Während sich andernorts schwere, teils tödlich verlaufende Covid-19-Erkrankung häufen, ist das Löffinger Pflegeheim St. Martin bislang von Infektionen mit dem grassierenden Corona-Virus verschont geblieben. Das bestätigte Heimleiter Martin Satler bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.

Sein Team und er hätten sich sehr frühzeitig, noch bevor die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Kraft getreten sind, intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt, ein Hygienekonzept entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Dieses berücksichtige neben den eigentlichen Schutzmaßnahmen für die Bewohner und die Mitarbeiter des Heims auch die sogenannte Kontaktkette.

Städtischer Bauhof unterstützt das Pflegeheim

Insbesondere das strikte Besuchsverbot stelle eine große Belastung für die Heimbewohner dar, sagte Martin Satler. Immerhin habe man eine Lösung gefunden, die „Gespräche über den Gartenzaun hinweg“ erlaube: „Mit Unterstützung des städtischen Bauhofs konnten wir einen Aufenthaltsbereich im Freien so gestalten, dass sich Angehörige und Bewohner mit einem Abstand von rund drei Metern sehen und unterhalten können. Aber das ersetzt auf Dauer natürlich nicht die sozialen Kontakte in gewohnter Form“, erläuterte Satler. Bei aller gebotener Vorsicht sei es höchste Zeit gewesen für die jetzt angekündigten Lockerungen.

„Nichts gegen die derzeitigen Sympathiebekundungen aus der Politik, aber viel wichtiger wird es sein, ob den Worten Taten folgen und der Pflegebereich tatsächlich gestärkt wird.“Martin Satler, Heimleiter im Löffinger Pflegeheim St. Martin
„Nichts gegen die derzeitigen Sympathiebekundungen aus der Politik, aber viel wichtiger wird es sein, ob den Worten Taten folgen und der Pflegebereich tatsächlich gestärkt wird.“Martin Satler, Heimleiter im Löffinger Pflegeheim St. Martin | Bild: Schröter, Thomas

Von der herrschenden Ausnahmesituation ließen sich Bewohner und Pflegeteam nicht unterkriegen, sondern machten gemeinsam das Beste daraus. Er sei seinem Team ausgesprochen dankbar, mit wie viel Disziplin und welcher Selbstverständlichkeit es seinen Aufgaben auch unter erschwerten Bedingungen nachkomme. Gerade jetzt bewähre es sich, dass die Stadt Löffingen beim Betreuungskonzept des Pflegeheims auf Qualität und die dafür erforderlichen Personalkapazitäten setze.

Skepsis gegenüber Sonntagsreden von Politikern

„Nichts gegen die derzeitigen Sympathiebekundungen aus der Politik, aber viel wichtiger wird es sein, ob den Worten Taten folgen und der Pflegebereich tatsächlich gestärkt wird“, betonte Martin Satler. Er ließ leichte Zweifel daran erkennen, dass den volltönenden Worten aus der Politik auch substanzielle Taten folgen werden: „Der Verlauf der Pflegesatzverhandlungen, die wir im März geführt haben, spricht zumindest teilweise eher für das Gegenteil. Ich war im Verlauf der Gespräche mehrfach kurz davor, komplett die Fassung zu verlieren.“

Auch Bürgermeister Tobias Link ließ eine gewisse Skepsis durchblicken. Es bleibe abzuwarten, ob die bundespolitischen Sonntagsreden tatsächlich in eine Stärkung der Pflegeeinrichtungen und –berufe münden werde.

Angehörige dürfen Sterbende besuchen

„Ja, wir setzen eine Ausnahmeregelung um. Liegt ein Heimbewohner im Sterben, ermöglichen wir seinen Angehörigen auch unter den derzeit erschwerten Rahmenbedingungen den Besuch. Der Gesundheitsschutz bleibt dabei gewährleistet, unter anderem statten wir die Besucher mit der vorgeschriebenen Schutzbekleidung aus. Im Pflegeheim St. Martin wird niemand, der dem Tod entgegensieht, allein gelassen“, bestätigte Satler auf Nachfrage.

Das Pflegeheim St. Martin schreibt eine rote Null

Mit einem Verlust von 15.700 Euro hat das Löffinger Altenpflegeheim St. Martin das Wirtschaftsjahr 2019 abgeschlossen. Das dokumentiert der Jahresabschluss, den Stadtkämmerer Artur Klausmann vortrug.

  • Bilanz: Einnahmen von rund 2,54 Millionen Euro stehen Betriebsausgaben von rund 2,56 Millionen Euro gegenüber, aus der Differenz ergibt sich ein Jahresverlust von rund 15.700 Euro, den Bürgermeister Tobias Link als „rote Null“ bezeichnete.
  • Pflegesätze: Die Pflegesätze, die das Pflegeheim monatlich einnimmt, bewegen sich – abhängig vom jeweiligen Pflegegrad – zwischen 2815 Euro und 4239 Euro pro Monat und Heimbewohner.
  • Eigenanteile: Die Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der monatlichen Heimkosten ab, die Differenz muss der Heimbewohner aufbringen oder, falls die Eigenmittel nicht ausreichen, vom Sozialamt übernommen werden. Die Eigenanteile belaufen sich – ebenfalls abhängig vom Pflegegrad – zwischen 2234 Euro und 2690 Euro monatlich.
  • Fachkräfte: Während andere Pflegeeinrichtungen größte Mühe haben, auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt ausgebildete Pflegekräfte für sich zu gewinnen, kann das Löffinger Altenpflegeheim seine Stellen adäquat besetzen, wie Heimleiter Martin Satler betonte. St. Martin genieße auch als Arbeitgeber und Ausbildungsstätte einen ausgezeichneten Ruf.
  • Qualitätsanspruch: Gemeinderat und Bürgermeister sicherten dem Heimleiter zu, dass die Stadt das Qualitätskonzept, das St. Martin mit Blick auf seine Betreuungsleistungen, sein Personal und seine Ausbildungsleistungen verfolgt, voll mittrage. (tom)

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