Auf einen Freitag fällt heuer der längste Tag des Jahres, der am 21. Juni an vielen Orten gefeiert wird. So auch in Göschweiler, wenn der Sportverein zur 15. Sonnwendfeier an den Festplatz neben dem Sportplatz einlädt.

  • Ideengeber: Die Idee auch in Göschweiler den längsten Tag und die magische Nacht zu feiern, an dem die Sonne am gesamten nördlichen Polarkreis nicht untergeht, kam damals Walter Keßler mit seinem Parteikollegen Rudolf Gwinner (FDP) bei einem Gespräch. Den längsten Tag kennt jeder und so mancher 21. Juni, gerade wenn dieser auf das Wochenende fällt, wurde schon mal mit Freunden beim Grillen gefeiert. Der Vorsitzende des Sportvereins, Walter Keßler, sah in einer solchen Sonnwendfeier, die es in der Region so nicht gab, eine Möglichkeit, die Kasse des Sportvereins besonders für die kostenintensive Jugendarbeit aufzubessern. Heimatforscher Rudolf Gwinner sah in einer solchen Veranstaltung die ideale Möglichkeit, der Bevölkerung etwas über diese magische Nacht näher zu bringen.
Die Sonnwendfeier des Sportvereins Göschweiler ist Anziehungspunkt für viele Gäste. Auch Gruppen wandern gerne zu dieser Veranstaltung, Trachten, Dirndl und Bollenhut dürfen nicht fehlen, wenn am 21. Juni gefeiert wird.
Die Sonnwendfeier des Sportvereins Göschweiler ist Anziehungspunkt für viele Gäste. Auch Gruppen wandern gerne zu dieser Veranstaltung, Trachten, Dirndl und Bollenhut dürfen nicht fehlen, wenn am 21. Juni gefeiert wird. | Bild: Gerold Bächle
  • Premiere war ein Reinfall: Ein solches Mitternachtsfest sollte natürlich über die Grenzen von Göschweiler hinausgehen und so tat sich damals der Sportverein Göschweiler (SVG) mit der Tourist-Information zusammen, die Hochschwarzwald-Tourismus GmbH (HTG) gab es damals noch nicht. „Die Idee war gut, die Organisation eher schlecht und die Premiere ein totaler Reinfall“, so beurteilt heute rückblickend Walter Keßler die erste Göschweiler Sonnwendfeier. „Es war ein unglaublicher Sonnenuntergang, tausend Sonnen standen am Himmel, besser hätte das Wetter nicht sein können – aber die Leute fehlten“, erinnert sich Keßler.
  • Mut zahlt sich aus: Wie im Fußball wurde gekämpft und nicht aufgegeben. Im Jahr darauf besann man sich auf die eigenen Stärken des Vereins und des Orts und führte das Fest alleine durch. Unterstützung bekamen die Sportler von der Ortsverwaltung, die bis heute mit dabei ist. Ortsvorsteher und Ehrenvorsitzender Manfred Furtwängler und Mitglieder des Sportvereins schlugen das Holz im Göschweiler Wald, um es zu einer Pyramide für das Sonnwendfeuer aufzubauen. Eine Aktion, die seither Tradition hat. Lange Stangen und Dürrständer werden geschlagen und so kommen meist zwei Anhänger voll zusammen, die dann auf dem Festplatz zu einer großen Holzpyramide aufgestellt werden. Bei Sonnenuntergang wird dieses Feuer entzündet.
Seit Beginn an gehören der Fanfarenzug Löffingen und die Trachtenkapelle Göschweiler zum musikalischen Angebot bei der Sonnwendfeier in Göschweiler.
Seit Beginn an gehören der Fanfarenzug Löffingen und die Trachtenkapelle Göschweiler zum musikalischen Angebot bei der Sonnwendfeier in Göschweiler. | Bild: Gerold Bächle
  • Unterhaltungsangebot: Die Sonnwendfeier war schon immer gepaart mit einer spannenden Unterhaltung. Seit Göschweiler die Fäden in der Hand hat, seit dem zweiten Mal, eröffnet der Fanfarenzug die Sonnwendfeier und die Trachtenkapelle sorgt für die musikalische Unterhaltung. Das weitere musikalische Angebot wird immer wieder erneuert ob mit Alphornbläsern, Jagdhornbläsern, mit einem DJ oder auch mit der Trachtengruppe, welche vor der Abendsonne tanzt.
  • Blick in die Region: Weit hinaus reicht vom Festplatz der Blick zur Baar, in den Schwarzwald oder zu den Vogesen hinüber. Vor diesem Hintergrund war es der Löffinger Heimatforscher Rudolf Gwinner, der viele Jahre die Tradition und die Bedeutung der Sonnwendfeier in interessanten Vorträgen der großen Besucherschar näher brachte.
  • Stockbrot für Kinder: An den vielen Schwedenfeuern haben die Kinder die Möglichkeit, ihr Stockbrot selbst zu backen. Für die kleinen Besucher ein kostenloses Vergnügen. Auch die Erwachsenen kommen kulinarisch nicht zu kurz, wobei auch hier auf Abwechslung und Regionalität großen Wert gelegt wird. Neben Steaks und Grillwürsten, gibt es erstmals große Fleischspieße, Käsewecken und natürlich darf auch der Wildschweinburger vom Holzkohlengrill nicht fehlen.
  • Geschichtlicher Hintergrund: Die magische Nacht hatte schon in prähistorischer Zeit eine besondere Bedeutung. Später vermischten sich die heidnischen und christlichen Bräuche. „Bei den Kelten und Germanen war die Sonnenwende ein Höhepunkt im Jahresablauf und wurde als Fest der Fruchtbarkeit gefeiert“, so Rudolf Gwinner. Nach der Christianisierung versuchte die Kirche die heidnische Sonnwend-Tradition ohne Erfolg abzuschaffen. So wurde der Gedenktag für Johannes den Täufer auf den 24. Juni gelegt. Ein Tag davor gab es dann oft Feuerspringen oder das Johannisfeuer. Die Sommersonnenwende wird von den Esoterikern groß gefeiert. Wichtig ist dieses Fest auch im Norden. Da die Sonne nicht komplett untergeht, wird die Zeit auch als die „weißen Nächte“ bezeichnet. Vor allem in Skandinavien und im Baltikum wird die ganze Nacht durchgefeiert.