Nach eineinhalb Jahren Bauzeit ist das denkmalgeschützte Löffinger Rathaus nicht nur grundsaniert worden, sondern hier wurde ein Bauwerk geschaffen, welches dem Charakter des Baarstädtles voll auf gerecht wird. Nun öffnet die Stadt am Sonntag, 16. September, für die Bevölkerung die Türen des Rathauses.

Stadtbaumeister Udo Brugger vor der alten Holzkunst des Balkengeflechts vor dem modernen Fenster im Dachgeschoss.
Stadtbaumeister Udo Brugger vor der alten Holzkunst des Balkengeflechts vor dem modernen Fenster im Dachgeschoss. | Bild: Gerold Bächle
  • Auszeichnung: Was haben das Löffinger Rathaus und die Royal Academy in London gemeinsam? Beide Sanierungsprojekte wurden, sogar nebeneinander gestellt, von der renommierten Architekten-Zeitschrift "Kunst und Architektur" als Vorzeigeobjekt charakterisiert. Eine berechtigte Auszeichnung, denn was hier das Architekten-Trio Lukas Gäbele, Tanja Raufer und Dominik Ikic geschaffen hat, mit welcher Kreativität und Herzblut hier gearbeitet wurde, ist mehr als beachtenswert.
Nicht nur im Bauamt kann man die wertvollen alten Böden bewundern. Die Mitarbeiter – wie hier Petra Schonhardt – genießen vor allem die Atmosphäre im neuen Rathaus.
Nicht nur im Bauamt kann man die wertvollen alten Böden bewundern. Die Mitarbeiter – wie hier Petra Schonhardt – genießen vor allem die Atmosphäre im neuen Rathaus. | Bild: Gerold Bächle
  • Interessante Historie: "Dem Geist des Ortes nachgespürt", so wurde die Arbeit von Architekt und Designjournalist Christian Schönwetter betitelt. Das stattliche Rathaus im historischen Stadtkern wurde 1830 errichtet und war ein Beispiel eines Multifunktionsgebäudes. Vor allem die große Markthalle mit den Ausmaßen von 33 mal 15 Meter im Erdgeschoss bis hinauf zum großen Kornspeicher unter dem Dach, mit dazwischen liegenden Räumen des Rathauses, eine Gemeindestube für 140 Bürger, Klassenräumen und Lehrerwohnungen, später auch Notariat, Stadtbücherei und die Sparkasse, waren bezeichnend. Erst in den 1960er Jahren wurde das denkmalgeschützte Gebäude ausschließlich als Rathaus genutzt.
Der alte Tresor in der Wand ist das Überbleibsel aus dem alten Rathaus, hier war in früheren Zeiten sogar die Sparkasse untergebracht.
Der alte Tresor in der Wand ist das Überbleibsel aus dem alten Rathaus, hier war in früheren Zeiten sogar die Sparkasse untergebracht. | Bild: Gerold Bächle
  • Hürden gemeistert: Dieser stetige Umbau und die Nutzungsänderungen waren mit zahlreichen Umbauten verbunden, was sich bei der Entkernung des Rathauses zeigte. Tragende Teile wurden einfach entfernt. "Wir waren froh, dass das Rathaus nicht über unseren Köpfen eingebrochen ist", hatte Bürgermeister Tobias Link damals voller Schreck erklärt. Für die Architekten, Statiker Bernd Sättele und Stadtbaumeister Udo Brugger eine schwierige Hürde, die hier überwunden werden musste. Hatte sich doch das Architektentrio Gäbele, Raufer und Ikic zum Ziel gesetzt, den Charakter des Ursprungsgebäudes wieder in Szene zu setzen. Auch der Keller war ein Sorgenkind, denn hier hatte man das Problem der Feuchtigkeit und nicht zuletzt gab es einige Schadstoffe zu entsorgen.
  • Tradition und Moderne: Die Verbindung zwischen Alt und Neu gibt dem sanierten Rathaus einen unverkennbaren Charme und zeigt die Geschichte des Baarstädtchens auf. Besonders sichtbar wird dies in der ehemaligen Fruchthalle, in der nun das Bürgerbüro und Bauamt untergebracht sind. Die gedrechselten (alte und neue) Holzsäulen, die wertvollen Böden, das imposanten Balkengeflecht oder auch die herausnehmbare Holzvertäfelung, hinter der die Versorgungskabel versteckt sind, wurden mit moderner Technik verbunden. Der Charme zwischen Alt und Neu ist unter dem Dach besonders aus geprägt. Hier verbinden sich die notwendige Stahlkonstruktion mit der uralten Balkenkonstruktion. Ein echter Blickfang ist das große alte Holzrad, mit dem früher das Getreide in den Speicher gezogen wurde, welches nun vor dem Trauzimmer zu sehen ist.
  • Zeichen gesetzt: Mit der Komplettsanierung des Rathauses setzte der Gemeinderat ein Zeichen. Nicht nur dass man hier den historischen Stadtkern aufwertete, mit der Modernisierung hat man auch einen zukunftsweisenden Weg in Sachen Energie (Nahwärme), Barrierefreiheit, modernes Arbeitsklima und Arbeitssicherheit beschritten. Von Anfang an informierte man die Bevölkerung, was nun beim Tag der offenen Tür endet.