Wer einen Spaziergang durch Wald und Flur genießt, dem wird es vielerorts gleich auffallen. Es fehlen das Summen und Brummen der Insekten und der Anblick, wenn Schmetterlinge oder Bienen von Blüte zu Blüte fliegen. Imker und Naturschützer klagen schon lange über das Insektensterben. Jetzt geht der Haslachhof einen neuen Weg und sucht Paten für blühende Wiesen.

  • Blütenpatenschaft: Artenvielfalt durch Blütenpatenschaften zu erhalten ist bei den Landwirten im Kommen. Doch während diese vom Land gefördert werden und die meisten Landwirte die Fläche erst anlegen, wenn diese durch die Blütenpatenschaften finanziert sind, gehen Eva und Wolfram Wiggert vom Haslachhof in Löffingen einen neuen Weg. Sie haben schon für blühende Felder gesorgt, welche den Lebensraum für Bienen, Schmetterlinge und Insekten darstellen. „Über 100 Hektar haben wir schon mit einer höherwertigen Blühmischung angesät. Mit Pflanzen und verschiedenen Kräutern, die nach Löffingen passen, etwa Luzerne, verschiedene Kleesorten, Wiesenkümmel, Scharfgarbe, kleiner Wiesenknopf, wilde Petersilie oder Wegerich“, informiert der Agraringenieur Wolfram Wiggert. Die blühenden Wiesen des Haslachhofs werden im Frühsommer nicht vollständig abgemäht, sondern sollen als Blühstreifen bis in den Herbst hinein stehen gelassen werden. „Diese Blühstreifen sind ein Paradies für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten„, informiert Eva Wiggert, die das Projekt managt.
  • Artenvielfalt nimmt ab: „Nicht nur das schnelle Abmähen, sondern auch die intensive Bewirtschaftung mit dem Einsetzen von Pflanzenschutzmitteln lassen Insekten und Kleintieren wenig Platz“, so Wolfram Wiggert. „Die Artenvielfalt nimmt rapide ab“, sagt er. Diese Diversität bemängelt seit Jahren auch schon Oskar Bier, Vorsitzender der Bezirksimker. „Auch wir Menschen wollen nicht immer nur Pommes essen“. Die immer mehr vorherrschenden Monokulturen sieht Wiggert sehr kritisch, er setzt auf Mischkulturen wie etwa Maisanbau mit Stangenbohnen oder bunt blühenden Wintererbsen.
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  • Kostenintensive Maßnahmen: Die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern, bedeutet für die Landwirte auch finanzielle Einbußen. So ist zum einen das Saatgut teuer, zum anderen die Ernte im Herbst nicht mehr als Futter verwendbar. Auch werden diese vom Haslachhof durchgeführten Maßnahmen nicht staatlich gefördert. Trotzdem möchten die Wiggerts sich aktiv für die Insekten, aber auch Kleintiere wie Feldhasen einsetzen. So arbeiteten Wolfram und Eva Wiggert mit einem Bioland-Imker zusammen, der mehrere Bienenvölker hier aufgestellt hat. Erzeugt werden soll hier „Bio-Blühwiesenhonig“. Außerdem werde man die Blühstreifen auch ganz bewusst an Heckensäumen sehen lassen, diese seien für Kleintiere und Amphibien sehr wertvoll. Die intensiv bewirtschafteten Flächen lasse nicht nur wenig Platz der Artenvielfalt über dem Boden, auch die Diversität des Bodenlebens gehe zurück, so Wiggert.
  • Lebenswerten Raum schaffen: „Wir möchten die Menschen sensibilisieren, auch in Eigenregie etwas für die Natur zu tun. Erst jüngst haben die Löffinger Ministranten in der 72-Stunden-Aktion große Insektenhotels gebaut, die auf den blühenden Feldern aufgestellt wurden. Wir verzichten auf den Einsatz von Pestiziden, auf unseren Feldern haben wir eine abwechslungsreiche, achtjährige Fruchtfolge“, informiert Wiggert.