Seit vergangenem Montag gilt auch auf dem Königsfelder Bregnitzhof wieder die 3G-Regel – und hat dort bereits für Unmut gesorgt. Wie Betreiber Michael Weisser erklärt, habe er allein am Dienstag aufgrund der neuen Bestimmung zehn Gäste wieder nach Hause schicken müssen. „Die meisten Ungeimpften hatten einfach vergessen, dass jetzt wieder ein Test notwendig ist.“ Er wisse aber auch von einigen Besucherinnen und Besuchern, die erst wiederkommen wollen, wenn die Regelung fällt. „Das sind für uns natürlich alles Umsatzverluste“, betont Vater Matthias.

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Dennoch ist die Familie mit der Situation in ihrem Betrieb momentan „im Großen und Ganzen zufrieden“, wie Michael Weisser sagt. „Wir dürfen uns gerade wirklich nicht beschweren und sind einfach schon glücklich, wenn es nicht wieder schlechter wird.“

Weniger Spinde für die Gäste

Seit dem 15. Juni können die Gäste nach mehr als sieben Monaten Corona-Pause wieder in die Sauna kommen – wenn auch nur in begrenzter Anzahl. 73 Spinde könnten sie normalerweise anbieten, so Weisser. Momentan habe er die Kapazität auf 40 reduziert, da in den Schwitzräumen nach wie vor ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden müsse.

Bei schönem Wetter können sich die Gäste nach der Sauna im Außenbereich ausruhen.
Bei schönem Wetter können sich die Gäste nach der Sauna im Außenbereich ausruhen. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Vater Matthias kann diese Regelung nicht nachvollziehen – schließlich sei durch die neue Corona-Verordnung an vielen Orten eine Vollbelegung wieder möglich, beispielweise in der Gastronomie und bei Kulturveranstaltungen: „Da darf man jetzt wieder Schulter an Schulter sitzen und bei uns gelten noch immer die Abstandsregeln.“ Dabei sei das Risiko einer Ansteckung in ihren Schwitzräumen aufgrund der hohen Temperaturen deutlich geringer, so der 68-Jährige. Um dem Virus möglichst keine Chance zu geben, heizt die Familie alle vier Saunen auf 90 Grad Celsius an.

Alle Schwitzräume habe Matthias, Elke und Michael Weisser (von links) derzeit auf 90 Grad Celsius angeheizt – damit das Virus möglichst keine Chance hat.
Alle Schwitzräume habe Matthias, Elke und Michael Weisser (von links) derzeit auf 90 Grad Celsius angeheizt – damit das Virus möglichst keine Chance hat. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Damit sich die Arbeit trotz verringerter Kapazität auch finanziell lohnt, erledigen die Weissers weiterhin die meisten Aufgaben selbst. 50 Prozent der Aushilfskräfte werden derzeit nicht beschäftigt. „Trotzdem sind uns alle Aushilfen erhalten geblieben und würden jederzeit zurückkommen“, sagt Michael Weisser. Das sei keineswegs selbstverständlich.

Selbst die Aufgüsse sind von der Corona-Verordnung betroffen, denn sie dürfen nicht verwedelt werden.
Selbst die Aufgüsse sind von der Corona-Verordnung betroffen, denn sie dürfen nicht verwedelt werden. | Bild: Ann-Kathrin Moritz

Die Gäste hätten die Corona-Maßnahmen seit der Wiedereröffnung gut angenommen: „Sie kennen das ja schon aus dem letzten Jahr.“ Das Dampfbad dürfen die Weissers auch in diesen Monaten nicht öffnen, in den Ruheräumen müssen sie auf ausreichend Abstand zwischen den Liegen achten und in den Innenräumen herrscht Maskenpflicht. „Außerdem dürfen wir in den Schwitzräumen die Aufgüsse nicht verwedeln“, sagt der 39-Jährige.

Sauna wird im Lockdown vermisst

Viele Gäste seien froh, dass die Sauna überhaupt wieder geöffnet hat. Vater Matthias sagt: „Ein häufiger Kommentar ist: Im Lockdown habe ich nicht viel vermisst, aber die Sauna schon.“ So finden auch viele neue Gäste den Weg auf den Bregnitzhof. Das liegt laut Michael Weisser vor allem daran, dass viele Saunen in der Umgebung noch immer geschlossen sind.

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Währenddessen darf der Reisemobilplatz, den die Familie betreut, inzwischen wieder voll ausgelastet werden. Doch trotz Hochsaison sind nur „drei Stellplätze oder so“ besetzt, sagt Michael Weisser. Die Familie vermutet, dass die verringerte Nachfrage auch mit den erhöhten Übernachtungskosten zusammenhängt, die die Gemeinde als Betreiber seit dem 1. Juni erhebt. „Für uns fallen natürlich die gleichen Kosten an, egal, wie viele Gäste da sind – und gleichzeitig fällt der Bonus geringer aus, den wir für die Betreuung bekommen“, sagt Matthias Weisser.

Ungeimpfte sagen ab

Als drittes Standbein bietet seine Frau Elke Ferienwohnungen auf dem Hof an. Generell habe sie in diesem Bereich momentan keine größeren Probleme mit den Corona-Maßnahmen. „Wir hatten jetzt aber schon einige Anrufe von Leuten, die nicht geimpft sind und wegen der neuen Regelung nicht kommen“, sagt Matthias Weisser. Allerdings seien die Ferienwohnungen inzwischen nicht mehr so wichtig und „laufen eher nebenher“, sagt Elke Weisser.

Hilfen von 2020 lassen auf sich warten

Inzwischen hat die Familie auch ihre Überbrückungshilfe für das Frühjahr 2021 erhalten. Auf 50 Prozent der November- und Dezemberhilfen wartet sie dagegen noch immer. Und wie geht es weiter? Mit Blick auf Herbst und Winter hofft Michael Weisser, dass der Familienbetrieb keinen weiteren Lockdown erleben muss. Er ist aber positiv gestimmt, wie er selbst sagt. „Und auf alles, was da kommt, haben wir eh keinen Einfluss.“