Seit diesem Schuljahr hat die Carl-Orff-Schule eine Outdoor-Klasse, in der die Kinder jeden Tag in der freien Natur lernen und spielen. Neben der Klassenlehrerin Jessica Lippert und einer weiteren Lehrkraft betreut oft auch der angehende Jugend- und Heimerzieher Janik Andris die zwei bis fünf Kinder verschiedener Altersgruppen. Je nach Wechsel- oder Präsenzunterricht.

Janik Andris besucht das einjährige Berufskolleg der Zinzendorfschulen als Vorbereitung für seine Ausbildung an der Fachschule für Sozialwesen. Während des gesamten Schuljahres ist er an zwei Tagen pro Woche als Praktikant in der Outdoor-Klasse, hinzu kommen noch Blockpraktika. „Er ist eine vollwertige Lehrkraft“, sagt Jessica Lippert anerkennend und dankbar für die Unterstützung, während Janik Andris den beiden Kindern Fabian und Jasmin mit Hilfe von Kastanien bei den Rechenaufgaben hilft.

Im Wald muss sich die Outdoor-Klasse von Jessica Lippert (links) jeden Tag ein anderes Plätzchen suchen. Hier helfen sie und der angehende Jugend- und Heimerzieher Janik Andris zwei Kindern beim Rechnen.
Im Wald muss sich die Outdoor-Klasse von Jessica Lippert (links) jeden Tag ein anderes Plätzchen suchen. Hier helfen sie und der angehende Jugend- und Heimerzieher Janik Andris zwei Kindern beim Rechnen. | Bild: Zinzendorfschule

Die kleine Gruppe hat es sich am Warenberg im Wald gemütlich gemacht, eine Gewebeplane und Iso-Kissen schützen in einem großen Nest aus Ästen vor Kälte und Nässe. „Wir bringen jeden Tag die gesamte Ausrüstung und das Lernmaterial mit und packen unsere Sachen abends wieder zusammen“, sagt die Kunst- und Theaterpädagogin Lippert. Sie bedauert es, im Wald keinen Bauwagen oder Ähnliches zu haben, wo sie mehr Materialien bereithalten könnte und die Kinder bei schlechtem Wetter ein Dach über dem Kopf hätten.

Aber auch so ist es schon abenteuerlich, jeden Tag einen Ort zu finden, an dem sich die Gruppe zwei bis zweieinhalb Stunden aufhalten kann. „Wir wechseln täglich unseren Standort, damit wir unter das Wegerecht fallen. Ansonsten müsste der Ort regelmäßig begutachtet werden, was mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Deshalb sind wir auf die Kulanz des Försters angewiesen.“ Vielleicht, so hofft sie, bietet jemand der kleinen Klasse eine dauerhafte Anlaufstelle in der Natur.

Seit September können die Kinder im Alter zwischen zehn und 16 Jahren die Natur mit ihren Pflanzen und Tieren im Wandel der Jahreszeiten erleben, gerade sind Frösche das Thema. „Wir waren an einem Froschzaun und haben und dort einige der Amphibien aus der Nähe beobachtet“, berichtet Janik Andris. „An einem anderen Tag waren wir im Schwenninger Moos, wo wir den Kindern Froschlaich zeigten.“

In der Outdoorklasse gibt es keinen festen Lehrplan. „Dadurch können wir auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder therapeutisch besser eingehen“, so Jessica Lippert. Der Erfolg gibt dem Projekt, das der Schulleiter der Carl-Orff-Schule konzipiert hatte, recht.

Schon in den wenigen Monaten seit September zeigten die geistig behinderten Schülerinnen und Schüler große Fortschritte. Ein Mädchen etwa habe sich beim normalen Unterricht mit rund sieben anderen Kindern nicht wohl gefühlt. „Inzwischen ist sie integriert und redet“, freut sich die Klassenlehrerin, die die Erfolge der Kinder für deren Eltern und für die Schule regelmäßig filmisch dokumentiert.

Und noch etwas lässt Jessica Lippert, die vor rund 20 Jahren im Sozialwissenschaftlichen Gymnasium der Zinzendorfschulen ihr Abitur gemacht und ab kommendem Schuljahr neben ihrer Tätigkeit an der Carl-Orff-Schule in der Erzieherausbildung in Königsfeld Theaterpädagogik unterrichten wird, strahlen: „Ich bin in diesem Schuljahr gleich mit zwei super tollen Praktikanten gesegnet.“

Einer von ihnen, Janik Andris hatte nach seiner Mittleren Reife ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Carl-Orff-Schule absolviert. „Mir war schon immer klar, dass ich beruflich mit Menschen arbeiten möchte“, sagt er. Das FSJ hatte ihn in seiner Entscheidung bestärkt, weshalb er an den Zinzendorfschulen eine Erzieherausbildung macht.

Nach dem einjährigen Berufskolleg wird er sich auf der Fachschule für Sozialwesen zum staatlich anerkannten Jugend- und Heimerzieher ausbilden lassen. Später möchte er noch die Fachlehrer-Ausbildung zu machen, um dann weiterhin im sonderpädagogischen Bereich zu arbeiten. Auch Janik Andris fasziniert an der Arbeit mit geistig behinderten Kindern vor allem eines: „Man bekommt so viel zurück und die Reaktionen sind sehr ehrlich.“