Punkt halb neun legte sie los, um mit einigen ihrer Hits gleich so richtig abzugehen, das Publikum ließ sich sofort mitreißen. Starallüren konnte man bei ihr zwar vermuten, wenn man als Fotograf dabei war: Da mussten Verträge unterschrieben werden, die Kameras nach dem dritten Song verschwinden – ähnlich wie einst bei Nena. Doch weit gefehlt, Anastacia ist gern nah an ihren Fans, lässt sich von ihnen herzförmige Luftballons reichen, steigt sogar in den Graben, um Hände zu schütteln. Allerdings: Die Brille kommt auch erst nach dem dritten Song auf die Nase.

Sie überzeugt aber nicht nur bei den Hits wie Stupid Little Things oder Paid My Dues, dazwischen gibt es weniger Bekanntes von ihr, das mal funkig, mal soulig, dann wieder mit Jazzelementen oder gehörig rockig rüberkommt. Diva und Rockröhre – Anastacia kann beides, singt I belong To You im Duo mit ihrer Sängerin Maria, die Italienerin ist, Eros Ramazotti hatte sie ja nicht mitgebracht. Ihr scheint's zu gefallen in Rottweil, im Kraftwerk, hat dafür sogar ein paar deutsche Wörter gelernt, „wunderbar“ ist eins davon. Jede ihrer Sängerinnen, jeder Musiker wird einzeln vorgestellt, und das nicht erst am Ende vom Konzert: Das Publikum darf sie alle gleich zu Beginn beklatschen.

Für den romantischeren Part des Konzerts tauscht sie die Jeans gegen ein langes Kleid, schreitet singend die Bühnentreppe hoch, schön choreographiert. Um dann wieder in Lederjacke zurückzukommen und loszurocken. Und sie zeigt auch Flagge gegen Terror, und zwar die deutsche. Deutschland sei so stark, und was in den letzten Tagen passiert sei, tue ihr sehr leid. Lebt Euer Leben, wir sind stark, schön und positiv, Ihr seid nicht allein, so ihre Botschaft. Stolz sei sie, in diesem Land sein zu dürfen.

Das kommt an, dafür liebt sie das Publikum noch mehr, und noch mehr Herzluftballons tauchen auf. Die 1800 Leute im Kraftwerk sind aber auch so hingerissen von einer beeindruckenden Show mit einer beeindruckenden Frau mit Weltklassestimme und großen Showtalent.