Die Telefone stehen nicht still, die Anrufbeantworter sind voll und auch die Faxe tickern unaufhörlich, diese Situation zeigt, wie dringend die Bevölkerung auf die Öffnung der Friseurgeschäfte wartet. Am 1. März soll dieser Wunsch in Erfüllung gehen.

Für Friseurmeister Thomas Hofmeier ist es höchste Zeit, dass er sein Geschäft wieder öffnen kann. Der 47-Jährige hat 2013 in vierter Generation das Geschäft übernommen und im Jahr 2014 modernisiert und neu gestaltet. „Ich bin froh, dass wir nun wieder öffnen dürfen, weitere Wochen hätte ich kaum überlebt“, so Thomas Hofmeier, der nun unverschuldet auf einem Schuldenberg sitzt. Zwar habe er für die Angestellten Kurzarbeit beantragen können, doch er selbst sei leer ausgegangen.

1902 hatte sein Urgroßvater Julius Limb das bekannte Friseurgeschäft eröffnet. Knapp 120 Jahre später sorgt die Corona-Pandemie für einen Überlebenskampf, trotz ausreichender Fläche, gut umgesetzter Hygienevorschriften und mit sechs Angestellten genügend Personal. Doch die Regelung lässt maximal acht Personen (inklusive Friseure) zu. Um den Kunden gerecht zu werden, bietet Thomas Hofmeier verlängerte Öffnungszeiten von Montag bis Samstag an: „Trotzdem können wir nicht alle Kundenwünsche sofort bedienen und bitten um Verständnis, der Schichtplan ist bereits fertig.“ Am Freitag und Samstag, 26. und 27. Februar, seien die Telefone für die Anmeldungen offen.

Der private Kontostand schmilzt dahin

Auch bei seiner Löffinger Kollegin Petra Tritschler vom Salon Strubbelpetra laufen die Telefone und die sozialen Medien heiß. Mit ihren drei Mitarbeitern hat sie die Hygienemaßnahmen nochmals überarbeitet. Im Lockdown hat das Team Online-Seminare besucht, um die Zeit bis zur Wiedereröffnung zu nutzen. Das Auftragsbuch ist schon gut gefüllt, am Sonntag 28. Februar, kann man sich noch persönlich anmelden. Auch sie wird die Öffnungszeiten von Montag bis Samstag erweitern. „Ich muss mich über mein Privatkonto über Wasser halten“, so die 54-jährige Friseurmeisterin. Am meisten ärgert sie, dass Ausbildungsbetriebe keine Kurzarbeit für die Lehrlinge anmelden könnten und sie auch während des Lockdowns bezahlen müssten. „Ich befürchte, dass nicht nur viele Kollegen Insolvenz beantragen müssen, auch in anderen Branchen ist die Existenznot groß“, sagt Petra Tritschler.

Lüften und Pausen von der Maske brauchen Zeit

Kaum geglaubt hätte Friseurmeisterin Beate Tröndle (52) in Dittishausen, einmal in Existenznot zu geraten. „Ich bin froh, dass ich wieder öffnen darf, vier Wochen länger hätte ich finanziell nicht mehr überstanden.“ Glücklicherweise habe sie das Geschäft im eigenen Haus. Den ersten Lockdown habe sie zum Renovieren genutzt, derzeit wartet sie auf die Wiedereröffnung. Als alleinige Arbeitskraft kann sie auch bei einer Eröffnung bereits am Montag, 1. März, nicht noch mehr Kunden bedienen. Zwar sind die Räume groß – zwei Kunden seien möglich – doch regelmäßiges Lüften und die wegen der ständigen Maskenpflicht erforderlichen Pausen erforderten einfach Zeit: „Ich kann doch die Kunden mit nassen Haaren derzeit nicht im Luftzug sitzen lassen.“ Sie freut sich, wie ihre Kollegen, dass es nun endlich wieder los geht.