Bevor im Frühjahr 2019 die Arbeiten zur Sanierung und Umgestaltung des Löffinger Rathausplatzes anlaufen, muss das Siegesdenkmal, das dort seit 1896 prangt und an den für die deutsche Seite positiven Ausgang des deutsch-französischen Krieges der Jahre 1870/71 erinnern soll, weichen. Das denkmalgeschützte Bauwerk soll einen neuen Standort im Stadtbereich erhalten. Wohin nun also mit dem Ding? Darüber diskutierte der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung recht lebhaft und fand schließlich eine Lösung, von der ein geschichtsbewanderter Ex-Stadtrat ganz und gar nicht begeistert war: Das Stein gewordene Siegeszeichen soll im Frühjahr nächsten Jahres eine neue Bleibe im Bereich des Friedhofs finden. An welcher Stelle genau, ist derzeit noch offen und soll von der Stadtverwaltung eruiert werden.

Vier mögliche Standorte, die der Stadtverwaltung im Vorfeld aus den Reihen der Gemeinderatsfraktionen übermittelt worden waren, standen zur Debatte: der Vorplatz der Festhalle, der Bereich 'Friedenslinde' im Kurpark, der Kurpark als solcher und das Friedhofsareal. Die Diskussion im Gemeinderat offenbarte auch den Stellenwert, den verschiedene Stadträte dem Siegesdenkmal einräumen. Das Spektrum reichte von "nicht mehr zeitgemäß und daher irrelevant" bis "stadtgeschichtlich von hoher Bedeutung".

FDP/FW-Fraktionschef Werner Adrion meinte, das Siegesdenkmal habe keine sinnstiftende Wirkung und sei nicht mehr zeitgemäß. Insofern stelle er keine hohen Ansprüch an den künftigen Standort. Ob Friedhof oder Kurpark sei ihm einerlei, Hauptsache nicht an zentraler Stelle vor der Festhalle. Im Zweifelsfall käme er auch prima damit hin, wenn man "das Ding" komplett abräume und nicht wieder errichte.

Ähnlich sah das Inge Siebold (SPD): "Ich könnte auch ruhigen Gewissens mit einer rückstandslosen Entsorgung weiterleben", sagte sie. Thematisch, quasi als Kontrapunkt, passe das Siegesdenkmal am ehesten zur Friedenslinde, regte Dieter Köpfler (SPD) an. Dem Platz vor der Festhalle konnte Köpfler nichts abgewinnen, ebensowenig wie Andrea Burger (FDP/FW): Das Siegesdenkmal sei nicht nur optisch altmodisch, als neuer Standort komme der Friedhofsbereich in Frage, meinte sie. Auch Martin Lauble (CDU) mochte sich "altertümliche Ding" nicht auf dem Festhallenvorplatz vorstellen.

Andere Stadträte und Bürgermeister Tobias Link gingen das Thema diplomatischer an. "Einerseits verherrlicht das Denkmal einen siegreichen Krieg. Kriege haben aber letztlich keine Gewinner. Insofern ist es nicht mehr zetgemäß. Andererseits ist das Siegesdenkmal ein Teil der Stadtgeschichte, der nicht ersatzlos gestrichen werden sollte", führte Link aus. Er schlug vor, das Siegesdenkmal auf dem Festhallenvorplatz zu verorten, aber so einzubetten, dass es zu einem Mahnmal gegen Krieg, Terror und Gewalt mutiert. Mit dieser Idee hätte sich unter anderem auch Marlene Müller-Hauser (CDU) abfinden können.

Nicht ganz unerwartet angesichts des zur Diskussion und Entscheidung anstehenden Themas meldete sich aus den Besucherreihen mit Rudolf Gwinner auch das personifizierte stadtgeschichtliche Gewissen Löffingens zu Wort. Er äußerte sich entsetzt über das aus seiner Sicht mangelnde Geschichtsbewusstsein, das bei einer Mehrheit der Stadträte offenbar vorherrsche, und plädierte vehement für den Festhallenvorplatz als einzig adäquaten neuen Standort für das Siegesdenkmal. Die Entscheidung des Gemeinderats fiel letztlich anders aus.