Die 800-Jahr-Feier sollte etwas ganz Besonderes werden, da waren sich die Reiselfinger einig. Zwei Jahre liefen die Vorbereitungen, am Wochenende wurde nun in dem kleinen Ort mit 560 Einwohnern das Zeitrad zurückgedreht und mit einem dreitägigen Mittelalterspektakel gefeiert. Die Aufführung der Inszenierung des Schimmelreiters war einer der Höhepunkte.

  • Mittelalterszenarien: Der Sprung zurück ins Jahr 1218, als Reiselfingen erstmals erwähnt wurde, führte in eine Epoche der Ritter, der Gaukler, des Bauernaufstands, aber auch der Märchen und Legenden. All dies wurde in Reiselfingen lebendig. Es war die Zeit, als in Reiselfingen der Schimmelreiter den Ort rettete.
Das Schauspiel des Schimmelreiters mit 50 Reiselfinger Laienschauspieler ist einer der Höhepunkt des dreitägigen mittelalterlichen Spektakels im Löffinger Ortsteil. Bilder: Gerold Bächle
Das Schauspiel des Schimmelreiters mit 50 Reiselfinger Laienschauspieler ist einer der Höhepunkt des dreitägigen mittelalterlichen Spektakels im Löffinger Ortsteil. Bilder: Gerold Bächle | Bild: Gerold Bächle
  • Schimmelreiter-Schauspiel: Im Dreißigjährigen Krieg ist Reiselfingen mehrfach von Soldaten angegriffen worden. Der Legende nach sollen sich die Riesolfinger vor einem solchen Überfall im Münzloch versteckt haben. Ein junger mutiger Reiselfinger wurde daraufhin immer wieder in den Ort geschickt, um nachzuschauen, ob die Soldaten schon weitergezogen waren. Doch eines Tages wurde der Späher von den Soldaten entdeckt und erstochen. Letztendlich waren es die Münzlochgeister, welche die Soldaten verjagten. Das erfrischende Schauspiel des Schimmelreiters mit einem echten Pferd zeigte das mittelalterliche Leben in der Dorfschänke, beim Bäcker, Metzger, dem Schmid, Scherenschleifer und den Händlern. Der Kohler-Hannes (Jürgen Drescher) wurde dabei zum Erzähler. 50 Laienschauspieler sorgten für ein unvergessliches Schauspiel mit geschichtlichem Hintergrund, welches mit moderner Musik untermauert wurde.
Gaukler bereichern das Geschehen, hier begeistert Gaukler Flobold die kleinen Besucher mit seinen Darbietungen.
Gaukler bereichern das Geschehen, hier begeistert Gaukler Flobold die kleinen Besucher mit seinen Darbietungen. | Bild: Gerold Bächle
  • Verschiedene Stände: Ganz oben stand der Adel und Klerus, dann kamen die Ritter und darunter die Bauern. Diese Unterschiedlichkeit der Stände, dazu die Gaukler und Spielleute, boten eine wunderbare Möglichkeit, in dieses Leben einzutauchen. Einer dieser Akteure war Markus der Mäusegaukler, der seit neun Jahren mit seinen elf mongolischen Mäusen unterwegs ist. Viel Applaus bekamen die unterschiedlichen Spielleute und Tänzer, die das kulturelle Leben von damals präsentierten. Der Ritterschaft imponierte durch Schaukämpfe mit Schwertern, Äxten, Streitkolben oder auch mit den Fäusten. Martin von Costra Vita zeigte mit einem 300 Jahre alten Blasebalg, wie früher Messer geschmiedet wurden und der bunte Haufen imponierte mit der Feuershow. Das Leben der Bauern – also auf der anderen Seite – war von Arbeit und der Pflicht zu den Adligen geprägt. Im Jahr 1524 waren es die Brigacher Bauern, die sich zusammenschlossen, um im Bauernkrieg sich gegen die Fürsten aufzulehnen. Mit 16 Forderungen (so um die Freiheit und Jagdrecht) schlossen sie sich dem Schwarzwälder Haufen an und eroberten im Jahr 1525 Freiburg. Während des Brotbackens im Lehmofen informierte Oliver Mahler aus dem "Brigetal" von "D`Buure 1524" die interessierten Gäste über diese Epoche.
Spielleute, wie hier die Skadefryd, ziehen mit ihren Liedern durch das Mittelalterdorf Reiselfingen.
Spielleute, wie hier die Skadefryd, ziehen mit ihren Liedern durch das Mittelalterdorf Reiselfingen.