Unter den bedeutenden Persönlichkeiten Löffingens findet man Namen wie etwa Adolf Hildenbrand (bekannter Kusntmaler, Dozent und Freimauer 1881-1944) oder Walter von Lucadou (Parapsychologe und Physiker, geboren 1945). Allerdings sucht man vergebens nach dem Namen Carl Gebert. Doch nun erinnerte Heimatforscher und Geschichtskenner Rudolf Gwinner in einem interessanten und spannend Vortrag an diesen Philosophen aus Löffingen.

Das Ökumenische Bildungswerk hat mit dem Vortrag über den Querdenker und Philosophen Carl Gebert voll ins Schwarze getroffen, wie die gut besuchte Veranstaltung zeigte. Denn heute erinnern nur noch ein Gemälde im Heimatmuseum, der Name Gebertsaal, ein Grabmal auf dem Friedhof und für ältere Bürger das Gasthaus Gebert, noch an diese Löffinger Persönlichkeit.

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  • Biografie: "Carl Gebert wurde 1860 in Löffingen im heutigen Hexenschopf, früher Gebert geboren", erklärte Rudolf Gwinner. Das Anwesen hatte sein Vater (er war 1832 bis 1847 in den USA) mit Schankrecht als "Gasthaus zum Rothans" erworben. Bis 1981 blieb das Gasthaus in Familienbesitz.
  • Philosoph: Von der Jugend Carl Geberts ist wenig bekannt, nur dass er an Asthma litt, was letztlich auch zu seinem Tod mit nur 50 Jahren führte. Während seines Philosophiestudiums wurde er nachhaltig von den Ideen Immanuel Kants beeinflusst. Als finanziell unabhängiger Privatlehrer veröffentlichte Gebert viele Aufsätze zum Reformkatholizismus und war als Redner sehr gefragt. 1902 wurde er als Mitarbeiter der Zeitschrift "das Zwansigste Jahrhundert" bekannt. "Aufgrund seiner Krankheit pendelt er zwischen Meran und dem Schwarzwald hin und her, am 17. Mai 1910 verstarb er in Meran", so Rudolf Gwinner
  • Testament hilft: Der Freidenker, Querdenker und Ketzer war so anerkannt, dass er von der Kirche nicht exkommuniziert wurde. "Als Kleriker hätte er sich nicht öffentlich gegen die Dogmen der katholischen Kirche ohne Strafe auflehnen können", so Gwinner. Allerdings verweigerte laut Gwinner der damalige Stadtpfarrer Franz-Jakob Müller das Begräbnis, nachdem der Vater von Josefa Geisinger den Leichnam nach Löffingen überführen ließ. "Erst nach einer ansehnlichen Geldspende folgte der Sinneswandel", so Gwinner. Freuen durfte sich sein Heimatort Löffingen. Der Lokalarmenfonds bekam eine Zustiftung in Höhe von 28 632 Mark, was einer heute geschätzten Kaufkraft von mehr als 300 000 Euro entspricht. "Carl Gebert war mehrfacher Millionär", sagte Gwinenr.
  • Familientreffen: Carl Gebert war natürlich bei seinen Nachkommen bekannt. Doch so manches neue Geheimnis deckte Rudolf Gwinner nicht nur für die Nachkommen der Gebert-Familie (die Kinder und Enkel von Josef Gebert, Maria Egle und Elisabeth Keller) auf, sondern auch für die interessierten Bürger. Vor Jahren hatte Christel Wehrle der Stadt das Portrait von Carl Gebert als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Beim Vortrag wusste Regina Zimmermann vom Grabstein ihres Uronkels zu berichten: "Es ist der teuerste Grabstein auf dem Löffinger Friedhof". Der Stein des heutigen Familiengrabes hatte Karl Gebert aus Meran nach Löffingen transportieren lassen. Wie wertvoll er war, hätte man erst bemerkt, als man vor 25 Jahren eine passende Grabumrandung anfertigen ließ. Doch auch der Referent wurde überrascht. Clemens Rebholz hatte die Doktorarbeit Carl Geberts dabei und übergab sie Rudolf Gwinner. Carl Gebert promovierte 1893 in Straßburg an der Kaiser-Wilhlem-Universität.