Corona-Fallzahlen und Inzidenzen sind im Landkreis Tuttlingen derzeit zwar um ein Vielfaches höher als im letzten Sommer. Dennoch herrscht bei den zuständigen Behörden vergleichsweise Ruhe. So sind auch nicht die etwa gleichbleibend 15 Corona-Patienten das Hauptproblem des Kreisklinikums, sondern der durch Krankheit und Urlaub ausgedünnte Personalstand. Für den Herbst wird ein deutlicher Anstieg der Corona-Erkrankungen erwartet, wobei die Verantwortlichen aber eher nicht an einen erneuten Lockdown denken.

Inzidenz unter Landesdurchschnitt

Wie Landrat Stefan Bär bei einer Pressekonferenz erläuterte, beträgt die Inzidenz im Kreisgebiet derzeit 661. Landesweit liegt sie bei 716. „Seit einigen Tagen sind wir wieder unter dem Landesschnitt“, sagte er. „Man muss aber auch sehen, dass die Inzidenz letztes Jahr um diese Zeit gerade mal fünf betrug.“ Sozialdezernent Bernd Mager sprach von 155 neuen Fällen am Donnerstag. „Das ist natürlich wenig im Vergleich zu den 793 Fällen und einer Inzidenz von 2760 im März, aber man muss auch sehen, wir sind mitten im Sommer und die Zahlen werden im Herbst deutlich steigen.“

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Von einem Anstieg geht auch der Leiter des Gesundheitsamts, John Paul Fobiwe aus. Der aktuell dominierende Subtyp des Omikron-Virus löse jedoch weniger schwerwiegende Verläufe aus. „Wir erwarten auf absehbare Zeit auch keine Varianten, die gefährlicher sind, als es die Delta-Varianten waren“, so Fobiwe. Bei ungünstiger Entwicklung könne trotzdem schon im Sommer zu weiter steigenden Fallzahlen kommen, auf jeden Fall aber in den Herbstmonaten.

Nur wenige Fälle in Pflegeheimen

Ruhe an der Front herrscht auch in den Pflegeheimen des Kreisgebiets. Laut Angaben von Landrat Bär gebe es dort derzeit 24 Corona-Fälle bei den Bewohnern und 19 bei den Mitarbeitern. „Das ist im Vergleich zur zurückliegenden Zeit eine gute Zahl und wir hoffen, dass es so bleibt“, sagte er. Anders als bei den Schulen und Kindergärten halte der Landkreis seine Task Force zur Überwachung der Corona-Entwicklung in den Heimen weiter aufrecht, so Sozialdezernent Mager. Damit könne man im Notfall rasch reagieren.

Bußgeld für ungeimpftes Heimpersonal

Weiter vorangetrieben hat der Landkreis Tuttlingen auch sein Vorgehen zur Einrichtungsbezogenen Impfpflicht. „Von den Heimen und Praxen sind uns 348 ungeimpfte Mitarbeiter gemeldet worden“, so Stefan Bär. 76 seien inzwischen vollständig geimpft, weitere wiesen einen Genesenenstatus vor, 30 Personen hätten ihren Beruf aufgegeben. An die übrigen 169 habe man erneut Anhörungsschreiben versandt.

Sollten keine Lösungen gefunden werden, droht den Betroffenen voraussichtlich ein Bußgeld von 300 Euro. Bär sprach sich aber auch dafür aus, die Einrichtungsbezogene Impfpflicht nicht über den 31. Dezember hinaus zu verlängern.

Weitere Impfpflicht muss kontrolliert werden

Auf die Gesundheitsämter kommt ab August neben dem Thema Impfpflicht gegen Corona noch eine weitere Aufgabe bezüglich Impfpflicht hinzu und zwar im Bereich Masern. „Ab 1. August müssen wir das Masernschutzgesetz von 2020 vollziehen“, so Leiter Fobiwe. Das gelte nicht nur für die Kinder in Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen, sondern auch für das Personal.

Die Einrichtungen würden entsprechend beraten, wenn es Nichtgeimpfte gebe. „Wir werden da mit Augenmaß vorgehen“, hob der Chef des Gesundheitsamts hervor.

Lockerungen beim Reisen

Mit Blick auf die Urlaubs- und Reisezeit stellte Landrat Bär klar, dass es inzwischen kein Land mehr gebe, das hinsichtlich Corona als Virusvariantengebiet gelte. Er empfahl dennoch, sich bei Reisen ins Ausland aktuell auf der Internetseite des Bundesgesundheitsministeriums zu informieren.

Maskenpflicht wird wieder kommen

Was die Quarantäne-Regelungen angeht, so sprachen sich Stefan Bär und Bernd Mager analog der Vorgehensweise der Nachbarländer für gewisse Lockerungen und die Rückkehr zu mehr Normalität aus. Einen erneuten Lockdown hielt Mager nicht für sinnvoll. Man geht allerdings davon aus, dass es im Herbst wieder zu einer Maskenpflicht in Innenräumen kommen wird.