Kaum noch Kapazität vorhanden, die Wege sind schwer begehbar, die Friedhofskapelle viel zu klein – der Löffinger Friedhof stößt bekanntlich an seine Grenzen. Das Thema Friedhof interessiert in Löffingen sehr, wie der voll besetzte Saal der Tourist-Information und die anschließende Diskussion bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum künftigen Friedhofskonzept zeigte.

  • Aktuelle Situation: „Unser Friedhofskultur befindet sich im Umbruch“, unterstrich Bürgermeister Tobias Link. Friedhofsplaner Tobias Weiher präsentierte ein Konzept, welches die Bedürfnisse Löffingens, aber auch die Wünsche der Bundesbürger gemäß einer Umfrage berücksichtigt. Durch die Friedhofsmauer ist der Platz begrenzt, derzeit sind Erd- und Urnenbestattung voneinander getrennt, die Wege zwischen den Gräbern viel zu eng, der Hauptweg mit einer Steigung von elf Prozent sehr steil und auch eine Beschattung nur um die Kapelle herum gegeben.
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  • Friedhofsentwicklung: Wichtig sei, dass die Bürger ihre Gräber weiter behalten könnten, unterstrich Weiher immer wieder. Der Blick auf den Grabablaufplan zeige die Lücken, die im Friedhof entstehen werden. Allerdings wird es in den nächsten Jahren auch mehr Beisetzungen geben, auch für Nichtchristen und Konfessionslose. Obwohl es nur noch in Deutschland und Österreich einen gesetzlichen Friedhofszwang gäbe, werde dieses Gesetz kippen, davon ist Weiher überzeugt. Allerdings sieht er dies auch als Chance, den Friedhof als wichtigen Ort der Verabschiedung, der Trauer, des Rückzugs und der Begegnung neu zu gestalten.
Alte Grabsteine könnten die Verbindung und Schwelle vom Kernfriedhof in den Friedpark sein. Heimatforscher Rudolf Gwinner sieht den Grabstein des Bildhauers Uhrig als idealen Standort.
Alte Grabsteine könnten die Verbindung und Schwelle vom Kernfriedhof in den Friedpark sein. Heimatforscher Rudolf Gwinner sieht den Grabstein des Bildhauers Uhrig als idealen Standort. | Bild: Silvia Bächle
  • Friedhofskonzept: „An erster Stelle muss ein gutes Gefühl stehen, denn eine Beerdigung kann nicht wiederholt werden“, so Tobias Weiher. Das vorgestellte Konzept sei diesem Gedanken unterstellt. „Dies Konzept ist schon längst überfällig“, lautete der Einwurf von Carola Hannes. Neben dem jetzigen Friedhof soll ein Teil des Kurparkes als Friedpark genutzt werden. In diesem Park könnte eventuell eine neue Aussegnungshalle stehen. Die Friedhofskapelle könnte auch mit einem überdachten gläsernen Vorplatz versehen werden, der dann auch als Podest gedacht ist, damit die Leute auch ordentlich stehen können.
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  • Barrierefrei zur grünen Oase: Der Weg vom Südeingang könnte bis zur Friedhofskapelle als grüne Achse aufgewertet werden. Bäume sollten nicht nur an den Gräbern stehen, sondern als schattengebende beruhigende Oase dienen, ebenso wie ein weicher begrünter Außenrand. Unter dem jetzigen Baumbestand rund um die Kapelle könnte die Baumbestattung vorgenommen werden, falls der Friedpark nicht gewünscht werde. Die barrierefreien Eingänge Ost und West werden aufgewertet und dienen als Schwelle in den Friedhofsbereich. Dabei sollen an der Ostseite Behindertenparkplätze entstehen, die dortige Müllentsorgung soll dezentral gelöst werden. Der Westausgang könnte mit alten Grabsteinen eine Schwelle zum Friedpark darstellen. Auch die Wege sollen entsprechend ausgebaut werden, genügend Sitzmöglichkeiten angeboten und vor allem im neuen Friedpark pflegelose Bestattungen angeboten werden. Stelen, Gärtner gepflegte Gemeinschaftsgräber oder eine Friedwiese wären weitere Möglichkeiten.

Was die Löffinger am Friedhof verbessern wollen

Zahlreiche Anregungen zum Friedhof der Zukunft gab es seitens der Löffinger bei der Infoveranstaltung.

  • Barrierefreiheit: Ein wichtiges Thema bei der Diskussion war die Barrierefreiheit oder Barriere-Armut, die auf dem Friedhof derzeit nur auf der Ost-West-Achse gegeben ist. Die kommunale Inklusionsvermittlerin Annette Scherzinger drängte auf eine Barrierefreiheit und Rampen, um die Steigungen innerhalb des Friedhofsgeländes zu überbrücken. Wolfgang Zepf bemängelte die engen Gassen zwischen den Gräberreihen. Auch dem möchte man in Zukunft Rechnung tragen, auch um die Arbeit der Gewerke zu verbessern. Claudia Heer beanstandete die derzeitigen Wege. Im neuen Wegkonzept sollten diese befestigt werden und zwischen den Grabreihen mehr Platz bieten.
  • Parkplätze: Ein großes Problem im Bereich des Friedhof ist Parkplatzsituation. Laut Bürgermeister Tobias Link und Stadtbaumeister Udo Brugger plane man auf dem Spitz des Feuerwehrgeländes neue Parkplatze anzulegen, „diese reichen wohl nicht“, so das Fazit des Bürgermeistres nach Diskussion. Nicht nur die fehlenden Parkplätze bemängelte Alfons Zimmernann, sondern die gesamte Verkehrssituation in der sehr schmalen Alemannenstraße. Dies würde sich bei einer Einsegnungshalle noch verstärken, so Andrea Burger. Mary Kuster regte an, die Parkplätze am Friedhof quer anzulegen um mehr Parplätze zu schaffen und Rudolf Gwinner wollte Parkplätze vor und nach dem Alemannengrab auf der Bergseite (hier muss noch etwas abgegraben werden) schaffen. Martin Lauble regte an, zu überlegen, ob Parkplätze an der Nordseite vom Kurpark aus möglich wären.
  • Andere Bestattungsformen: Wichtig ist für viele Bürger das Angebot von anderen Bestattungsformen. In Löffingen gibt es bisher nur die Urnen- und Erdgräber. Ein Friedpark, der im unteren Bereich des Kurparks entstehen könnte, bietet viele neue Bestattungsmöglichkeiten. Hauptsächlich, so Friedhofsplanter Weiher, gehe es um pflegearme Gräber, da die Kinder oft nicht mehr vor Ort seien und somit die Grabpflege nicht übernehmen können. Artur und Traute Waibel brachten die anonyme Bestattung ins Gespräch, „wir wollen anonym bestattet werden“, so das Ehepaar. „Das wäre aber sehr schade“, widersprach Maria Waßmer und auch so mancher im Raum war der Meinung, dass der Mensch auch im Tod einen Namen haben sollte. Ob da nicht eine Bestattung in einer Stele, Stein oder auf einer Friedwiese besser wäre, fragte Friedhofsplaner Tobias Weiher. Möglich sei alles – aber auf jeden Fall müsste der Friedhof der Zukunft auch ein Ort des „guten Gefühls“ sein. Hierzu zählten auch Ruhebänke, um dort in aller Ruhe sich entspannen und runter kommen zu könnnen, so Maria Waßmer. Ruhebänke fehlten, dies sehen auch Traute und Artur Waibel so, die oft auf dem Friedhof zu finden sind.