Gerade mal 364 Einwohner hat der Löffinger Ortsteil Bachheim, doch dafür manche kulturhistorische Geschichte zu bieten. Bekannt ist der Ort durch die Pfingstwandertage durch die Engeschlucht, die dadurch wieder begehbar wurde. Auch das Nudelfest an Peter und Paul, das immer am 29. Juni gefeiert wird, zeichnet Bachheim aus. Weniger bekannt dürfte die Bachheimer Friedhofskapelle sein.

  • Kapelle in Familienbesitz: Ein richtiges Kleinod ist die Friedhofskapelle, die bis heute im Familienbesitz von Udo Scherer ist. Nur eine Tafel erinnert an die Geschichte der kleinen neugotischen Kapelle, wie Karla Scherer und ihr Schwager Udo Scherer zu erzählen wissen. Die Kapelle ist bis heute ein beliebter sakraler Ort.
  • Schillernde Persönlichkeit: Im Jahr 1827 wurde der heutige Bachheimer Friedhof gebaut. Da die Gemeinden Bachheim und Neuenburg stark verschuldet waren, war man auf private Wohltäter angewiesen. Nicht nur ein Wohltäter, sondern auch eine eindrucksvolle und tragische Persönlichkeit war Matthä Scherer. Die Wirtsleute Scherer, die das Gasthaus Hirschen mit eigener Brauerei sowie eine Landwirtschaft betrieben, waren wohl vermögend. Sie ermöglichtem ihrem Sohn Matthä in München Brauereiwissenschaften zu studieren, so Karla Scherer. Nach dem Studium kam Matthä Scherer wieder zurück und heiratete 1843 Josefa Heizmann, die Wirtstochter des Gasthaus Rößle in Rötenbach. Bald danach ließ sich der Bachheimer von dem revolutionären Gedanken der Badischen Revolution anstecken. „So nahm er im März 1848 nicht nur an der Volksversammlung in Donaueschingen teil, sondern er war auch zusammen mit dem Löffinger Johann Faller aktiv, einem der Wortführer“, so beschreibt Karla Scherer den Bachheimer. Die hier auf den Äckern beschlossene Resolution brachte eine Delegation, zu der auch Faller und Scherer gehörten, nach Karlsruhe. 1849 kochten die Revolutionsgedanken in der Region, besonders revolutionär zeigten sich die Bachheimer, welche Matthä Scherer zum Bürgermeister wählten, der das Abgaberecht an die Fürstenberger außer Kraft setzte. Doch die Revolution scheiterte, ebenso sein Versuch in die Schweiz zu fliehen und so zerplatzen auch seine Lebensträume.
Das Grabmal des Erbauers der Bachheimer Friedhofskapelle Matthä Scherer.
Das Grabmal des Erbauers der Bachheimer Friedhofskapelle Matthä Scherer. | Bild: Silvia Bächle
  • Friedhofskapelle erbaut: Drei der vier Kinder Matthä Scherers starben im Kindesalter, nur Sohn Heribert überlebte. 1863 verstarb seine wichtigste Bezugsperson, seine geliebte Schwester Maria. Über ihrem Grab ließ Matthä Scherer 1864 die Friedhofskapelle im neugotischen Baustiel erbauen mit einem Türmchen über dem Eingang. Durch den neuen Friedhof waren die Kassen in Bachheim und Neuenburg leer und so wandten sich die Gemeinden an Matthä Scherer, die Kapelle für die Gemeinden zu öffnen, ein Ansinnen, dem Matthä Scherer nachkam. Vor allem in den beiden Weltkriegen war die Friedhofskapelle ein Ort des Gebets und der Hoffnung.
  • Eng mit Familienhistorie verbunden: Einen Wendepunkt gab es im Jahr 1914. Der Sohn von Matthä Scherer, Heribert, hatte eine Protestantin aus Jagstheim geheiratet. Nach ihrem Tod weigerte sich der Bachheimer Dorfpfarrer, für die nichtkatholische Verstorbene die Kirchenglocken zu läuten. Diese führte zum Streit und so kam es dazu, dass bei Begräbnissen die Totenglocke auf dem Friedhof ebenfalls nicht mehr geläutet wurden.
  • Kapelle bleibt sakraler Ort: Als 1967 die Leichenhalle gebaut wurde, verlor die Kapelle ihre Aufgabe als Ort für die Aufbahrung der Verstorbenen. Trotzdem ist sie bis heute ein beliebter sakraler Ort, etwa bei Andachten oder an Allerheiligen. Auch wird die Totenglocke hier schon längst wieder geläutet.