Sie haben im Frühjahr, nach dem Weggang von Dirigent Markus Bölle, die Leitung des Musikvereins Reiselfingen übernommen. Ist dies ein langfristiges Engagement?

Nein, ganz sicherlich nicht. Ich habe gerne die Leitung übernommen, damit die Vorstandschaft in aller Ruhe nach einem geeigneten Dirigenten suchen kann. Für mich steht das Studium derzeit an erster Stelle.

Sie sind ja in Freiburg immatrikuliert. Wie sieht es denn mit den Proben aus?

Das ist nicht einfach, zumal ich auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen bin. Ich komme immer freitagabends nach Hause, sodass wir dann proben können. Wenn ich zu Hause bin, widme ich mich dem Musikverein. So hatten wir auch jüngst ein ganzes Probenwochenende.

Wie kamen Sie zur Musik?

Durch meinen Vater, er ist mit Leib und Seele Musiker, nicht nur als Saxofonist, sondern auch als Vorsitzender des Musikvereins Reiselfingen und als Gremiumsmitglied des Blasmusikverbands Hochschwarzwald. Musik ist in unserer Familie ein großes Thema.

Wann haben Sie aktiv mit der Musik begonnen?

Im Jahr 2006 habe ich mit der Ausbildung an der Klarinette bei Markus Bölle im Musikverein Reiselfingen begonnen. Später ging ich zu Brigitte Weigmann von der Jugendmusikschule, seit 2009 bin ich aktiv im Musikverein Reiselfingen.

Wie kamen Sie dazu, auf die andere Seite, ans Dirigierpult, zu wechseln?

Ich war einfach neugierig und wollte das Dirigieren einmal ausprobieren. So habe ich mich mit 16 Jahren für einen Einsteigerkurs in der Blasmusikakademie in Staufen angemeldet. Dies hat mir richtig Spaß gemacht, vor allem auch, da ich vom Verein die Möglichkeit bekam, mich als Dirigent auszuprobieren. So durfte ich bei den Auftritten oft ein oder zwei Stücke dirigieren.

Sie haben ja dann auch eine Jugendkapelle gegründet?

Nicht gegründet, sondern die Leitung übernommen. Es ist keine Jugendkapelle, sondern junge Musiker aus Reiselfingen, die sich zu Projekten zusammen finden. So auch für Jahreskonzerte. Zwei Mal habe ich mit der Jugend-Projektkapelle in der voll besetzten Halle beim Jahreskonzert spielen dürfen. Dies ist ein echt tolles Gefühl. Ein besonders Erlebnis war auch die Teilnahme beim Jugend-Wertungsspiel in Grafenhausen 2016.

Nun steht das Weihnachtskonzert des Musikvereins am 25. Dezember in der Dietfurthalle an. Sie werden dieses erstmals als Dirigent eigenverantwortlich leiten. Hat das Konzert nun mehr jugendliche Aspekte?

Nein das wäre nicht richtig. Ein Konzert sollte allen Spaß machen, allen Musikern, aber auch dem Publikum. Deshalb habe ich versucht, eine abwechslungsreiche Literatur für alle zusammen zu stellen.

Der Musikverein Reiselfingen hat derzeit etwa 40 Mitglieder im Alter von elf bis über 70 Jahre. Ist dies nicht eine große Herausforderung?

Eigentlich nicht, wenn man Musik als Ganzes sieht. Durch die unterschiedlichen Musikrichtungen wird auch der musikalische Horizont erweitert. Außerdem kann man damit zeigen, wie vielfältig die Blasmusik sein kann.

Nach welchen Kriterien haben die das Programm zusammen gestellt?

In erster Linie stand der Spaßfaktor an. Die Musiker müssen gerne die Stücke spielen. So habe ich auch die Wünsche der Musiker berücksichtigt. Das Programm enthält Literatur der oberen und mittleren Mittelstufe. Ich möchte die Musiker fordern, aber nicht überfordern.

Verraten Sie uns schon was von der Vielfältigkeit des Konzerts als Appetithappen für die Besucher?

Sehr gerne. Der erste Teil ist eher konzertant, nach der Pause geht es mit der Unterhaltungsmusik weiter. Wir starten mit "Invicta", einer energiegeladenen dramatischen Ouvertüre. Zeigen mit "Largo" aus der Oper Xerxes, dass Blasmusik auch klassisch geht. Natürlich kommen die Liebhaber der Märsche und Polka auch auf ihre Kosten. Die Musiker selbst haben sich einige Blasmusik-Klassiker ausgesucht.

Sie sagten, der zweite Teil ist eher der Unterhaltungsmusik gewidmet. Mit welchen Höhepunkten darf der Gast rechnen?

Mit einem fetzigen Pop-Medley der englischen Band Coldplay setzen wir rhythmische Grooves. Ein Höhepunkt wird auch "Minnie the Moocher" sein, ein Jazz-Swing Song von Cab Callowag im Big-Band-Sound. Hier wird sich Pia Duttlinger als Sängerin profilieren.

Hat das Konzert auch eine Verbindung zur 800-Jahr-Feier?

Selbstverständlich, für diese Verbindung werden wir "Irish Castle" von Markus Götz spielen. Die Musik führt in auf eine alte Irische Burg mit einer wunderbaren Sagengeschichte, die choralmäßig und auch mit Fanfarenklängen belegt ist. Außerdem war der Reiselfinger Schutzpatron der Heilige Fridolin Missionar aus Irland.

Wann findet das Konzert statt?

Traditionell findet das Jahreskonzert des Musikvereins Reiselfingen am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, um 20 Uhr in der Dietfurthalle statt.

Fragen: Silvia Bächle