Außergewöhnliche Klänge, Menschen mit ungewohnter Kleidung und Aussehen waren jüngst im Hochschwarzwald anzutreffen: Mongolen und die Freunde des Altai trafen sich in Lenzkirch-Kappel, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen, ganz nach dem Motto „die Mongolei im Schwarzwald“.

Diese außergewöhnliche Idee hatte Amélie Schenk, die Ethnologin, Schamanenspezialistin und Schriftstellerin, die sich seit vielen Jahren für die Nomaden in der Westmongolei einsetzt. „Die Mongolei gerät immer mehr ins Blickfeld, ist ein neues Sehnsuchtsland. Das hat seine guten, aber auch zweifelhaften Seiten, bringt oft mehr Verklärung denn Aufklärung. Umso wichtiger ist unsere Arbeit für eine solide Brücke zwischen der fernen nomadisch-ländlichen Westmongolei und unserem Europa“, erklärt Amélie Schenk. So gründete sie vor 15 Jahren den gemeinnützen Verein „Freunde des Altai", schreibt zahlreiche Bücher und geht auf Vortragsreise. In der Winterszeit, mehr als die Hälfte des Jahres, lebt sie in der Mongolei und nimmt auch ausgesuchte Personen mit ins Altai-Gebirge. Nun lud sie erstmals zu einem Treffen nach Lenzkirch-Kappel ein, um Menschen von hier und dort zusammen zu bringen, und damit den Kulturaustausch zu fördern.

Vier Tage galt es das einfache und natürliche Leben zu leben, die Natur ganz in sich aufzunehmen und dabei diese völlig neu zu erleben. Die weit über 100 Teilnehmer kamen nicht nur vom Schwarzwald, sondern selbst aus Frankfurt, Berlin, aber auch aus der Schweiz, Frankreich und Österreich. Für etwa ein Drittel war es ein Wiedersehen und Wiedererleben mit dem mongolischen Leben. Die mongolischen Sänger Borkhuu und Amar, der Bergnomade und Jäger aus dem Altai-Gebirge Borchüü, die Geschichtenschreiberin Delgermaa oder der Pferdekopfgeiger und Kehlkopfsänger Sengedorsch kamen extra in den Hochschwarzwald, um ihre Kultur aufzuzeigen und die Brücke aus dem Osten zu schlagen.

Auf der anderen Seite der Brücke standen Wolfsforscher und Wildbiologe Peter Sürth, der Völkerkundler Holger Kalweit, der Stimmforscher Wolfgang Saus, die Sängerin Sylvia Kirchherr, von der Wildnisschule Olvier Heine und Stefanie Blankenburg, die Spinnerin Anja Pforte und die Filzkünstlerin Agathe Meier, die mit den Nomaden in der Mongolei schon gefilzt hat.

Auf dieser Brücke der Völkerverständigung gab es Musik aus dem Schwarzwald und Klänge der Mongolei, da vermischten sich Jodeln und Kehlkopfgesang, das Pferdkopfspielen und die Wutachtäler Alphornbläser. „Musik ist Leben und Leben ist Musik“, erklärte der offizielle Kulturbotschafter der Mongolei, Bernhard Wulff aus Freiburg. Mitten auf der Brücke steht Amélie Schenk, die „Mongolen-Deutsche“, welche für beide Seiten das Leben im Einklang mit der Natur zeigt. Mit Filmen, Vorträgen und auch Exkursionen mitten in der Natur konnten die Besucher diesen Einklang selbst erleben, sei es beim Sonnenaufgang am Wasserfall oder bei der Himmelbeobachtung in der Nacht.

Zur Natur gehört auch die Flora und Fauna und auch diese bekamen neue intensivere Bedeutungen. Der Vortrag zum Weg der Wölfe, aber auch die fliegenden Adler und Falken des Löffinger Falkners Franz Ruchlak, vermittelten hier die entsprechenden Eindrücke.

Freunde des Altai

Der Verein „Freunde des Altai“ lud zur Völkerverständigung nach Lenzkrich-Kappel ein, um eine Brücke zwischen den Europäern und den Bergnomaden im Altaigebirge der Westmongolei zu schlagen. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensweisen und die traditionelle Struktur und Werte der Nomaden zu schützen und zu erhalten. So hilft der Verein den Nomadenfamilien in Not, unterstützt die mongolische Medizin, fördert das Singen und die Musik, aber auch das Nomadenhandwerk und Frauengruppen. (pb)

Informationen im Internet:www.freunde-des-altai@online.de