Die Schwarzwald-Gemeinschaft in Königsfeld steht vor wichtigen Weichenstellungen. Bis Mitte 2022 möchte die aus mittlerweile sechs Personen bestehende Gruppe der Direktion der europäisch-festländischen Brüder-Unität ein Nutzungskonzept und einen Finanzierungsplan für das Anwesen Just und Cie. in Königsfeld vorlegen.

Es gibt auch schon Pläne für Eigentumswohnungen

Das ehemalige Doktorhaus und die frühere Kolonialwarenhandlung liegen direkt am Zinzendorfplatz und gehören zu den ältesten Gebäuden der Glaubensgemeinschaft. Der zentralen Verwaltung der Herrnhuter Brüdergemeine liegen bereits umsetzungsfähige Pläne für Eigentumswohnungen auf dem Gelände vor. Trotzdem möchte die Direktion der Schwarzwald-Gemeinschaft Raum und Zeit geben, ihre Idee vom generationenübergreifenden Leben in Gemeinschaft so weit zu entwickeln, dass diese realisiert werden kann.

Königsfelds Pfarrer stellt den Kontakt her

Auf Initiative des Königsfelder Pfarrers Christoph Huss kam der Kontakt zwischen der Direktion und der Schwarzwald-Gemeinschaft zustande. Aus Presseberichten hatte er von der Suche der Lebensgemeinschaft nach einem Wohngebäude erfahren. Mit ihrem Wunsch nach einem bewussten und nachhaltigen Leben erschien die Gruppe als geeignet für die Nutzung des Gebäudes der Glaubensgemeinschaft.

Das denkmalgeschütze Haus, in das vielleicht die Schwarzwald-Gemeinschaft einziehen kann, gehört zu den ältesten Gebäuden der Herrnhuter ...
Das denkmalgeschütze Haus, in das vielleicht die Schwarzwald-Gemeinschaft einziehen kann, gehört zu den ältesten Gebäuden der Herrnhuter Brüdergemeine in Königsfeld. | Bild: Ina Klietz

Das Kernteam der Schwarzwald-Gemeinschaft erarbeitete ein Exposé und präsentierte im November 2021 ihr Konzept bei einer Videokonferenz mit den Entscheidungsträgern in Herrnhut. Obwohl diese dem Bauträger der geplanten Eigentumswohnungen bereits eine mündliche Zusage gegeben hatten, bekommt die „Lebensgemeinschaft in Gründung“ bis Ende Mai Zeit, ihre Pläne zu konkretisieren.

Ein strammer Zeitplan. Schließlich geht es darum, die Voraussetzungen zu schaffen, um das zentral gelegene Grundstück für 99 Jahre in Erbpacht zu übernehmen und den Umbau der denkmalgeschützten Gebäude zu finanzieren. „Wir sind wild entschlossen,“ beschreibt Johannes Kronbach den Gefühlszustand der Gemeinschaftsmitglieder. Er betrachtet es bereits als Erfolg, „dass man uns so ernst nimmt.“

Die formalen Voraussetzungen sind schon mal geschaffen

Mit ihrer Mitgliedschaft bei der Genossenschaft „Öko.See.Dorf“ hat die Schwarzwaldgemeinschaft jetzt die formalen Voraussetzungen geschaffen, um das Gebäude als Hausverein eigenverantwortlich weiter zu entwickeln. Die Übereinstimmung der inhaltlichen Ziele ermöglicht die Zusammenarbeit der am Bodensee ansässigen Genossenschaft und der Gemeinschaft im Schwarzwald.

Überzeugt von dieser Lebensform

„Es geht uns um einen Gegenentwurf zur herrschenden Vereinzelung und Isolierung“. erklärt Elisabeth Wahl. Die 72-Jährige hat schon als Studentin in Wohngemeinschaften gelebt und ist von dieser Lebensform bis heute überzeugt. Dazu gehören auch die soziokratische Organisation der Kommunikation und Entscheidungsfindung sowie die gemeinsame Nutzung von Gebrauchsgütern wie Autos in Form des Carsharings.

Für Familien, Menschen mit Handicap und Senioren

Auf dem Gelände in der Ortsmitte von Königsfeld ist mit rund 1800 Quadratmeter Wohn- und Nutzungsfläche genug Platz für 30 bis 40 Bewohner. Das denkmalgeschützte Gebäude soll barrierearm umgebaut werden und eignet sich für Familien mit Kindern ebenso wie für behinderte oder ältere Menschen. Deshalb ist die Gruppe auf der Suche nach weiteren Bewohnern, Unterstützern und Investoren.