Unter optimalen Hygienebedingungen und ganz ohne Mundschutz können Kunstinteressierte derzeit die aktuelle Ausstellung des Vereins Kunstkultur Königsfeld genießen. Sie müssen dazu lediglich von außen an der 15 Meter langen Fenstergalerie des Kunstraumes in der Gartenstraße entlangschlendern. „Wir haben mit Stellwänden den Raum unsichtbar gemacht“, sagt Manfred Molicki, der Vorsitzende des Vereins. „Die Besucher können sich alles von außen anschauen.“ Sie machen das beste aus der Situation, die Verantwortlichen im Verein und die 60 Künstler. Aber kämpfen müssen sie alle.

  • Die aktuelle Situation: Ganze drei Mal haben sie in den vergangenen zwölf Monaten umsonst eine gesamte Ausstellung vorbereitet, haben Plakate gedruckt und Räume eingerichtet. Ganze drei Mal mussten sie alles wieder abbauen oder doch zumindest umplanen. „Das ist natürlich auch mit Kosten verbunden“, sagt Molicki. Das erste Mal mussten sie eine laufende Ausstellung unterbrechen – das war im ersten Lockdown. Die darauffolgende Ausstellung war bereits vorbereitet – die musste komplett abgesagt werden.

Den dritten Anlauf unternahm der Verein mit seiner Jahresausstellung. Alles war aufgebaut. Gäste konnten keine kommen. Sie haben dann alles digitalisiert, Videos von den Künstlern gemacht und die bereits gedruckten Plakate überklebt mit dem Hinweis, dass die Ausstellung nun online zu begutachten ist. Schadensbegrenzung könnte man sagen. „Ein Ersatz ist es freilich nicht“, sagt Molicki.

Im Februar hatten sie gehofft, eine Ausstellung über Mode zeigen zu können, im April eine zur Fotografie. Beides wurde nichts. Jetzt hoffen sie auf Juni. Die Rottweiler Künstlerin Angela Flaig könnte dann ihre einzigartige Kunst mit Flugsamen präsentieren. Die Betonung liegt wohl auf könnte. Sechs Wochen vor Beginn einer Ausstellung müssen sie eigentlich mit den Vorbereitungen beginnen. Das heißt Mitte, spätestens Ende April, müsste Molicki wissen, ob es im Juni eine öffentliche Ausstellung geben kann. „Wenn wir Ende April nicht sicher wissen, ob wir es machen können oder nicht, dann machen wir es nicht.“ Sie mussten schon zu oft absagen.

Fragt man Molicki nach seiner persönlichen Einschätzung, dann glaubt er nicht, dass es vor Sommer wieder einen Normalbetrieb geben wird. Im Herbst wollen sie die Ausstellung des Malers Paul Revellio nachholen. „Ich hoffe, dass die dann stattfinden kann“, sagt Molicki.

Jeden Monat müssen sie die Miete für den Kunstraum aufbringen. Inklusive Nebenkosten. Bei den staatlichen Förderungen fallen sie bislang durch alle Raster. Molicki hat versucht, was er konnte, sein Verein passte in keinen Fördertopf. „Dass es uns überhaupt noch gibt, liegt vor allem an Spendern.“ Außerdem konnten sie sich ein wenig Geld für geplante und nicht stattgefundene Ausstellungen zurückstellen. Und die Künstler beteiligen sich an den Kosten, wenn sie etwas verkaufen. Rund 200 Mitglieder haben sie derzeit. Tendenz tatsächlich steigend. „Wir konnten in der Krise neue Mitglieder dazugewinnen“, sagt Molicki. Die meisten wollen den Verein damit unterstützen, wollen, dass er überlebt.

  • Die Ausstellung: „David und Goliath“ heißt die aktuelle Ausstellung von Ulrich Schanz in der Fenstergalerie des Kunstraumes. Der Villinger Künstler Ulrich Schanz produziert Kunst mit Dosen, seien es Bierdosen, Teedosen, Halspastillendosen oder Tennisballdosen. Sie werden platt gewalzt und dann in feinster akribischer Tuschezeichnung bemalt. Selbst ein 200 Liter Ölfass, platt gewalzt durch einen Monstertruck, findet sich in der Fenstergalerie – zusammen mit einer winzigen Mundspraydose: „David und Goliath“.
Bild: Kunstkultur Königsfeld

Seine feinen Tuschezeichnungen zeigt Ulrich Schanz aber nicht nur auf Dosen, sondern auch auf Papier. Der ständige Blick auf das Smartphone regte den Künstler an zu seinem schon 2019 genannten Bild „Mutation“ und ein ganz eigenwilliges Auto zeigt er in seiner Zeichnung „Heiligs Blechle“. Eine ganze Serie widmet sich verschiedenen Musikern, dem Saxophonisten, der Flötistin, dem Schlagzeuger und dem Gitarristen. Bis Ende April ist die Ausstellung täglich 24 Stunden in der Fenstergalerie zu sehen.