfstation nach Göschweiler kommt, entscheidet das Landwirtschaftsamt. So kommen die Tiere aus verschiedenen Zuchtbetrieben aus ganz Südbaden.
  • Regelmäßiges Wiegen und Messen: Jeden Monat geht es auf die Waage und zum Messen, streng kontrolliert durch Zuchtleiter und Tierarzt Franz Maus vom Landwirtschaftsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises. Die Fleischleistungsprüfung ist allerdings nur ein Part der Prüfung. „Das betreuende Landwirtschaftsamt hat mehrere Eigenschaften der Bullen für die spätere Zucht als Kriterium festgelegt“, sagt Anne Willmann. In der Bullenprüfstation in Göschweiler haben alle Tiere die gleichen Bedingungen, sodass die Vergleichswerte für ihre Entwicklung als Nachzucht- oder gar als Testbulle von großem Vorteil sind.
  • Bullen-Kindertage: Bereits früh morgens um 7 Uhr beginnen die Stallarbeiten von der 28-jährigen Landwirtin Anne Willmann, die die Station noch vor ihrem Ausbildungsende im Jahr 2012 übernommen hat. Das Tierwohl steht an vorderster Stelle und so bekommen die Tiere bestes Kraftfutter, Heu, Silage aus eigener Herstellung und Wasser über die Selbsttränkebecken. Auch drei Mal pro Jahr ist die Klauenpflege angesagt und monatlich kommt der Tierarzt auf den Hof. Die älteren Tiere bekommen von Tierarzt Sebastian Dettmar aus Donaueschingen einen Nasenring eingesetzt. „Vor dieser schmerzhaften Prozedur bekommen die Tiere Schmerzmittel“, informiert Anne Willmann. Während bisher nur die Tiere bis sechs Monaten in einer Box mit Liegebereich untergebracht sind, werden die älteren Tiere bis zum Prüfende angebunden. Lediglich kurz vor ihrer Heimkehr dürften sie die Freifläche – 35 Hektar Gründlandfläche gehört dazu – genießen. Nun möchte Karlheinz Agostini, der die Bullenprüfstation mittlerweile an Anne Willmann verpachtet hat, den Tieren mehr Freiheit bieten. Deshalb plant er den Anbau eines Laufstalls für rund 150 000 Euro. Dies kann allerdings nur mit staatlicher Förderung realisiert werden. Agostini sieht in der Erweiterung, die als Holzkonstruktion ausgeführt werden soll, auch die Zukunft der Bullenprüfstation. Bisher werden 80 Prozent der Zuchtbullen der Vorderwälder, die in ihrer Existenz gefährdet sind, in Göschweiler aufgezogen.

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