Schweine, die ihren Artgenossen Ohren und Schwänze abfressen, offene und verdreckte Wunden, hilflose und tote Tiere, Muttersauen, die apathisch in engen Käfigen liegen, ein Bauer, der seine Tiere schlägt und durch den Stall wirft: Es sind verstörende Bilder aus einem Schweinemastbetrieb im Kreis Rottweil, die die Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz e. V.“ dem ARD Magazin Report Mainz zugespielt hatte.

Wie das Landratsamt Rottweil in einer Pressemitteilung mitteilt, wurden dem Veterinäramt von einer Privatperson im Juli unspezifizierte Mängel bei einem Schweinehaltungsbetrieb im Kreis gemeldet. Daraufhin seien erste Ermittlungen aufgenommen worden, so das Amt weiter. Die Tierschutzanzeige sei Anlass für eine Überprüfung des landwirtschaftlichen Betriebes gewesen, der in der Vergangenheit offenbar noch auffällig gewesen sei. Laut SÜDKURIER-Informationen war es ein Anwohner, der bei einem Spaziergang auf die Missstände aufmerksam wurde und schockiert von den dreckigen, stinkigen sowie beengten Zuständen war.

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„Es geschah daraufhin erst einmal lange nichts“, so lautet die Kritik von Friedrich Mülln, Pressesprecher der Soko Tierschutz, an der Darstellung des Amtes. Der Anwohner soll die Zustände auch bereits im Juni gemeldet. Ende Juli lagen der Tierschutzorganisation erste Filmaufnahmen vor. Mitte August habe man erneut und anonym Anzeige erstattet, berichtet Mülln.

Das Landratsamt schildert den weiteren Vorgang so: „Seitens des Veterinäramtes wurden umfassende Maßnahmen gegenüber dem Betrieb angeordnet. Nachfolgende Kontrollen ergaben keine ausreichende Verbesserung der Zustände, sodass weitere entschlossene Schritte eingeleitet wurden.“ Bei einer Begehung durch das Veterinäramt gemeinsam mit Vertretern des Regierungspräsidiums Freiburg, des Landwirtschaftsministeriums sowie der Polizei am vergangenen Freitag sei dann deutlich geworden, dass ein sofortiges Einschreiten erforderlich sei. Zusammen mit dem Betriebsinhaber wurden Maßnahmen für einen kontrollierten Ausstieg aus der Schweinehaltung durchgeführt, teilt das Amt weiter mit.

„Viel zu spät“, sagen die Tierschützer. Sie kritisieren, dass erst mit der Produktion sowie der Ausstrahlung des Fernsehberichtes Schwung in die Angelegenheit gekommen sei und der gut vernetzte Landwirt aufgrund enger Kontakte in die Politik gewarnt und womöglich gedeckt wurde.

Unterdessen wurde noch am Wochenende damit begonnen, den Tierbestand tierschutzgerecht und unter enger Begleitung des örtlichen Veterinäramtes aufzulösen. In einem ersten Schritt sei ein Teil der Tiere (rund 200 Ferkel) in einem anderen Schweinebetrieb untergebracht worden. Die Tiere wurden vom Schweinegesundheitsdienst tierärztlich begutachtet und, sofern dies erforderlich war, tierärztlich behandelt. Das Veterinäramt recherchiere nun eingehend die Hintergründe, die beim Tierhalter zu einer solchen Vernachlässigung des Tierschutzes geführt haben, teilt das Landratsamt abschließend mit.

„Wir sehen den Fall mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, blickt Mülln zurück. Einerseits habe man die Tierquälerei hier jetzt stoppen können, derartige Fälle würden heute ernster genommen. Allerdings seien die Tiere jetzt in einem anderen Betrieb untergebracht, wo sie seiner Meinung nach ebenfalls kein schönes Leben haben werden. „Viele Dinge, die auch im Video zu sehen waren – wenn auch nicht in dieser krassen Ausprägung – sind in der Schweinezucht legal“, gibt Mölln zu bedenken.

Kontrollen im Schwarzwald Baar-Kreis

Wie das Landratsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis mitteilt, mussten auch hier in der Region schon Schweinehaltungen aufgrund von tierschutzrelevanten Missständen geschlossen werden. Im Kreisgebiet soll es 249 schweinehaltende, landwirtschaftliche Betriebe mit insgesamt rund 16.300 Schweinen geben, erklärt Sprecherin Heike Frank. Im Jahr 2019 seien von veterinärbehördlicher Seite insgesamt 31 Betriebe kontrolliert worden. „Die Kontrollen erfolgen unangekündigt aufgrund von Anzeigen und Hinweisen auf eine gehäufte Anzahl von Todesfällen im Bestand oder im Rahmen von risikoorientierten Stichprobenkontrollen“, so Frank weiter.