Kaum ein Friedhofsbesucher wird wohl die beiden Gedenksteine an der nördlichen Friedhofsmauer bewusst wahrnehmen. Dies möchte der Löffinger Heimatforscher Rudolf Gwinner nun ändern. Er ging den beiden Gedenksteinen auf die Spur, die an verdiente Löffinger Bürger erinnern und trug viel Wissenswertes zusammen.

  • Gedenkstein: Mannsgroß ist der Gedenkstein der Familien Eggert-Thoma, der an der nördlichen Innenwand der Friedhofmauer steht. Die Stadt hat diesen Gedenkstein 1968 aufgestellt. „Die ursprünglichen Gräber der Familie Eggert-Thoma wurden zu diesem Zeitpunkt abgeräumt“, so Gwinner. Die Erbin Martha Maria Freifrau von Gemmingen, geborene Thoma (1902-1980), hatte damals mit Löffingen die Vereinbarung getroffen, an Stelle der Gräber für ihre Vorfahren eine Gedenkplatte in die Friedhofsmauer einzulassen, um deren Verdienste für die Stadt zu würdigen. Gleich nebenan ist eine weiße Gedenktafel an der Friedhofsmauer angebracht. Sie steht in Würdigung an die Familie Nägele-Wider. Das ursprüngliche Grab wurde an die Familie Friedrich Weickhard abgegeben. Interessanterweise ist hier zu lesen „In Dankbarkeit Stadtgemeinde Löffingen 1966“. „Dies ist umso verwunderlicher, da diese Bezeichnung nur von 1921 bis 1935 galt. Bereits 1261 hatte Löffingen die Stadtrechte bis 1921“, so Gwinner. 1951 bekam Löffingen die Stadtrechte wieder zurück. Weshalb dieser Eintrag auf der Gedenktafel verwandt wurde, ist auch Heimatforscher Gwinner ein Rätsel, zumal auf dem Gedenkstein der Familien Eggert-Thoma zu lesen ist „In Dankbarkeit die Stadt Löffingen„.
  • Familie Nägele-Wider: Ferdinand (1839-1906) und Johanna (1850-1920) Nägele, geborene Wider, betrieben am Rathausplatz 2, dem ehemaligen Sportgeschäft Straetker, zuvor Post, einen Kolonialwarenhandel sowie einen Kohle- und Metallwarenhandel. Ferdinand Nägele war der erste Narrenvater der Laternenbrüder, das Amt übte er bis 1897 aus. Doch nicht diese Tatsachen veranlassten den damaligen Bürgermeister Edmund Laufer und den Gemeinderat dazu, eine Gedenktafel anzubringen, vielmehr dürften es laut Gwinner die großzügigen Unterstützungen und Spenden gewesen sein, beispielsweise auch das Grundstück (so mündliche Überlieferungen), auf dem der erste Kindergarten stand und heute die Physiotherapie Sibold zu finden ist.
  • Familie Eggert-Thoma: Mächtig ist der große braunrote Granitstein für die Familie Eggert-Thoma, für ihre Verdienste um die Stadt Löffingen. So gründete 1871 der Posthalter Konrad Eduard Thoma, als Mitglied des Arbeitervereins, den Unterstützungsverein für erkrankte Handwerksgesellen und Dienstboten mit. Der Verein war der erste Nutznießer der Spendenfreudigkeit der Familien Eggert und Thoma. 1873 wurde der Unterstützerverein durch den Krankenhausfonds abgelöst. „Dies ist auch das eigentliche Gründungsjahr des Löffinger Krankenhauses“, so Gwinner. 1890/91 wurde ein neues Krankenhaus mit einem Kostenaufwand von 33 000 Mark gebaut, in erster Linie kam das Geld aus Stiftungen von Löffinger Bürgern. Äußerst großzügig erwiesen sich die Familien Eggert und Thoma, die über die Jahre 1889 bis 1902 insgesamt 41 000 Mark einfließen ließen, allein davon 20 000 Mark aus dem Nachlass des Gemeinderats Josef Eggert. Josef Eggert (1821-1888) war jahrelang Stadtrat und betrieb nebenbei eine kleine Privatbank. 1857 kaufte er die Weinhandlung Hogg von seiner Tante Elisabeth. 1895 verkaufte die Witwe Eggert die Weinhandlung an Josef Benitz (1859-1919) und Joseph Paul Thoma, der 1902 aus dem Geschäft ausstieg. Die Familie Thoma kam 1754 aus Lenzkirch nach Löffingen. Josef Thoma kauft zu diesem Zeitpunkt das Gasthaus Löwen. 1862 heiratete der großherzoglich-badische Posthalter Karl Eduard Thoma (1840-1883) Maria Eggert. Dieser Posthalter war auch Gründungskommandant der Löffinger Feuerwehr, sein Amt übte er von 1863 bis 1868 aus. Die Familien Eggert-Thoma unterstützten finanziell die junge Löffinger Feuerwehr stark. Auch unterstützten sie den Viehversicherungsverein enorm.
  • Rathausplatz 2: „Nicht nur die Großzügigkeit der Familie Nägele sei hier erwähnt, sondern auch das geschichtsträchtige Haus, in dem sie ihr Geschäft betrieben“, so Gwinner. Das Haus (früher Sport-Straetker und das heutige benachbarte Gebäude Brillen-Burghard) war das fürstenbergische Amtshaus. Über dem Eingang ist noch das Allianzwappen zu sehen, welches die beiden Fürstenhäuser nach der Hochzeit von Graf Froben Ferdinand zu Fürstenberg und Gräfin Maria Theresia Felicitas von Sulz verband. Hier war die fürstlich fürstenbergische Standesherrschaft zu erkennen. Ursprünglich war das Gebäude der Kelnhof des Kloster St. Gallen (1261 bis circa 1400). Nachweisbar ist das Gebäude, dass 1886 geteilt wurde, welches von 1422 bis 1852 im Besitz des Hauses Fürstenberg war. Ein Kelnhof, so Rudolf Gwinner, sei ein Hofgut, welches einem Kloster zinspflichtig war. Der Verwalter eines Kelnhofs war der Kellner oder Keller.