Raimund Faller war ein echter Unadinger, ein Mann, der vor 75 Jahren durch das Fallbeil hingerichtet wurde. Sein Vergehen war das Hören von Feindsendern, was als Widerstand gegen Regime der Nazis galt. Der Bachheimer Heimatforscher Harald Ketterer hat sich auf die Spuren gemacht und wird über Raimund Faller am kommenden Sonntag, 24. März, um 15 Uhr einen Vortrag im Gasthaus Hirschen halten.

  • Auf Spurensuche: "Für mich gab es gleich drei Gründe, mich auf die Spuren von Raimund Faller zu machen", informiert Ketterer. Zum einen bestehe großmütterlicherseits ein verwandtschaftliches Verhältnis, zum anderen habe Raimund Faller auch eine interessante Lebensgeschichte vorzuweisen und vor 75 Jahren wurde der Unadinger in Berlin durch das Fallbeil hingerichtet. Im Internet hat Harald Ketterer recherchiert, um dann in Berlin im Bundesarchiv einen Einblick in die Unterlagen von Raimund Faller bekommen. "Ich wollte wissen, weshalb Faller am 27. März 1944 hingerichtet wurde", so Ketterer. Zwei Tage kämpfte er sich in Berlin durch Akten beauftragte dann eine Firma für Kopien, um einen genauen und fundierten Überblick über den Unadinger zu haben.
  • Von Unadingen nach Berlin: Das Elternhaus in der Gauchachstraße von Raimund Faller ist das heutige Elternhaus von Emil Marx. Nach der Schule arbeitet der 1876 Geborene in der elterlichen Landwirtschaft, einen Beruf hatte er wohl keinen. Er leistete den aktiven Wehrdienst 1896 bis 1899 in Karlsruhe. Danach zog er nach Freiburg, war in München, in der Schweiz, in Innsbruck, Wien und kam 1904 nach Berlin. Dort verheiratete sich Faller 1908 mit Ida Unruh, die Ehe blieb kinderlos. 1923 trat er in Berlin der KPD bei, trat 1927 aber wieder aus. Diese Gesinnung kam in Unadingen, hier kehrte er regelmäßig auch zur Heuernte zurück, nicht gut an, zumal Schwager Emil Marx in Unadinger Bürgermeister war.
Mit diesem Auto fuhr Raimund Faller in seinem Heimatort Unadingen vor. 1944 wurde er in Berlin hingerichtet, weil er Feindsender gehört hatte.
Mit diesem Auto fuhr Raimund Faller in seinem Heimatort Unadingen vor. 1944 wurde er in Berlin hingerichtet, weil er Feindsender gehört hatte. | Bild: privat
  • Erste Verurteilung: 1936 kam Raimund Faller erstmals mit dem Staat in Konflikt. Er war einer von sieben Personen, die bei der Verhaftung des Schriftstellers Siegfried Lonngerstädten auftauchten, der illegale Schriften gegen Hitler verteilte. Am 15. Oktober 1936 wurde der "Kraftwagenführer" Raimund Faller zu zwei Jahre Zuchthaus vom Kammergericht Berlin verurteilt, die er in Berlin Brandburg absaß.
  • Zweite Verurteilung: 1943 kündigte Faller seinen Job in Berlin, um wieder nach Unadingen zu fahren, um dort bei der Ernte mitzuhelfen. Auf der Zugfahrt wollte er in Karlsruhe einen Stopp bei seinem alten Kameraden machen, den er bei seiner aktiven Wehrzeit 1896 kennengelernt hatte. Warum er nach so langer Zeit diesen Schuhmachermeister Manfred Schlecht aufsuchte, ist nicht bekannt, doch der Besuch war sein Todesurteil. Raimund Faller erzählte seinem vermeintlichen Freund, dass er Feindsender wie Beromünster (Schweiz), London oder Moskau höre. Dies veranlasste Schlecht, den Unadinger bei der Gestappo anzuzeigen. Dass das Hören dieser Sender verboten war, war jedem bekannt, denn an jedem Radiosender war ein entsprechender Aufkleber "das Hören eines Feindsenders wird mit Zuchthausstrafen geahndet". Da sich das Gesetz verschärfte, wurde das Hören sogar mit dem Tod bestraft. In Unadingen wurde Raimund Faller von der Gestapo aus Singen am 10. August 1943 verhaftet und nach Donaueschingen ins Gefängnis zum Verhör gebracht, hier legte er auch ein Geständnis ab. Mit dem Sammeltransport kam er nach Berlin ins Gefängnis Plötzensee.
  • Das Urteil: Am 18. Februar 1944 war des der gefürchtete Richter Roland Freisler (2600 Todesurteile verhängte er, auch die der Widerstandsgruppe Weiße Rose), der am Volksgerichtshof nach nur einer Stunde die Todesstrafe verhängte. Zwar hatte Faller noch die Möglichkeit ein Gnadengesuch an Hitler zu schreiben, ob dies allerdings überhaupt weggeschickt wurde, ist fraglich. Auch Ehefrau Ida, die zwar angeklagt, aber freigesprochen wurde, schickte noch ein Gnadengesuch. Doch auch dies war vergeblich. Am 27. März 1944 wurde Raimund Faller um 13 Uhr eröffnet, dass er um 15 Uhr mit dem Fallbeil hingerichtet würde. Scharfrichter Wilhelm Röttger führte das Urteil aus. "Um 15.12 Uhr fiel das Fallbeil und enthauptete den Unadinger Raimund Faller", so Ketterer.