Dank des ehrenamtlichen Engagements freiwilliger Helfern präsentiert sich die Kiesgrube Reiselfingen jetzt wieder als Musterbiotop. Die Freiwilligen befreiten bei einer gemeinsamen Aktion den Bereich Kiesgrube vom Wildwuchs. Bei der Biotoppflege gab es zudem interessante Informationen von den Fachleuten für die 17 Teilnehmer. Bezirksnaturschutzwart Gerrit Müller, Experte für den zu schützenden Auerhahn, Karl Meister, Verantwortlicher der Stadt Löffingen für den Holzverkauf und Revierleiter, gaben einen Überblick über Geologie, Biologie und Geschichte der Kiesgrube.

Namens der Geschäftsleitung des Kiesgrubenbetreibers Meichle und Mohr informierte Peter Superson, dass die Planung für den Rohstoffabbau wie Kies und Sand in Reiselfingen wahrscheinlich für die nächsten 50 bis 60 Jahre gesichert sei. „Noch im Jahr 2019 rechnet die Geschäftsleitung mit den notwendigen Zusicherungen. So werden im Jahr rund 300 000 Tonnen Rohstoff aus der Kiesgrube Reiselfingen abgebaut. Für die Erweiterung wie Rationalisierungen im technischen Bereich wird mit der Baugenehmigung Anfang bis Mitte 2022 gerechnet“, erklärte Superson.

Jedes Jahr findet im Herbst die Biotoppflege statt, welche für den Fortbestand der Kiesgrube eine große Bedeutung hat. So werden die Kulturen durchforstet und Biotope für die Artenvielfalt freigelegt, vor dem Zuwachsen bewahrt und so Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten. In Reiselfingen wird seit 1954 Kies abgebaut. Die Kiesgrube hat jedoch nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern leistet auch einen bedeutenden Beitrag zur Natur. Vor allem um die künstlich angelegten Seen hat sich ein Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Die Bedingungen in der Kiesgrube bieten Lebensraum für so seltene Tiere und Pflanzenarten, wie das rotbraune Wiesenvögelchen, die glänzende Binsenjungfer, den schwarzbindigen Prunkläufer, die gemeine Wasserlibelle, das kleine Granatauge, die Geburtshelferkröte, die westliche Beißschrecke oder den deutschen Ginster. Tier- und Pflanzenarten, die schon längst in der Roten Liste als „gefährdet“ und „stark gefährdet“ aufgeführt sind. Schon seit 1993 wird die Abbaufläche immer wieder vom Institut für Naturschutz und Landschaftsanalyse untersucht.

Die Zeichen der großen Trockenheit im Forst in diesem Jahre zeigte Karl Meister auf. So hat der Standort wie Südseite oder Ostseite eine große Bedeutung. Hinzu kommt natürlich auch die Bodenqualität und dessen Unterschied in seiner Artenvielfalt. „Allerdings ist dort auch ein großer Unterschied im Unterholz mit dem Wachstum der übrigen Vegetation zu erkennen“, sagte der Experte.

Die Trockenheit spürt man auch stark in der Qualität des Holzes. Diese geht stark zurück, ebenso auch die Menge, so Karl Meister. So wurden 10 000 Festmeter weniger von den Forstleuten eingeschlagen, was sich in der Holzkasse der Stadt mit 600 000 Euro bereits niederschlägt. Die Teilnehmer kamen aus Reiselfingen und Löffingen sowie vom Schwarzwaldverein um Naturschutzwart Konrad Waldvogel, auch die Segelfliegergruppe war mit vier Mitgliedern mit von der Partie. Nach der Führung durch die Fachleute und der zweistündigen Tätigkeiten mit Axt, Astschere und Säge beim Kultivieren, erhielten die Akteure als Dank eine Einladung der Firma Meichle Mohr in die Fliegerklause des Segelfliegervereines.