Am Samstag, 5. Juli 1986, wurde die Attraktion des Löffinger Waldbads eingeweiht. Als Erster rutschte der damalige Bürgermeister Dieter Mellert stilgerecht in Anzug und Krawatte ins Nichtschwimmerbecken hinunter. Zusammen mit dem damaligen Kurgeschäftsführer Michael Kasprowicz und Stadtbaumeister Stockburger hatte er die moderne Rutsche in Schweden bestellt.

Ein Rutschteil fehlt – was also tun?

Der Lastwagen mit den Bauteilen war am späten Dienstagabend im Städtle angekommen. Als die Monteure die Rutsche am nächsten Morgen auf die bereits vorhandenen Stützen und Fundamente stellen wollten, war die Enttäuschung groß: es fehlte ein 3,5 Meter langes Stück, das sich auch durch Improvisation nicht ersetzen ließ.

Selbst der Blick von Oben zeigte die imposante 41 Meter lange Waldbadrutsche im Löffinger Freibad.
Selbst der Blick von Oben zeigte die imposante 41 Meter lange Waldbadrutsche im Löffinger Freibad. | Bild: Gerold Bächle

Spontane Autofahrt nach Travemünde an die Ostsee

Kurzerhand beschloss Bauhofleiter Rudi Jordan, seine beiden Mitarbeiter Gerhard Pfeifer und Werner Schonhardt nach Travemünde zu schicken, um das fehlende Stück am dortigen Hafen abzuholen. Mit dem Löffinger Bauhof-Lastwagen ging es mit 70 PS, einer Kaffeekanne, Vesperbrot, Schlafsäcken und zwei Kanistern Benzin gen Norden.

Vom Bürgermeister und Kurgeschäftsführer bekamen die beiden 100 D-Mark mit auf die Reise. Am frühen Morgen kamen Gerhard Pfeifer und Werner Schonhardt dann am Fährhafen in Travemünde an. Sie hatten Glück: Das fehlende Rutschenstück konnte in der heißen Mittagszeit aufgeladen werden.

Die alten Glasfaserteile der alten Wasserrutsche im Waldbad Löffingen sind bereits demontiert. Gerhard Pfeifer (vorne) und Werner Schonhardt erinnern sich an ihre Fahrt nach Travemünde, wo sie ein fehlendes Stück der nun abgebauten Wasserrutsche abholten.
Die alten Glasfaserteile der alten Wasserrutsche im Waldbad Löffingen sind bereits demontiert. Gerhard Pfeifer (vorne) und Werner Schonhardt erinnern sich an ihre Fahrt nach Travemünde, wo sie ein fehlendes Stück der nun abgebauten Wasserrutsche abholten. | Bild: Gerold Bächle

Blitzüberweisung von 100 Mark

Doch als die beiden Löffinger die Zollschranke des Hafengeländes passieren wollten, wurde ihnen das gesamte mitgegebene Geld für die Weiterfahrt abgenommen: „Wir mussten das Stück deklarieren und verzollen“, so Gerhard Pfeifer. Dabei war der Kaffee längst aufgebraucht, und die Wurstbrote waren gegessen. Der Durst an diesem heißen Tag sei unbeschreiblich gewesen, erinnert sich Werner Schonhardt.

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Schließlich suchten sie eine Telefonzelle auf, um Hilfe zu organisieren. Michael Kasprowicz hatte die Idee, beim damaligen Prokurist der Löffinger Volksbank Norbert Brugger anzurufen. Dieser sollte eine Blitzüberweisung in Höhe von 100 Mark nach Travemünde schicken – was er auch tat. Als das Geld ankam, konnten die beiden Löffinger ihre Mägen füllen, um sich für die lange Rückfahrt in den Schwarzwald zu stärken.

Abstecher auf die Reeperbahn

Als Werner Schonhardt und Gerhard Pfeifer auf dem Weg in den Süden durch den Elbtunnel in Hamburg fuhren, war für beide klar: Ohne einen Abstecher auf die Reeperbahn wollten sie nicht zurückfahren. Also wurde der Lastwagen am Dom geparkt. Zwar war am Nachmittag auf der berühmten Meile nicht ganz so viel los wie abends, doch für die beiden Schwarzwälder war die Strecke von der Davidswache hinauf bis zum Millerntor mit unvergesslichen Eindrücken bestückt.

Am Freitagmorgen kamen Gerhard Pfeifer und Werner Schonhardt schließlich wieder zuhause in Löffingen an. Während ihre Kollegen und Monteure mit der Drehleiter die Wasserrutsche aufbauten, konnten sich die Bauhofmitarbeiter erst einmal ausruhen – denn bei der Einweihung mussten sie wieder fit sein.