Stand der Angreifer bei seiner brutalen Attacke auf eine Joggerin unter Drogen? So scheint es gewesen zu sein an diesem Februarsonntag, als ein heute 24-Jähriger eine Joggerin bei Schiltach mit einem Hammer schwer verletzt haben soll. Deswegen muss sich der junge Mann derzeit vor dem Rottweiler Landgericht verantworten.

Dabei geht es um Drogen, die man in seinem Blut, seinen Haaren, seinem Urin gefunden hat. Die er, was er bei der ersten Vernehmung nach der Tat zugab, in Offenburg gekauft hatte: Ecstasy, Cannabis, Speed, halluzinogene Pilze. Davon habe er auch am Tattag etwas eingenommen, um sein Bewusstsein zu erweitern.

Die Tat selbst konnte er der Polizei weitgehend schildern, allerdings nicht, was ihn dazu getrieben hatte. Während er die Frau schwer verletzte, hat er offenbar gleichzeitig darüber nachgedacht, den Krankenwagen zu holen. In der Vernehmung soll er sogar gesagt haben: "Zum Glück hat sie um Hilfe geschrieen."

Als sich ein Radfahrer dem Tatort, einer überdachten Holzbrücke, näherte, ließ er von der Frau ab und machte sich davon, um anschließend weitere Ecstasy-Tabletten zu nehmen. Offenbar irrte er dann in der Nähe des Tatorts herum und ließ sich schließlich widerstandlos von der Polizei festnehmen. Er nehme normalerweise nur Marihuana, sagte er zu dem Beamten, der ihm Handschellen anlegte. Aber heute habe er Pilze genommen.

Sein Opfer, eine 52-Jährige, kannte er offenbar, sie arbeiteten beide im selben Betrieb. Seinen Freunden gegenüber habe er erwähnt, dass er sie hübsch finde. Gekifft wurde in der Clique ab und zu, das sagten die Freunde vor Gericht aus. Der 24-Jährige sei jedoch der einzige gewesen, der mit stärkeren Drogen experimentierte. Und: Sie seien geschockt gewesen, als sie von der Tat hörten, niemand habe ihm das zugetraut. Auch sein ehemaliger Vorgesetzter schilderte den Angeklagten als fleißigen, engagierten, fitten Mitarbeiter, der nie negativ aufgefallen war. "Er war ein lustiger Kerl!", sagte der Mann.

Doch inzwischen wurde beim Prozess klar, dass der 24-Jährige nicht nur ein Drogenproblem hatte, sondern auch viele Pornofilme schaute, nach seinen eigenen Angaben auch am Tattag. Das Material, das die Ermittler auf seinem Computer fanden, wurde am Donnerstag dem Gericht präsentiert. Allerdings wurde dabei, wie schon bei der Vernehmung des Angeklagten und seiner Freundin, die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer begründet das unter anderem damit, dass der 24-Jährige möglicherweise in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden soll.

Das Opfer selbst leidet heute noch unter der Tat. Bei ihrer Aussage an einem früheren Prozesstag war die zweifache Mutter immer wieder in Tränen ausgebrochen, konnte kaum über das Erlebte reden. Sie sei die Strecke jede Woche bis zu viermal entlang gejoggt, habe den Täter auf der Brücke stehen sehen und ihn noch gegrüßt.

Dann sei sie gefallen und habe erst gedacht, sie sei über ihre Schnürsenkel gestolpert. Als sie sich aufrichtete, habe sie weitere Schläge auf den Kopf bekommen und sei dann von ihm an Haaren und der Jacke aus der Brücke gezogen worden. "Ich dachte, ich verrecke hier jetzt wie ein Tier", sagte sie.

Noch heute hat sie Schmerzen, ist körperlich eingeschränkt und kann das Haus nicht alleine verlassen, hofft aber, dass der Prozess ihr hilft, die Tat zu verarbeiten.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

 

Der Tatvorwurf

Der zur Tatzeit 23 Jahre alte Angeklagte ist wegen versuchten Mordes und weiterer Straftaten angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, „am Vormittag des 19. Februar 2017 eine Joggerin auf einer Holzbrücke bei Schiltach abgepasst, mehrfach mit einem Werkzeug geschlagen und sodann versucht zu haben, sie in sein Fahrzeug zu zerren, um sexuelle Handlungen an ihr vornehmen zu können.“ Weil zwei Personen ihn dabei entdeckt hätten, „habe er von der weiteren Tatausführung Abstand genommen, die Geschädigte liegen gelassen und sei mit seinem Fahrzeug geflüchtet.“ Das Opfer des Überfalls musste sich damals stationär im Krankenhaus behandeln lassen. Der Fall hatte im Februar im Kreis Rottweil für großes Aufsehen gesorgt.