Familie Rase darf sich auf die Schultern klopfen. Die umfangreiche energetische Sanierung ihres Wohnhauses, bei der sie viel Eigenleistung einbrachten, wurde als „Ort voller Energie“ ausgezeichnet. Den Preis überreichte Landesumweltminister Franz Untersteller (Die Grünen) bei einer Feierstunde am Montag höchstpersönlich.

Nach knapp zweijähriger Sanierung sind Regina und Norbert Rase mit den Söhnen Elias und Anton im März 2019 in ihr Wohnhaus eingezogen.
Nach knapp zweijähriger Sanierung sind Regina und Norbert Rase mit den Söhnen Elias und Anton im März 2019 in ihr Wohnhaus eingezogen. | Bild: Lothar Herzog

„Hier wird Energiewende gelebt“

Wie er in seiner Ansprache betonte, werde die Energiewende in Deutschland vor allem als Strom- und weniger als Wärmethema diskutiert. Sie werde aber nur erfolgreich sein, wenn Gebäude saniert würden, die aus den 70-er und früheren Jahren stammen, in denen es noch keine Standards gegeben habe. Bei einer Sanierung sei vor allem die Qualität entscheidend: „Beim Wohnhaus Rase werden circa 90 Prozent Energieeinsparung erreicht. Dazu kann man nur gratulieren. Dieses Haus hat jetzt eine ganz andere Wohnqualität und Behaglichkeit. Hier wird die Energiewende gelebt und sie sind ein gutes Beispiel für Nachahmer.“

Auch Bürgermeister Fritz Link gratulierte zu dieser hohen Auszeichnung. Immer noch werde fälschlicherweise die größte CO²-Einsparung im Straßenverkehr vermutet, dabei liege sie in den Gebäuden. Zusammen mit einer Fotovoltaik-Anlage und einem Energiemix sei ein tolles Projekt erfolgreich umgesetzt worden und möge eine Vorbildfunktion für andere sein.

Norbert Rase (rechts) erläutert Umweltminister Franz Untersteller (Mitte), Bürgermeister Fritz Link (von links), Landtagsabgeordneter Karl Rombach und weiteren Besuchern das ausgeklügelte Energiekonzept für sein Wohnhaus.
Norbert Rase (rechts) erläutert Umweltminister Franz Untersteller (Mitte), Bürgermeister Fritz Link (von links), Landtagsabgeordneter Karl Rombach und weiteren Besuchern das ausgeklügelte Energiekonzept für sein Wohnhaus. | Bild: Lothar Herzog

Energieberatung wichtig

Nach Auskunft von Bauleiter und Energieeffizienz-Experte Werner Kaiser stehe bei einer geplanten Wohnhaus-Sanierung die Energieberatung an erster Stelle. Er habe Rase geraten, bei allen Materialien ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Grundlage jedes Gebäudes sei die Hülle. Es müsse gut überlegt werden, wie viel Material eingesetzt werde. Ab einer bestimmten Stärke sei eine Dämmung nicht mehr sinnvoll. Wichtig sei auch, die Wärmebrücken sorgfältig zu bearbeiten. „In der Haustechnik hat Norbert Rase als Elektroingenieur ein ausgeklügeltes Energiekonzept erstellt. Das liegt deutlich über der Förderverordnung“, lobte Kaiser den Hausherrn.

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Hohes Maß an Eigenleistung

Wie Norbert Rase gegenüber dem SÜDKURIER preisgab, stammt das Gebäude aus dem Jahr 1953. Rund zwei Jahre habe die Sanierung gedauert, bei der er über 1000 Stunden an Eigenleistung erbracht habe. Hinzu kämen noch weitere 1000 , Stunden, die ihm sein Bruder geholfen habe. Zum Beispiel beim händischen Ausgraben des Kellers um 40 Zentimeter. Dies sei erforderlich gewesen, um die Kellerdecke von unten zu dämmen und dennoch eine vernünftige Höhe der Kellerräume zu haben. Viel Schweiß sei beim Entkernen des Gebäudeinneren und beim Fliesen geflossen. Elektro-, Sanitär- und Dacharbeiten seien an Fachfirmen vergeben worden. Bei der Frage nach den Baukosten hielt sich Familie Rase bedeckt und verriet nur: „Für Normalverdiener ist das finanzierbar, wenn man eine gewisse Eigenleistung einbringen kann. Wichtig beim Kauf des Hauses war für uns das knapp 1000 Quadratmeter große Grundstück. Ein solches gibt es in einem Neubaugebiet nicht.“