Eine Region atmet auf: "Für das Sicherheitsgefühl der Bürger eine sehr gute Nachricht", sagen die Ermittler zum Start einer Pressekonferenz nach der erfolgreichen Festnahme des mutmaßlichen Dreifachmörders von Villingendorf. Der Verdächtige, der seinen sechsjährigen Sohn, den neuen Freund seiner Ex-Frau sowie dessen Cousine bei einer privaten Einschulungsfeier erschossen haben soll, wurde am Dienstag gefasst. Am Mittwoch hat die Polizei Details ihrer Ermittlungen bekannt gegeben. 

So lief die Festnahme ab


Im Vorbeifahren haben zwei Zeugen den mutmaßlichen Täter in Neufra fußläufig gesehen und dann die Polizei informiert. Das teilte die Polizei bei der Pressekonferenz am Mittwoch mit. Um 16:13 sei ein Anruf bei der Polizei eingegangen. Zu diesem Zeitpunkt habe es stark geregnet. "Ich bin der, den ihr sucht", habe der mutmaßliche Täter bei der Festnahme um 16:35 Uhr gesagt. Er ließ sich laut Ermittlern widerstandslos festnehmen. Bei sich hatte er drei Plastiktüten, in denen sich auch die mutmaßliche Tatwaffe befand. Laut Rolf  Straub, Leiter der Kriminalpolizei Rottweil, handele es sich um einen jugoslawischen Nachbau des deutschen Mehrladekarabiners K98k. Die Waffe sei an Schaft und Lauf abgesägt gewesen. Straub berichtete auch über den Zustand des mutmaßlichen Täters bei seiner Festnahme: Der Mann habe den Streifenbeamten zufolge "platt und erschöpft" gewirkt. Außerdem habe er den Eindruck vermittelt, sich in den vergangenen Tag im Freien aufgehalten zu haben. 

Wie hat die Soko ermittelt? 


Die Ermittler sahen laut Walter Markus, Leiter Soko Hochwald, bei der Fahndung drei mögliche Fluchtvarianten des mutmaßlichen Täters: Eine geplante Flucht, eine spontane Flucht oder Suizid auf der Flucht. Keine Variante hätte ausgeschlossen werden können. Im gesamten süddeutschen Raum seien mögliche Anlaufstellen ausfindig gemacht worden, jedoch ohne Erfolg. Zeugen in Berlin oder auch Rheinland-Pfalz hätten behauptet, den Gesuchten gesehen zu haben. Doch auch das führte nicht zum erfolgreichen Ende der großangelegten Suche. Die Beamten hätten bis zu 30 Stunden am Stück durchgearbeitet, um eine Festnahme zu erreichen wurden 220 Spuren abgearbeitet. Umso größer sei nun die Erleichterung, dass der Mann gefasst wurde.

Das sagt die Staatsanwaltschaft 


Joachim Dittrich, Leiter der Staatsanwaltschaft Rottweil, schloss sich den Ausführungen der Polizei an und nannte die Festnahme "außerordentlich erfreulich". Weitere Ermittlungen würden nun einige Wochen in Anspruch nehmen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem "bewussten Tötungsplan" aus, der die drei Opfer bewusst miteinbezogen habe. Die Behörden gehen davon aus, dass dem Beschuldigten Mord mit dem Merkmal Heimtücke zur Last gelegt werden könne.

Wie geht es weiter? 


Teil der weiteren Ermittlungsarbeit soll es sein, den Fluchtweg weiter zu rekonstruieren. Deswegen bleibt die Sonderkomission diese Woche bestehen. Der Beschuldigte wurde heute dem Haftrichter vorgeführt, er befindet sich laut Dittrich nun in Untersuchungshaft. 


Die Ermittler gehen von einem weiteren versuchten Mord an der Ex-Frau aus, der aber nicht erfolgt sei, so Joachim Dittrich. Die Frau sei bis zur Festnahme in einem Krankenhaus rund um die Uhr bewacht worden. Nach jetzigem Erkenntnisstand gibt es keine Mitwisser der Tat. Die Schüsse aus dem Wald nach der Tat konnten noch nicht verifiziert werden. Laut den Ermittlern ist es durchaus möglich, dass es der Täter war. Zeugen, die den Täter gesehen hatten, bekommen möglicherweise eine Belohnung (bis zu 5000 Euro). 

Frau hatte den Mann bereits mehrfach angezeigt

Vor dem Familiendrama hatte ein Gericht ein Annäherungsverbot gegen den mutmaßlichen Täter ausgesprochen. „Ein Beschluss vom 31. März 2017 untersagte es dem Verdächtigen, sich der Frau zu nähern“, sagte Vizepolizeipräsident Gerold Sigg vom Polizeipräsidium Rottweil. Die Frau hatte den Mann zuvor mehrere Male bei der Polizei wegen Gewalttätigkeiten angezeigt. 

Polizei-Pressesprecher Dieter Popp berichtet auf SÜDKURIER-Nachfrage, dass der Verdächtige Drazen D. aktuell in Rottweil inhaftiert sei. Bei der Festnahme des 40-jährigen Mannes sei kein Schuss gefallen, so der Polizei-Sprecher - obwohl der Verdächtige bei seiner Festnahme nach wie vor bewaffnet war, wie nun bekannt wurde.

 

Einsatzkräfte in Neufra.
Einsatzkräfte in Neufra. | Bild: Sprich

Die Polizei hatte bei der Befragung des Verdächtigen in der Nacht versucht herauszufinden, wo er sich nach der Tat aufgehalten und ob ihm jemand Unterschlupf gewährte.

Blick zurück: Suche rund um Villingendorf und international


Seit der Tat hatten Dutzende Beamte über mehrere Tage Waldstücke bei Villingendorf nach dem geflohenen Täter durchsucht. Auch international war nach dem Mann gefahndet worden, unter anderem waren die Behörden in Österreich, Frankreich, der Schweiz, Slowenien und Kroatien informiert. 

Noch am Dienstag hatte die Polizei eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zu Ergreifung des Täters führen sollten. Ob die in Aussicht gestellte Belohnung etwas mit der wenige Stunden später erfolgten Verhaftung des Mannes zu tun hat, steht nach aktuellem Stand nicht fest. 

Video von der ersten Pressekonferenz nach der Tat: