In den Ortschaftsratssitzungen wurde eine Planungsrate für die Erstellung einer Friedhofskonzeption gefordert. Warum braucht es eine solche?

Wir haben in der Gesamtgemeinde vier Teilortsfriedhöfe. In einer Zukunftsplanung soll dargestellt werden, welche Grabarten stärker nachgefragt werden beziehungsweise welche neuen Grabarten angeboten werden können.

Wohin geht derzeit der Trend bei den gewünschten Bestattungsformen?

Der Trend geht eindeutig zu Feuerbestattungen und zu pflegeleichten oder pflegelosen Grabarten wie Baum- und Naturgräbern. Das ist gesellschaftlich bedingt. Die Familienmitglieder sind mobiler und wohnen oft weit weg. Die langjährige Grabpflege wird dadurch schwierig. Zum anderen gibt es auch den finanziellen Aspekt. Feuerbestattungen und Urnengräber sind meistens kostengünstiger als Erdbestattungen und Erdgräber.

Cordula Schwarzwälder.
Cordula Schwarzwälder. | Bild: Lothar Herzog

Kommt der Wunsch von den Angehörigen oder hat der Verstorbene das noch zu Lebzeiten für sich geregelt?

Das ist unterschiedlich. Manchen Menschen ist es sehr wichtig, damit nicht ihre Angehörigen zu belasten und sie regeln deshalb zu Lebzeiten ihre eigene Bestattungsvorsorge. Sie besprechen alles zu ihrer Beerdigung mit dem Bestatter ihres Vertrauens und bezahlen den Betrag im Voraus auf ein Treuhandkonto ein. Andere wiederum scheuen das Thema Tod und wollen nicht darüber sprechen.

Ist das klassische Erdgrab mit Sarg ein Auslaufmodell?

Gemeinden haben Schwierigkeiten mit der Bodenbeschaffenheit der Friedhöfe und damit Probleme mit Erdbestattungen. Ein Erdgrab ist wesentlich größer als ein Urnengrab, erfordert deshalb viel mehr Arbeitsaufwand und Fläche. Friedhofsverwaltungen gehen ganz neue Wege, um mit den Bestattungswünschen der Menschen Schritt halten zu können.

Sind die Angehörigen weniger bereit, Geld und Zeit für die Grabpflege aufzubringen?

Grabpflege ist in gewisser Weise auch ein Stück Trauerarbeit. Aber durch die demografische Lage und persönliche Wohn-, Sozial- und Arbeitsverhältnisse ist es weniger eine Frage der Bereitschaft als der individuellen Gegebenheiten.

Erst kürzlich war zu lesen, dass die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland rund 540 000 Mitglieder durch Austritte verloren haben. So viele wie nie zuvor. Wie wirkt sich ein Kirchenaustritt auf die Bestattung aus?

Die Säkularisierung macht sich in der Trauerrede bemerkbar, aber auch in der Musikauswahl sowie in der gesamten Gestaltung. Wenn ein Verstorbener konfessionslos ist, leitet ein Trauerredner oder der Bestatter die Trauerfeier. Sie übernehmen die Ansprache, die sonst ein Pfarrer hält. Statt religiösen Kirchenlieder werden zunehmend populäre Songs gespielt, die für den Verstorbenen oder die Angehörigen eine Bedeutung haben. Wir Bestatter wollen die Wünsche der Angehörigen, wie das individuelle Begräbnis ablaufen soll, bestmöglich erfüllen.

Fragen: Lothar Herzog