Die Gemeinde Königsfeld hat auf ihrer Gemarkung 27 gefährdete Bereiche, die bei Starkregen zu überfluten drohen: Fünf davon mit besonders hohem Schadenspotential. Dies ist das Ergebnis eines sogenannten Starkregen-Risikomanagements, das vor drei Jahren an die BIT Ingenieure Freiburg in Auftrag gegeben worden ist. Es ist nun für alle Ortsteile abgeschlossen.

Der Schlussbericht lag jetzt dem Gemeinderat vor. Nach Auskunft von Bürgermeister Fritz Link stelle der Leitfaden eine qualifizierte Grundlage zur Bewertung der Überflutungsgefahren und –risiken bei Starkregen dar. Darauf baue ein Handlungskonzept auf, um Überflutungsschäden durch bauliche Maßnahmen zu minimieren.

Ausschlaggebend für ein solches Vorgehen seien die Überschwemmungen im Ortsteil Neuhausen im Juli 2015 gewesen. Von Anfang an seien die Feuerwehrkommandanten, der Bauhof und Ortsbaumeister Jürg Scheithauer eingebunden worden, um aus der Praxis heraus zu bewerten, wo Handlungsbedarf bestünde. „Wir haben in der Gemeinde 27 Stellen, die topografisch bedingt prekär werden können“, informierte der Bürgermeister.

Königsfeld sei im Schwarzwald-Baar-Kreis die bislang erste Kommune, die ein solches Projekt abgeschlossen hat, das circa 77 000 Euro gekostet habe. Die Förderung sei mit 54 000 Euro äußerst hoch gewesen, betonte Link.

Wie Bauingenieur Jedrzej Baryla vom Büro BIT erläuterte, würden bei Starkregen andere Ansätze zugrunde gelegt, als bei Hochwasser. In Königsfeld herrsche mehrmals eine Fließgeschwindigkeit von mehr als zwei Meter pro Sekunde, da könne ein Mensch kaum noch stehen. Für die Erstellung der Gefährdungsanalyse seien Starkregengefahrenkarten benutzt worden. Daraus erfolgten eine Risikoanalyse von sensiblen Objekten und ein Handlungskonzept mit möglichen Lösungen.

In Königsfeld gebe es 27 Bereiche und Objekte, die bei Starkregen überflutungsgefährdet seien. Besonders hoch sei das Schadenspotential im Freibad Solara, wenn aus dem Chlorlager Gefahrengut in nahegelegenes Gewässer austrete, bei der Säge, wodurch der Bauhof ausfallen könnte und die Bebauung und die Forststraße im Ortsteil Neuhausen, schilderte der Experte.

Bei Sturm „Sabine“ im Februar 2020 müssen Bauhof und Feuerwehren zu circa 70 Einsätzen bei umgestürzten Bäumen und Überflutungen ausrücken.
Bei Sturm „Sabine“ im Februar 2020 müssen Bauhof und Feuerwehren zu circa 70 Einsätzen bei umgestürzten Bäumen und Überflutungen ausrücken.

Ortsvorsteher Armin Wursthorn wunderte sich, weil in dem Bericht die Überschwemmung im Bereich „Ober Bühl“ in Erdmannsweiler im Jahre 2016 nicht vorkommt. Laut Baryla ist bei der Analyse das örtliche Kanalnetz nicht berücksichtigt worden. Ergänzend verwies Ortsbaumeister Scheithauer darauf, dass die dortigen Anlieger es versäumt hätten, Rückstauklappen in ihre Hausanschlüsse einzubauen und müssten dies noch nachholen.

Rat Matthias Weißer wollte wissen, wie die Feuerwehren mit dem Bericht vertraut gemacht werden. Jede Maßnahme, so der Bürgermeister, werde mit den Kommandanten besprochen und danach erhalte jede Abteilung einen Auszug der Datensätze von ihrem Ortsteil mit den speziellen Gegebenheiten, um sich mit den Überschwemmungsszenarien auseinandersetzen zu können. „Mit dem Bericht steht uns eine wertvolle Hilfe zur Verfügung. Es ist wichtig, sich auf künftige Katastrophenfälle vorzubereiten. Wir hatten im Februar 2020 circa 70 Einsätze bei Sturm Sabine“, brachte Link in Erinnerung. Einstimmig beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die Konzeption baulich priorisierter Maßnahmen anhand der Gefährdungssituation schrittweise und abhängig von der finanziellen Lage umzusetzen.