Erich Hauser, das künstlerische Aushängeschild Rottweils, hatte ihn einst als „Meister des Nichts“ bezeichnet. Aber gerade mit dem „Nichts“, den einfarbigen quadratischen Bildern, und den reduzierten Nagelbildern, den sparsamen Assemblagen oder den geometrischen „Druckstöcken“ aus alten Holzlettern hat Felix Schlenker (1920 – 2010) seine überregionale Reputation erfahren. Solche Arbeiten befinden sich in vielen Sammlungen, unter anderem auch in so bedeutenden wie in der Staatsgalerie Stuttgart und der Galerie der Stadt Stuttgart.

Derzeit wird im kunstraum Rottweil im Dominikanermuseum an Felix Schlenker erinnert. Und in dieser von Jürgen Knubben und Bernhard Rüth konzipierten Ausstellung „Felix Schlenker & Sammlung. Vom Informellen zum Konkreten“ ist auch Hauser mit einer markanten Röhrenstele aus dem Jahr 1970 vertreten. In Rottweil sicherlich nichts Ungewöhnliches, dafür umso bemerkenswerter, dass diese Arbeit aus der Sammlung Felix Schlenker stammt.

Aber 1970, da waren beide sehr eigenwilligen Künstler auch noch Kämpfer für eine gemeinsame Sache. Sie waren Mitbegründer des immer noch sehr renommierten Forum Kunst. Im Domikanermuseum werden nun Werke aus der Zeit von 1960 bis 1985 gezeigt. Eine frühe Arbeit aus dem Jahr 1964 ist zum Beispiel ein Werk aus Blech und Sand auf Holz. „Oberamt Rottweil“ ist auf der Blechtafel zu lesen. Felix Schlenker fand sie wie so viele andere Objekte im Müll auf der Suche nach Fundstücken.

Trotz der dunklen Farben der frühen Arbeiten wirken sie nicht düster.

Die Bildtitel zeigen zudem die inhaltliche Tiefe: „Späte Wirklichkeit“ und „Dem Gott, der uns erhält – und Kunst ist nicht leicht“, Arbeiten in Mischtechnik auf Hartfaser aus dem Jahr 1960, wirken abstrakt und rufen doch Assoziationen an konkrete Wirklichkeit hervor.

Kunstschaffen war für den kritischen Geist auch immer Erinnerungsarbeit. In seinem Tagebuch notierte er 1990 so zu seiner Installation für Anne Frank: „Schrecken der Geschichte nicht zu bewältigen, nicht zu vergessen.“ An vergangene Zeiten in visueller Form noch zu erinnern, aber sie künstlerisch zu etwas Neuem zu überführen, das war das Prinzip seiner Assemblagen und Materialcollagen. Dabei ging er konsequent seinen Weg. Das Rudimentäre, Archaische der frühen Materialbilder aus Sackleinen, Stoffen, rostigen Blechen, Holzstücken und Hufnägeln mündete zunehmend in serielle Bahnen.

Schließlich wurde auf den Einsatz der prägenden Fundstücke ganz verzichtet. Die Arbeiten wurden immer strenger und reduzierter. So entstanden schon Ende der 1960er Jahre aus weißem Mattlack auf Hartfaser seine ersten großformatigen „Meditationsbilder“.

Der „Meister des Nichts“ hat seinen Weg gefunden. Diese monochrome Phase war lange das Markenzeichen des in VS-Mühlhausen lebenden Künstlers. In der Ausstellung werden die mal hellen, mal dunklen Bilder zumindest bis ins Jahr 1985 dokumentiert.

Sein Spätwerk, die „Gsiater“, ist freilich nicht dabei. Diese gegenständlichen Material-Porträts, die manche Ausstellungskuratoren als Stilbruch sehen, passen schließlich auch nicht ins Ausstellungskonzept.

Dafür gibt es eine exquisite Auswahl von Arbeiten von Schlenkers Wegbegleitern zu sehen. Felix Schlenker war neben seiner eigenen künstlerischen Tätigkeit ein unermüdlicher Streiter für die Kunst seiner Generation. Als Galerist und Kunstvermittler baute er eine beeindruckenden Kunstsammlung auf, die er seiner Heimatstadt vermachte und aus der ausgewählte Arbeiten zu sehen sind. Der „Tafelspalt“ von Johannes Geccelli, ein monochromes Bild von Raimund Girke, Georg Karls Pfahlers blaues konstruktivistisches Rechteck, das serielle Relief von Klaus Staudt, die Stahlblecharbeit von Sol Lewitt, eine Zinkblech-Kugel von Romuald Hengstler, die erwähnte Edelstahl-Stele Erich Hausers eine Holzarbeit von Otto H. Hajek, aber auch die „Perleninsel“ des späten Dadaisten Heinz E. Hirscher dokumentieren die Sammelleidenschaft Schlenkers.

Dominikanermuseum, Kriegsdamm 4, Rottweil bis 21. Februar. Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr