Bernhard Schorp aus Döggingen ist für das Baarstädtchen Löffingen ein Glücksfall. Der Maschinenbauer-Meister und Betriebswirt im Maschinenbau hat gleich vier leer stehende alte Gebäude in Löffingen in den letzten Jahren wieder zu neuem Leben erweckt und dabei auch noch 75 Arbeitsplätze ins Baarstädtchen geholt.

  • Nachhaltigkeit als Anliegen: Schon vor 40 Jahren, als Nachhaltigkeit in der Gesellschaft kaum eine Bedeutung hatte, war Bernhard Schorp immer bestrebt, Altes zu erhalten und so zu sanieren, dass es dem Arbeitskreislauf wieder zugeführt werden konnte. „Schrott gibt es für mich kaum“, sagt Bernhard Schorp. Vor allem früher seien die Maschinen langlebiger gewesen und 50 Jahre alte Maschinen waren einst lukurativ zur Überholung und Modernisierung. „Heute sind die Maschinen nach kurzer Zeit wieder überholungsbedürftig, was natürlich auch für stetige Arbeit sorgt“, meint Schorp.
So präsentiert sich der ehemalige Wertstoffhof heute. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ist auch ein Zeichen von Nachhaltigkeit.
So präsentiert sich der ehemalige Wertstoffhof heute. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ist auch ein Zeichen von Nachhaltigkeit. | Bild: Gerold Bächle
  • Maschinenbauer aus Passion: Diese Gabe, aus Altem wieder Neues zu machen, führte Bernhard Schorp wohl auch zu seinem beruflichen Ziel. Eine große Stütze ist für ihn Ehefrau Margot, mit der er seit 42 Jahren verheiratet ist. „Für mich ist der Beruf eine Berufung“, kommentiert der sympathische Handwerksmeister. Dass nicht nur Können, sondern auch sehr viel Zeit, Arbeit und Herzblut hinter dieser Arbeit steckt, wurde in entsprechenden Kreisen schnell bekannt und so kamen die Firmen, um bei ihm ihre Maschinen wieder auf Vordermann bringen zu lassen. Dies ist bis heute so geblieben. So führt er immer noch das Schaben der Maschinenbette aus, ein aussterbendes Handwerk, das laut Schorp kaum noch einer kennt oder beherrscht. „Diese Handarbeit ist wie das Schleifen für die Präzisionsarbeit sehr wichtig“, so Schorp.
Seit 40 Jahren ist Bernhard Schorp selbstständiger Maschinenbauer-Meister, seit 20 Jahren ein kreativer Projektentwickler in Löffingen, hier mit Ehefrau Margot, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht.
Seit 40 Jahren ist Bernhard Schorp selbstständiger Maschinenbauer-Meister, seit 20 Jahren ein kreativer Projektentwickler in Löffingen, hier mit Ehefrau Margot, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. | Bild: Gerold Bächle
  • Alte Gebäude zum Leben erwecken: Per Zufall führte ihn einst der Weg auf der Suche nach einer Erweiterungsmöglichkeit für seinen Betrieb nach Löffingen. Im Baarstädtchen stand die Halle von Schöller-Eis, welche dem Bauunternehmer Heinrich Wider gehörte, leer. So erwarb er 1990 das Gebäude, nicht um gleich einzuziehen, nun konnte er auch auch ganz seiner Leidenschaft, dem Bauen, nachgehen. Auch hier hieß die Devise aus Alt mach Neu. Heute kann Bernhard Schorp auf vier solcher Gebäude blicken, denen er als Projektentwickler zu neuem Leben verholfen hat. Viel Herzblut, Innovation und große Investitionen stecken hinter dieser Löffinger Projektentwicklung. „Was ich aus meiner Arbeit als Maschinenbauer erwirtschafte, kann ich hier bei den Gebäuden einbringen“, so Bernhard Schorp.
In der einstigen Schöller-Eishalle auf dem ehemaligen Löffinger Benz-Areal ist nach der Grundsanierung nun das Unternehmen von Bernhard Schorp aus Döggingen zu finden.
In der einstigen Schöller-Eishalle auf dem ehemaligen Löffinger Benz-Areal ist nach der Grundsanierung nun das Unternehmen von Bernhard Schorp aus Döggingen zu finden. | Bild: Gerold Bächle
  • Eishalle: Die Schöller-Eis-Halle stand auf dem Areal des ehemaligen Sägewerks Benz, welches 1972 nach einer bewegenden Geschichte still gelegt wurde. „Das Gebäude selbst dürfte Anfang der 70-er Jahre gebaut worden sein“, sagt der Handwerksmeister. Bernhard Schorp baute es Stück für Stück um, sanierte es grundlegend, um dann nach acht Jahren 1998 mit seinem Unternehmen von Döggingen nach Löffingen zu zuziehen. Hier werden die Maschinen grundüberholt, saniert und modernisiert. Gleichzeitig sind hier die Produktions- und Begleitmaschinen untergebracht.
Auf dem alten Areal des Sägewerks Benz hat Bernhard Schorp zwei Gebäude reaktiviert. Das historische Bild zeigt links mit dem großen Dach die ehemalige Wertstoffhalle, in der Halle ganz rechts ist heute Firma Schorp untergebracht.
Auf dem alten Areal des Sägewerks Benz hat Bernhard Schorp zwei Gebäude reaktiviert. Das historische Bild zeigt links mit dem großen Dach die ehemalige Wertstoffhalle, in der Halle ganz rechts ist heute Firma Schorp untergebracht. | Bild: Archiv Schorp
  • Hogg-Gebäude: Das zweite Objekt, das ehemalige Hogg-Gebäude an der Talstraße wurde in den 60-er Jahren gebaut. Viele Jahre produzierte hier die Firma Hogg, 1998 ging aus der Konkursmasse die Präzisions- und Verzahnungstechnikfirma Berner hervor. Doch drei Jahre später war auch hier Schluss. Sechs Jahre stand das Gebäude leer, bis Bernhard Schorp es erwarb und grundsanierte. Auch hier investierte er eine Menge an Zeit, Arbeit und noch mehr Geld, bis das Gebäude für die Firma WST zum Ausweichplatz werden konnte. Nach sechs Jahren verabschiedete sich WST, um in die eigenen neuen Räumlichkeiten umzusiedeln. Nun zeigte sich erneut das Verhandlungsgeschick von Bernhard Schorp und sein Bekanntheitsgrad. Er schaffte es, das Eisenbacher Unternehmen Grieshaber mit 75 Arbeitsplätzen nach Löffingen zu bringen. Für das in der Zwischenzeit Schweizer Unternehmen keine Selbstverständlichkeit, denn Löffingen war nicht die erste Wahl. Doch nach der erneuten Sanierungen der 4000 Quadratmeter umfassenden Immobilie auf dem neuesten gebäudetechnischen Stand und der großen Unterstützung durch den damaligen Bürgermeister Norbert Brugger und den ehemaligen Stadtbaumeister Thomas Rosenstiel, die immer ein offens Ohr hatten, ist dieses Projekt 2018 gelungen. Als letztes hat der Projektentwickler auch das kleiner Gebäude der ehemaligen Firma Hogg an der Talstraße erworben und wieder grundsaniert. Gleichzeitig entsteht am heutigen Grieshaber-Gebäude noch eine Wohnung im früheren Wohnhaus der Firma Hogg.
  • Alter Wertstoffhof: Der alte Wertstoffhof, ebenfalls auf dem ehemaligen Benzgelände, hat laut Schorp über 100 Jahre auf dem Buckel. Für die Stadt Löffingen war das Gebäude unwirtschaftlich geworden, da eine Sanierung einfach zu teuer war. Wiederum war es Bernhard Schorp, der das Gebäude rettete. Das alte, noch tragfähige Holzgebälk wurde erhalten und teilweise ersetzt. Nun sind auf der 1400 Quadratmeter großen Fläche Ersatzteile und Maschinen untergebracht.
  • Alternative Energien: Neben der Nachhaltigkeit ist auch der Umweltgedanke bei Bernhard Schorp fest verankert. So gehörte er zu den ersten Besitzern einer Photovoltaikanlage in der Baarstadt Löffingen. Alleine an der Talstraße kann das Unternehmen Grieshaber auf 300 Kilowatt alternative Energie zurückgreifen. Bewusst wurden die Anlagen auf die Dächer der Hallen gesetzt und nicht auf Wiesen. „Diese Wiesenflächen sollten anders genutzt werden“, erklärt Schorp. Heute speist er nach eigenen Angaben insgesamt ein Megawatt Strom ins Netz ein.