Genau vor 25 Jahren wurde die Löffinger Zunftstube im historischen Mailänder Tor eingeweiht. Ein Ort der Löffinger Fastnachtskultur, der das ganze Jahr über gut frequentiert ist.

  • Die Ursprünge: Eine lange und reiche Tradition hat der Löffinger Narrenverein und doch hatte er bis 1993 kein eigenes Zuhause. Die Kleider und Utensilien waren bei mehreren Personen untergebracht. Ein Unding, wie der damalige Narrenvater Jupp Hoitz meinte und bei Bürgermeister Dieter Mellert im Juli 1989 vorstellig wurde. 1990 wurde der offizielle Antrag gestellt und nach viel Überzeugungsarbeit kam tatsächlich Ende des Jahres die Zustimmung. Allerdings sollten die Narren im Friseurgeschäft Bölle (heute Strubbelpetra) eine Bleibe bekommen. Die wäre viel zu klein gewesen, wie auch die Mitstreiter Hexenchef Franz Hofmeier und Rudolf Gwinner meinten. Glücklicherweise wurde allerdings zu dieser Zeit auch die vermietete Wohnung in der rechten Torhälfte des Mailänder Tors frei.
Der Löffinger Künstler Jürgen Oschwald hat seine Spuren in der Zunftstube hinterlassen, so auch diese Miniatur-Ausgabe der Walpurgisnacht.
Der Löffinger Künstler Jürgen Oschwald hat seine Spuren in der Zunftstube hinterlassen, so auch diese Miniatur-Ausgabe der Walpurgisnacht. | Bild: Gerold Bächle
  • Narren als Handwerker: Zuerst wurde ein Team aus zwei Narrenräten, zwei Hexen und einem Stadtrat gebildet, bei denen die Fäden zusammen liefen. Mit großem Engagement und handwerklichem Geschick ging es im Oktober 1991 los. Anfangs mussten umfangreiche Abbrucharbeiten geleistet werden, um genügend Räumlichkeiten im und über dem Tor zu erhalten. Dabei war es für die Laternenbrüder und die Hexengruppe klar, die wertvolle Bausubstanz, insbesondere das unter vielen Schichten verborgene Holz, zu erhalten. Wie gut, dass vor allem in der Hexengruppe fast alle handwerkliche Berufe vorhanden waren. Auch die anfängliche Planung und das von der Stadt verlangte Nutzungskonzept entstammen aus der Hand eines ehemaligen Narrenrates. Nach 1500 Arbeitsstunden und finanzieller, Material- und Baumaschinen-Unterstützungen konnte nach zweijähriger Bauzeit die Zunftstube eingeweiht werden.
  • Zweitägiges Fest: Narren können nicht nur arbeiten, sondern auch feiern und dies zeigten sie beim zweitägigen Einweihungsfest. Am 4. und 5. September 1993 übernahm Jupp Hoitz vom Bürgermeisterstellvertreter Klaus Wider die Schlüssel. Rund 2000 Narren aus nah und fern kamen zur Einweihung.
  • Ort der Fastnachtskultur: Neben dem handwerklichen Geschick gibt es in der Zunftstube auch Kunst zu bewundern. Der Löffinger Künstler Jürgen Oschwald hat die Gestaltung der Räumlichkeiten übernommen, so auch die Walpurgisnacht als Miniatur geschaffen. Die Zunftstube – über drei Stockwerke – ist eine wahre Schatzkiste der Fastnachtskultur. Historische Bilddokumente, die ersten Narrenzeitungen und wertvolle Masken sind hier untergebracht, ebenso wie alle Löffinger Fastnachtsfiguren. Viele Leihgaben hat Rudolf Gwinner und die Familie Hofmeier beigesteuert, wie alte Masken oder auch die Schnitzelbänke. Vor zwei Jahren wurde auch die linke Torseite von den Narren übernommen und zur Kleiderkammer, Büro und Archiv ausgebaut. Wer sich für die Zunftstube interessiert oder eine Führung erleben möchte, kann sich an Zunftstuben-Chef Thomas Sawetzki unter der Telefonnummer 07654/922 475 wenden.