Der Löffinger Ortsteil Dittishausen wird bis heute auch gern als „Dorf am Himmel“ bezeichnet. Schon im Unterkunftsverzeichnis aus dem Jahr 1968 wird dem Feriengast der Luftkurort mit dem damals einzigen heizbaren Freibad des Hochschwarzwalds angepriesen. Jeden Sonntag fand eine Kaffeefahrt mit modernen Omnibussen statt und auch Wanderungen wurden angeboten. So in den neuen Wildpark in Löffingen, der 1967 seine Pforten öffnete.

Dass aus dem armen Bauerndorf ein bekannter Ferienort wurde, ist dem damaligen Bürgermeister Fritz Rupp zu verdanken. Zwar hatte die eine oder andere Familie schon Zimmer vermietet, um zumindest ein wenig Geld zu verdienen. Für die Übernachtung mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen bezahlte der Gast nach dem Zweiten Weltkrieg pro Tag 5,80 Mark. Fritz Rupp dachte im Größeren, vor allem nachdem er 1957 zum Bürgermeister gewählt wurde. Der Polsterer und Sattler kam in den Hotels im Schwarzwald herum und erkannte, dass sein Dittishausen mit der tollen Lage, dem Blick über den Schwarzwald und zur Baar, mit dem Klima, der Flora und Fauna und vor allem durch die Freundlichkeit der Bevölkerung ein großes Potenzial in Sachen Tourismus hatte. Schnell überzeugte er den Gemeinderat, verhandelte mit mehreren Firmen und vergab an die Architekten-Firma Wolfgang Kittler in Würzburg den Auftrag am Hang über dem Steinbruch 21 Ferienhäuser zu planen. Dabei wurden die einheimischen Firmen mit ins Boot genommen, so das Mauergeschäft Bruno Schropp, Schmiedemeister Karl Burkhard, Dachdeckergeschäft Alfons Steiger, die Schreiner Pius Hasenfratz und selbst das Maurergeschäft Volz/Held aus Bräunlingen war mit im Boot. Rupp selbst stattete die Häuser mit Bodenbelägen, Gardienen und Tapezierarbeiten aus. Mit großem Unternehmergeist, so schreibt Maria Rupp in ihrem Büchlein, suchte Fritz Rupp Käufer für die schönen Ferienhäuser und diese kamen in Scharen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Die Gemeinde hatte für das Feriendorf ein Gelände von 2,5 Hektar zur Verfügung gestellt. Geschickt hatte Fritz Rupp mit dem Würzburger Achtikten verhandelt, der die Erschließungskosten von Straße, Wasser, Kanalisation und Elektrizität übernahm. Lediglich um einen vergrößerten Wasserbehälter musste sich Dittishausen kümmern.

Schmuck sehen sie aus, die Dittishauser Ferienhäuser, von denen die ersten Ende 1961 eingeweiht wurden. Anfang der 1960er-Jahre waren diese Feriendomizile auch beliebte Postkartenmotive, wie diese Aufnahme von 1963 zeigt. <em>Bild: Archiv Verkehrsverein Dittishausen</em>
Schmuck sehen sie aus, die Dittishauser Ferienhäuser, von denen die ersten Ende 1961 eingeweiht wurden. Anfang der 1960er-Jahre waren diese Feriendomizile auch beliebte Postkartenmotive, wie diese Aufnahme von 1963 zeigt. Bild: Archiv Verkehrsverein Dittishausen | Bild: Archiv Verkehrsverein Dittishausen

Am 8. Dezember 1961 wurden 21 Ferienhäuser eingeweiht. In einer Prozession von der Kirche ging es ins neue Feriendorf, angeführt von der Musikkapelle, dem Gemeinderat und Bürgermeister, Hauptlehrer Kurt Maurath mit den Schulkindern, die Bauherren – ein großer Teil der Bevölkerung. Hier segnete Löffingens Stadtpfarrer Weikhard jedes Ferienhaus.

Am 14. Februar 1962 wurde der zweite Bauabschnitt mit nochmals 20 Häuschen – ebenso in einer großen kirchlichen und weltlichen Feier – eingeweiht. Mit den Kindern der Volksschule trug Maurath verschiedene Lieder vor, dafür wurden die Schüler zu Wurst und Wecken eingeladen. Im Café Waldblick fand die offizielle Übergabe statt, die laut Maria Rupp weit bis nach Mitternacht ging. 1964 standen bereits 54 Häuser. Nach dem vierten Bauabschnitt waren 130 Ferienhäuser erstellt. Gleichzeitig wurden auch Kinderspielplätze angelegt.

Die ersten Gäste, die in ihre Häuschen einzogen, waren die Hochwassergeschädigten von Hamburg. Von dort kamen 16 Frauen und 35 Kinder, sie durften in Dittishausen einen vierwöchigen kostenlosen Urlaub erleben. Viele Einheimische versorgten diese Menschen mit allem Nötigen, so dass ihre Koffer bei der Rückreise proppenvoll waren.

Fakten zum Feriendorf Dittishausen

Ferienhäuser mit viel Komfort waren und sind charakteristisch für Dittishausen

  • Die Ferienhäuser: Am Südhang Richtung Löffingen wurden 40 Ferienhäuser gebaut. Je nach Typ und Komfort kosteten die Häuschen zwischen 26 000 und 80 000 Mark. Alle Häuser verfügten über neusten Komfort mit einer vollkommen eingerichteten Küche, Dusche oder Bad, Telefon, bei den teuren Häusern wurden sogar Fernseher und Radio gleich mit eingebaut.
  • Verkehrsverein: Der Verkehrsverein kümmerte sich liebevoll um die Gäste, die schon bald auch aus dem Ausland kamen. Jede Woche wurde ein Begrüßungsabend angeboten. Die Vermietungen übernahm die Investoren Kittler aus Würzburg, die Verwaltung, Mietverträge, Abrechnung und die Organisation der Reinigungskräfte oblagen Fritz und Maria Rupp. 1966 übernahm der Verkehrsverein, der 1953 gegründet wurde, die Vermietung und Vermittlung der Ferienhäuser.
  • Attraktion Freibad: Mit dem ersten beheizbaren Freibad setzte Fritz Rupp einen weiteren touristischen Akzent. Das Löffinger Bauunternehmen Heinrich Wider hatte das Bad in einer Größe von 25 mal 16,6 Meter gebaut. Es bekam einen drei-Meter- Sprungturm und zwei ein-Meter-Sprungbretter. Für die Beheizung des Wassers wurde eine Umwälzanlage mit Ölheizung eingebaut. Am 4. August 1964 wurde das Freibad mit einem großen Schwimmfest eingeweiht. Nach den Eröffnungsansprachen vor großem Publikum stand der Sprung ins Wasser durch die Schulkinder an. Hauptlehrer Kurt Maurath hatte den Kindern sofort nach Fertigstellung des Bades bis zur Eröffnung das Schwimmen beigebracht. So gab es richtige Schwimmwettkämpfe der Schüler, aber auch der Vereine.
  • Vermietungen: Der Boom bei den Übernachtungszahlen ist enorm, wie ein Blick in die Statistik zeigt. 1954 lagen die Übernachtunszahlen bei 3800 pro Jahr. Nach dem Bau der Ferienhäuser schnellten diese Zahlen 1962 auf 23 400, 1966 auf 44 500, 1971 hatte man schon 92 000, 1973 138 000 und 1978 waren es 144 000 Übernachtungen. Heute liegen die Übernachtungszahlen bei Interhome bei 25 914. Verändert hat sich auch die Aufenthaltsdauer der Gäste. So zeigt die Statistik von Jessica Scherzinger, der Geschäftsführerin des Verkehrsvereins, 2017 eine Aufenthaltsdauer von sieben Tagen, geht man ins Jahr 1967 zurück, waren es noch 16 Tage.
  • Feriengäste: Als der Ferienort in Dittishausen entstand, kamen die Urlauber aus Deutschland, erst nach und nach gesellten sich auch das benachbarte Ausland hinzu. Schon bald entdeckten die Spanier Dittishausen. Heute sind es hauptsächlich deutsche Gäste, aber auch aus den Niederlanden, Frankreich, Schweiz, Spanien und aktuell auch aus Israel
  • Ferienhäuser umgewandelt: Der Boom der Urlauber in Dittishausen gehört der Vergangenheit an. Doch dabei muss man auch berücksichtigen, dass heute schätzungsweise 75 Prozent der Ferienhäuser privat genutzt werden. Viele Eigentümer möchten ihren Ruhestand in Dittishausen verbringen. Heute leben 917 Einwohner in Dittishausen. In diesem Jahr werden 59 Ferienhäuser und Wohnungen (inklusive Appartements im Hochhaus) vermietet.
Silvia Bächle