Es war offenbar ein Streit zwischen Angehörigen des Rockerclubs "Hells Angels Lake Constance" sowie früheren Clubmitgliedern – zwei Brüdern -, der am Mittwoch vor Ostern in einer blutigen Schießerei in Talheim im Kreis Tuttlingen geführt hat. Damals gab es mehrere Verletzte, darunter sicher ein Schussverletzter, womöglich auch mehr. Das geht aus einem Bericht von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei Rottweil hervor, die damit ihr bisheriges Schweigen zu den immer noch laufenden Ermittlungen erstmals gebrochen haben.

Nach den bislang vorliegenden Informationen soll der 48-jährige Präsident der lokalen Hells-Angels-Vereinigung (Charter) "Lake Constance" zusammen mit mehreren Clubangehörigen einen der früheren Clubmitglieder an dessen Wohnsitz in Talheim aufgesucht haben. "Dort soll es zu einer heftigen körperlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Parteien gekommen sein. Im Verlauf des Streits soll schließlich einer der Beteiligten mehrere Schüsse aus einer Pistole abgegeben haben", so die Ermittler. Dabei wurden sowohl der Charter-Präsident als auch ein 26-jähriges Probemitglied (Prospect) verletzt.

Nach Schussabgabe soll sich die Gruppe sofort abgesetzt und zu ihren Fahrzeugen begeben haben, teilen die Ermittler weiter mit: "Während sich die Beteiligten, darunter auch der verletzte Anführer und Präsident der Gruppierung, vom näheren Tatortumfeld absetzen konnten, blieb alleine der 26-Jährige mit seinen Schussverletzungen, wenige Kilometer vom Tatort entfernt, in seinem Fahrzeug zurück."

Auf einem Parkplatz an einer in der Nähe verlaufenden Bundesstraße B 523 habe sich der Schussverletzte gegenüber unbeteiligten Verkehrsteilnehmern bemerkbar gemacht. Noch am gleichen Abend habe er operiert werden müssen, wobei die Polizei von schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen berichtete.

"Über die Verletzungen des Charter-Präsidenten war zunächst nichts bekannt. Erst im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass sich der 48-Jährige ebenfalls in krankenhausärztliche Behandlung begeben musste. Von Schussverletzungen ist nach derzeitigem Kenntnisstand auch bei ihm auszugehen. Einer der Brüder wurde bei dem Vorfall ebenfalls verletzt", heißt es weiter im Bericht.

Als Motiv für die Auseinandersetzung nennen die Ermittler allgemein "Streitigkeiten zwischen dem Rockerchef und einem der Brüder".

Weil die Ermittler Verbindungen zum Clubheim der Hells Angels in Mühlingen (Kreis Konstanz) sahen, wurde das Anwesen am Mittwochabend durchsucht. Und das mit erheblichem Personaleinsatz, was wohl auch zum reibungslosen Ablauf beigetragen haben dürfte: "Beamte eine Spezialeinsatzkommandos, eine Beweis- und Festnahmeeinheit des Polizeipräsidiums Einsatz sowie Beamte der Polizeipräsidien Konstanz und Tuttlingen durchsuchten die Räumlichkeiten mit dem Ziel, Beweismittel sicherzustellen." Mehrere Datenträger zur weiteren Beweisführung seien beschlagnahmt worden.