Sie gehören zur Weihnachtszeit in Königsfeld wie die Kugeln an den Christbaum: Herrnhuter Sterne. Doch in Zeiten der Energiekrise ist Weihnachtsbeleuchtung ein heißes Thema geworden.

Früher war mehr Lametta, das wusste schon Loriot. Und auch mehr Lichterglanz. Die Deutsche Umwelthilfe hat bereits im Spätsommer vorgeschlagen, in diesem Jahr weitgehend auf Lichterketten, blinkende Rentiere und Co. zu verzichten.

Zahlreiche große Städte haben reagiert. Stuttgart beispielsweise will auf den Adventskalender in den Fenstern des Rathauses verzichten; Heidelberg den Lichterschmuck beim Weihnachtsmarkt auf ein absolutes Minimum herunterfahren.

Hans Rohrbach – hier ein Archivbild im Herbst 2018 – ist seit seiner Jugend ein Freunde der Herrnhuter Sterne. Mit 14 Jahren ...
Hans Rohrbach – hier ein Archivbild im Herbst 2018 – ist seit seiner Jugend ein Freunde der Herrnhuter Sterne. Mit 14 Jahren kam er als Internatsschüler nach Königsfeld, in den 70er Jahren war er Kurgeschäftsführer. | Bild: Trippl, Norbert

In Königsfeld wurde das Thema schon in der jüngsten Gemeinderatssitzung nichtöffentlich besprochen. Das hat Hans Rohrbach mitbekommen – und bittet in einem offenen Brief an Bürgermeister Fritz Link und die Gemeinderäte darum, die weihnachtlichen Wahrzeichen Königsfelds auch in diesem Jahr leuchten zu lassen. In der nächsten Sitzung am Mittwoch, 9. November, wird das Thema erneut diskutiert.

Eine Million Lichter am Wasserfall

„Der Herrnhuter Stern ist ein Hoffnungsträger für die Menschen in der Advents- und Weihnachtszeit in Königsfeld und darüber hinaus“, schreibt Rohrbach in seinem Brief, den er auch an den SÜDKURIER geschickt hat. Und er sagt: „Die Herrnhuter Sterne sind doch keine kommerzielle Beleuchtung.“

Er findet es traurig, dass die Königsfelder Straßen in diesem Jahr womöglich dunkel bleiben, während nur wenige Kilometer entfernt in Triberg der Weihnachtszauber mit einer Million Lichtern gefeiert wird.

Bernd Möller (CDU), erster Bürgermeisterstellvertreter von Königsfeld, hat die jüngste Sitzung und deren nichtöffentlichen Teil geleitet, da Bürgermeister Fritz Link erkrankt war. Möller verweist auf die Rechtsverordnung, die so genannte Energiesicherungsverordnung.

Bernd Möller, Gemeinderat und erster Bürgermeisterstellvertreter.
Bernd Möller, Gemeinderat und erster Bürgermeisterstellvertreter. | Bild: SK Archiv

Diese lasse allerdings auch „kleine Hintertüren“ offen. In deren aktualisierter Fassung heißt es wörtlich: Das Beleuchtungsverbot gelte nicht „bei der Beleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern, die anlässlich traditioneller oder religiöser Feste (wie beispielsweise Weihnachten) installiert und betrieben wird“.

Wann genau ist denn nun Weihnachtszeit?

Nur: Was heißt das konkret? Das religiöse Fest Weihnachten beginnt streng genommen am ersten Weihnachtstag, dem 25. Dezember. Was ist mit der davorliegenden Adventszeit? „Zu bestimmten Anlässen wie Weihnachtsmärkten ist Beleuchtung auch erlaubt“, sagt Fritz Link, der zwischenzeitlich genesen und wieder im Dienst ist. „Allerdings ist Weihnachtsmarkt bei uns nur an einem Samstag. Da müssen wir uns fragen, ob es sich lohnt, für einen Tag die Sterne aufzuhängen.“

„Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, wenn man einerseits Einsparungen vornimmt und andererseits 47 Herrnhuter Sterne beleuchtet.“
Bürgermeister Fritz Link

Hinzu komme, dass die Weihnachtsbeleuchtung technisch nicht ganz kompliziert sei: Die Sterne ließen sich nicht einzeln steuern, sondern seien an die Straßenbeleuchtung gekoppelt. Diese geht in Königsfeld zwar um 22.30 Uhr aus, doch: „Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit“, sagt Link. „wenn man einerseits Einsparungen vornimmt und andererseits 47 Herrnhuter Sterne beleuchtet.“

Bürgermeister Fritz Link.
Bürgermeister Fritz Link. | Bild: Anja Ganter

Noch sei keine abschließende Entscheidung getroffen. Die werde auch nicht leicht. „Dessen sind wir uns bewusst“, sagt der Bürgermeister. Hans Rohrbach habe den Adventsschmuck seinerzeit verdienstvoll initiiert.

Die Sterne gehören zum Ort

Einen Ort ganz ohne Weihnachtsbeleuchtung mag sich Bernd Möller nicht vorstellen. „Die Herrnhuter Sterne gehören zu Königsfeld.“ Sein persönliches Minimum sei: Ein Christbaum und drei Sterne auf dem Zinzendorfplatz plus zwölf beleuchtete Sterne in der Friedrichstraße – die ganze Adventszeit über, aber mit reduzierter Brenndauer.

Die nächste Gemeinderatssitzung findet am Mittwoch, 9. November, um 18.30 Uhr im Haus des Gastes statt.