Mit einer weiteren Fastnachtsrarität überraschte der Löffinger Ehrennarrenrat, Heimat- und Fasnetforscher Rudolf Gwinner Haumeister Thomas Sawetzki in der Zunftstube im Maienländer Tor: So manche Fastnachts-Leihgabe in der Zunftstube kommt schon aus dem Haus Gwinner, nun wurde der Reigen der Leihgaben mit einer echten Villinger Narroscheme ergänzt. Die Narroschemen sind allesamt handgeschnitzte, wertvolle Unikate und Zeugnis einer alten Fasnetkultur.

"Wir sind überglücklich, über diese Leihgabe, welche eine echte Bereicherung in der Zunftstube darstellt", freute sich Thomas Sawetzki, der seit zwölf Jahren die Löffinger Zunftstube ehrenamtlich betreut. Doch Rudolf Gwinner, profunder Kenner der süddeutschen Fastnachtskultur, überreichte nicht nur die Villinger Narroscheme, der pensionierte Realschullehrer hatte auch noch reichlich Informationsmaterial rund um die Fasnet mit dabei.

  • Scheme: "Der Begriff Scheme komme aus dem Griechischen und bedeute Spukbild, gespenstische Erscheinung", erklärte Gwinner. Larve sei dagegen aus dem Lateinischen und bedeutet Gespenst. "Larve und Scheme bezeichneten ursprünglich nur die Gesichtsvermummungen", so Gwinner. Anstelle dieser Begriffe habe sich aber die lateinische Bezeichnung Maske (zurückkehrender Toter) durchgesetzt, obwohl damit eigentlich die gesamte Verkleidung einer Person gemeint sei.
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  • Holzmaske: "Im 16. Jahrhundert konzentrierte sich das Maskentragen auf die Fastnacht. Bei geistlichen Spielen und höfischen Festen war es durchaus üblich, Masken zu tragen", informierte Gwinner. Im alpenländischen Raum treten auch außerhalb der Fastnacht Maskenträger auf, etwa an Nikolaus, Martini, Silvester, Neujahr und Dreikönig, so Gwinner. In der Masken-Welt der Fastnacht spielt das Holz eine große Rolle, besonders das Lindenholz. Im 17. und 18. Jahrhundert war die barocke Kirchenkunst Vorbild, deshalb auch die Bezeichnung "Barocklarven". In der Barockzeit gab es einen durchgängigen europäischen Stil, was kulturhistorische Vergleiche eindeutig beweisen würden, so der Fasnetforscher.
  • Villinger Narroscheme: "Die Villinger Narroscheme bezeichnen wir als Glattscheme, die älteste Narroscheme ist datiert um 1750, die älteste Villinger Scheme um 1650. Der Villinger Narro wurde früher als 'Masquera' bezeichnet, noch heute nennen die Villinger die historischen Fastnachtsfiguren 'Maschgere'. Das Wort Scheme sprechen die Villinger als 'Schemme' aus", unterstrich Gwinner. Den ältesten Fastnachtshinweis für Villingen finde man laut Gwinner in den Jahren 1467, 1502 und 1542.
  • Begriff Narro: Der Begriff Narro, so Rudolf Gwinner, komme aus dem lateinischen "narrare" und bedeute "erzählen". Dies zeige die Grundfunktionen des Narros, er habe anderen etwas mitzuteilen. Seine Pflicht sei es zu strählen, jemanden humorvoll und pointiert etwas vorzuhalten.
  • Villinger Maskenschnitzer: Der bedeutendsten Maskenschnitzer Villingen sei der Ölmüller Dominikus Ackermann (1779-1836), dessen Namen zu einem Gattungsbegriff für die heitere Art geworden sei, die "Ölmüllerlarven". Ackermann habe in seinem Umfeld das Schemenschnitzen in eine künstlerische Richtung gelenkt. Er schnitzte Larven von großer Schönheit und zwingender Ausdruckskraft. Viele bekannte Villinger Schemenschnitzer hätten sich an Dominikus Ackermann orientiert, so auch Manfred Merz (1928-2015). Merz stehe nahtlos in der Tradition der Ölmüllerlarven. "Im Narrenschopf in Bad Dürrheim kann eine großartige Schemensammlung von Manfred Merz bewundert werden", so Gwinner.
  • Schnitzer in der Region: Parallel zur Villinger Entwicklung gäbe es auch Hinweise auf Larvenschnitzer in Bräunlingen um 1650, Rottweil 1700, Bonndorf 1765 und Hüfingen 1780. "Die Fastnachtshinweis auf der Baar (14. Jahrhundert Donaueschingen) und die Larventradition zeigen, dass die Baar eine alte Fastnachtskulturlandschaft ist und viele angrenzenden Regionen in ihrer Fastnachtsentwicklung beeinflusst hat", sagte Gwinner abschließend.