Der Countdown läuft, die Arbeiten zur Elektrifizierung der Höllentalbahn sind fast abgeschlossen. Mit dem Fahrplanwechsel zum 15. Dezember beginnt eine neue Zeitrechnung, wenn es von Breisach bis Villingen elektrisch ohne Umsteigen und barrierefrei mit der Breisgau S-Bahn-2020 vom Oberrhein in den Schwarzwald geht.

  • Neue Ära eingeläutet: Schon als der Bau der Höllentalstrecke Ende Mai 1882 begann wurde eine neue Ära eingeläutet. Nun beginnt auf der Höllentalbahn ein weiterer zukunftsweisender Zeitabschnitt, wenn ab 15. Dezember die neue elektrifizierte Höllentalbahn von Breisach bis Villingen in Betrieb geht. Der Personenverkehr, so Bauüberwacher Salwan Al-Maschat, wird mit dem geplanten Fahrplanwechsel ab 15. Dezember aufgenommen.
Derzeit laufen schon die Überprüfungen, wie hier im Gleisbereich des Löffinger Bahnhofs, denn ab 15. Dezember soll die Höllentalbhan Ost betriebsfertig sein.
Derzeit laufen schon die Überprüfungen, wie hier im Gleisbereich des Löffinger Bahnhofs, denn ab 15. Dezember soll die Höllentalbhan Ost betriebsfertig sein. | Bild: Gerold Bächle
  • Neue Struktur geschaffen: Schon seit 1936 ist der Abschnitt Freiburg bis Neustadt elektrifiziert, ab dort ging es mit der Diesellok weiter. Umsteigen gehört nun der Vergangenheit an. Um dieses ehrgeizige Projekt der weiteren Elektrifizierung zu verwirklichen, bedurfte es einer großen Zusammenarbeit zwischen dem Bund, Land, dem Zweckverband Regio-Nahverkehr Freibug (ZRF) mit der Stadt Freiburg und den beiden Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald und dem Landkreis Schwarzwald-Baar, die als Projektträger für die neue Mobilität in der Region standen. Die technische Voraussetzung war ein angepasster Ausbau der Schieneninfrastruktur. Mit dem Umbau wurde auch Barrierefreiheit geschaffen.
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  • Herausforderung gemeistert: Auf der Strecke zwischen Neustadt und Donaueschingen befinden sich fünf Tunnels, die mit einer Oberleitungsanlage versehen werden mussten. „Eine besondere technische Herausforderung, dass es sich zum einen um schwer zugängliches Gelände handelt, die Tunnels relativ kleine Querschnitte haben und zum anderen die Geologie sehr unterschiedlich war“, so Bauleiter Salwan Al-Maschat. Manchmal konnte gesprengt, manchmal musste abgegraben werden. Das spröde Gestein musste durch zusätzliche Sicherungsmaßnahmen gefestigt werden, ein Mehraufwand von Material und Logistik. Der schwierigste Tunnel war der Tunnel bei Döggingen, der gleichzeitig mit einer Länge von 535 Metern auch der längste ist. Die Gesteinsschichten Keuper und Muschelkalk, die hier aufeinander treffen, erforderten, das gesamte Gewölbe zu schließen, so der Bauüberwacher, dies hätte sehr viel Zeit gekostet. Nicht geplant war der Helikoptereinsatz, um die Strommasten im unwegsamen Gelände an Ort und Stelle zu transportieren.
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  • Endarbeiten laufen: Die Strecke zwischen Löffingen und Neustadt sei fertig, so Salwan Al-Maschat, es fehlen lediglich noch vereinzelten Arbeiten am Leitsicherheitssystem. Immer wieder werde geprüft, derzeit laufe schon die Betriebsabnahme wie Oberbau, Bahnübergänge, Bahnhöfe oft auch mehrmals, denn die Sicherheit müsse gewährleitet sein. Lediglich in Unadingen sei der Bahnsteigausstieg noch nicht ganz fertig. „Es ist der letzte“, so der Bauüberwacher. Ende des Monats laufe die Untersuchung der Gleisgeometrie, aktuell werden Messfahrten mit Schienenprüffahrzeugen durchgeführt, diese kontrollieren mit Ultraschall.
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Einweihungsfest

Mit dem Bau der Höllentalbahn, 1882 von Freiburg bis Neustadt, 1901 wurde der Abschnitt Neustadt Donaueschingen eröffnet, wurde den Menschen eine neue Mobilität eröffnet. Damals kamen viele Arbeiter aus Italien, um die schwierige, 76 Kilometer lange Strecke zu bauen. Bei der Elektrifizierung sind über 1000 Menschen im Einsatz, darunter viele Österreicher. Im März 2017 wurde mit der Elektrifizierung Höllental West, im Mai 2018 mit dem Abschnitt Ost begonnen. Am 14. Dezember soll die neue Bahnstrecke eingeweiht werden. Es wird verschiedene Veranstaltungen geben, hier wird auch der Vorstand der Deutschen Bahn, Roland Pofalla, erwartet.

Wissenswertes rund um den Ausbau der Höllentalbahn

Der Ausbau der Höllentalbahn mit der Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Donaueschingen und Neustadt ist fast abgeschlossen.

  • Elektrifizierung: Auf der gesamten Strecke wurde eine elektrische Oberleitung angebracht. Zur Steuerung der Stromversorgung wurde in den Bahnhöfe Titisee und Donaueschingen Schaltposten errichtet. In den Tunnels wird die Elektrifizierung durch Stromschienen, die an der Tunneldecke befestigt sind, geboten.
  • Kosten- und Zeitrahmen: Es war ein ehrgeiziges, aber zukunftsweisendes Projekt, die Elektrifizierung der Höllentalbahn Während man trotz mancher technischer Herausforderung und auch den witterungsbedingten Störungen (so legte im Januar 2018 das Sturmtief Burglind die Arbeiten teilweise über 21 Tage lahm) im vorgesteckten Zeitrahmen blieb, sieht es bei den Kosten anders aus. Alleine für die Höllenbahn Ost rechnet man mit Mehrkosten von über 18 Millionen Euro. Höhere Materialkosten, mehr Material und vor allem der Drei-Schicht-Betrieb bei den Tunnelbaustellen sind wohl dafür verantwortlich. Genaue Zahlen liegen dem Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald noch nicht vor, so Kreisrat Rudolf Gwinner.
  • Überführungen und Bahnübergänge: Die beiden Bahnübergänge in Löffingen am Schneekreuz und Bahnhofstraße wurden mit neuster Technik ausgestattet und die Übergänge entsprechend angepasst. Die beiden Brücken Oberwiesenweg und die in Bachheim sorgten im Löffinger Gemeinderat für ordentlichen Diskussionsstoff, da beide eine zu geringe Durchfahrtshöhe hatten. Während man aus Kostengründe auf die Oberwiesenbrücke verzichtete, wurde der Übergang in Bachheim mit einer neuen Brücke versehen. Die alte Brücke wurde abgerissen und neu aufgebaut. Derzeit fehlt nur noch der Asphalt belag.
  • Haltpunkte im Ösch: Von der Elektrifizierung profitieren auch die Orte Unadingen und Bachheim, da es nun mehr Zughalte gibt. An allen Haltestellen gab es bauliche Maßnahmen. So wurden die Bahnsteige den neuen Zügen angepasst und in Rötenbach, Bachheim und auch in Unadingen verlängert. Die Erschließung der Bahnsteige erfolgt an allen Haltestelle über eine Rampe. Löffingen wurde wie Döggingen wieder zum Kreuzungsbahnhof. Zur Einhaltung des Fahlplankonzepts wird im Baarstädtchen das gleichzeitige Einfahren von zwei Zügen aus verschiedenen Richtungen ermöglicht. Dazu wurde das mechanische Stellwerk durch ein elektronisches ersetzt. Der bisherige Mittelbahnsteig wurde entfernt, dafür zwei versetzte Außenbahnsteige gebaut.