Ein ganzes Jahr lang feiert Löffingen seine erste urkundliche Erwähnung vor 1200 Jahren. Mit dem Besuch von Erzbischof Stephan Burger in seiner Heimatstadt blickte man weit hinaus in die Welt, in Gegenden, in denen Armut, Not, Korruption, Krieg und Leid an der Tagesordnung sind. Aus dem friedlichen Deutschland hinaus führte der Weg vom Erzbischof Burger, der als Caritas- und Misereor-Bischof unterwegs ist, nach Brasilien, Peru, Syrien, Indien, Philippinen, Kenia und Äthiopien. Was er dort erlebt hat, stellte er nun in seiner Heimatgemeinde vor. Keinen Reisebericht, sondern die reale Schilderung von Armut, Flucht, aber auch Umweltkatastrophen und Klimawandel, gab es in der Festhalle zu hören.

„Wir leben hier in einer oft erschreckenden Oberflächlichkeit“, sagte Bürgermeister Tobias Link, der dem Erzbischof einen Spaten schenkte. Dieser sollte sinnbildlich für seine Arbeit stehen, um in die Tiefe zu gehen.

Zum Vortrag von Erzbischof Burger kommen viele Zuhörer, auch die Familie Burger, von links Ernst und Cornelia Fechti, Alfons und Pia Durst, Vater Willi Burger, Udo und Andrea Burger.
Zum Vortrag von Erzbischof Burger kommen viele Zuhörer, auch die Familie Burger, von links Ernst und Cornelia Fechti, Alfons und Pia Durst, Vater Willi Burger, Udo und Andrea Burger. | Bild: Gerold Bächle

Anhand zahlreicher Beispiele konnte Erzbischof Burger, der bereits im sechsten Jahr seines Pontifikats steht, zur Tiefe der Zuhörer vordringen. Dabei geht es Burger auch darum, die Menschen zu sensibilisieren, über den Tellerrand hinausausschauen und vor allem selbst etwas zu tun. Wer hört, wie eine Frau alleine in den Trümmern ihres Hauses in Aleppo ausharrt, die schon längst ohne Hilfe gestorben wäre oder von dem syrischen Kind, das immer ein Messer vor sich her trägt, um nicht von Männern belästigt zu werden, der wird auch die Flüchtlinge aus Syrien besser verstehen. „Als Kirche sind wir Globalplayer“, so Burger, der über den „IS“ berichtet, welcher nicht nur die christlichen Gotteshäuser zerstöre, sondern die Christen selbst. „In Brasilien werden die indigenen Völker von den Weißen ihrer Heimat beraubt, ein großes Land, in dem auf der einen Seite deutsches Weißbier getrunken wird, auf der anderen Seite auch vor Mord für Landraub nicht zurückgeschreckt wird“, so Burger. Es gebe Brandrodungen im Regenwald, damit man in Europa genug und vor allem billiges Fleisch habe; Umweltzerstörung und Menschenverachtung in Indien, damit wir hier unsere Kleidung billiger kaufen können. Es gebe kein Patentrezept, jeder Einzelne könne mithelfen, die Welt zu verbessern.