"So gut wie sicher" sei das Winterquartier in Villingen gewesen, versichert Ingrid Weisheit vom Zirkus Aladin. Doch der Geschäftsmann habe auf dem schriftlichen Einverständnis der Stadt Villingen-Schwenningen bestanden – und die hat ihr Veto eingelegt. Ein Winterquartier für Menschen und Tiere sei baurechtlich in einem Industriegebiet nicht erlaubt, ließ Pressesprecherin Oxana Brunner am Dienstag wissen. Zudem würde der Zirkus gegen die Polizeiverordnung verstoßen, nach der Wohnmobile außerhalb offizieller Campingplätze verboten sind. Dieses Argument, mit dem auch die Gemeinde Königsfeld den Zirkus loswerden möchte, bringt die Zirkusfrau in Rage: "Kein Bürgermeister kann einem Privatmann verbieten, uns sein Privatgelände zu überlassen. Wir sind keine Camper, sondern Gewerbereisende."

Es sah so aus, als würde sich endlich eine Lösung abzeichnen. Das erhoffte Winterquartier für die fünfköpfige, nicht mehr junge Zirkusfamilie und ihre rund 30 Tiere befindet sich im Industriegebiet Vockenhausen. Die Tiere hätten in einer leeren Lagerhalle untergebracht werden können, die Menschen hätten nach Überzeugung der Weisheits gut weiterhin in ihren beheizbaren Wagen leben können, denn für Strom, Wasser und Abwasser wäre gesorgt gewesen. Da aber der Vermieter seine Zusage von der Zustimmung der Behörden abhängig gemacht hatte, habe sie die diversen Fachämter abgeklappert, rekapituliert Ingrid Weisheit ihre Bemühungen. Doch einmal mehr sei der Zirkus an der Bürokratie gescheitert: "Die Paragraphen sind deut- und dehnbar."

Das sieht die Stadt Villingen-Schwenningen anders. Das Baurecht verbiete eindeutig das Wohnen von Menschen und die Haltung von Tieren in einem Industriegebiet, betont die Pressesprecherin. Ebenso eindeutig sei das Verbot von Zelten und Wohnwagen außerhalb eigens ausgewiesener Campingplätze; auch die zwingend vorgeschriebenen sanitären Anlagen seien in dem Industriegebiet nicht vorhanden. Dass die Zirkusfamilie kein Camping betreibe, sondern ein Reisegewerbe ausübe, ändere nichts an der juristischen Bewertung. "Sie üben ihr Gewerbe im Winterquartier im übrigen nicht aus."

Unterdessen setzte Ingrid Weisheit die Suche nach einer Bleibe während der kalten Monate fort. Erneut flackerte ein Hoffnungsschimmer auf, als sie auf der Gemarkung von Zimmern im Landkreis Rottweil einen geteerten, offenbar verwaisten Platz mit einem leer stehenden Haus entdeckt habe. Auch dieser Platz wäre geeignet gewesen, denn Strom und Wasser wären über die Belebung der Hausanschlüsse verfügbar gewesen. Das Areal gehört der Gemeinde, habe sie im Rathaus erfahren. Doch auch diese Verwaltung habe abgelehnt.

In Zimmern hätte man sich zwar auch ohne Baugenehmigung einen auf vier bis sechs Monate befristeten Aufenthalt vorstellen können, aber das Gelände solle in ein Biotop umgewandelt und darum der Teerbelag entfernt werden. Sie habe im Landratsamt nachgehakt, so Ingrid Weisheit, in der Hoffnung, dass mit der Biotop-Gestaltung erst im Frühjahr begonnen werden würde. Doch die Naturschutzbehörde sei bei ihrem kategorischen Nein geblieben, weil in einer Hauswand ein Eulenpärchen niste, das nicht gestört werden dürfe. Auch eine dritte, zunächst Erfolg verheißende Option auf eine Übergangsunterkunft verlief im Sande.

Die Stimmung im kleinen Zirkusteam ist gedrückt. Seit rund einem Jahr wartet es auf die Verlängerung der Genehmigung für die Zurschaustellung von Tieren, die das Offenburger Landratsamt versagt hatte. Über den Widerspruch, den die Weisheits dagegen eingeleitet hatten, sei noch immer nicht entschieden worden. Das findet Ingrid Weisheit empörend: "Die Behörden wollen kleine Zirkusse wie uns aushungern." Das sei umso unverständlicher, als auch das Veterinäramt Schwarzwald-Baar nie die Tiergesundheit, sondern nur technische Mängel beanstandet habe. Die Familie lediglich ihr angestammtes Gewerbe ausüben und ihren Lebensunterhalt damit verdienen wolle. "Wir wollen niemandem zur Last fallen." Inständig hoffen die Weisheits, bald doch noch ein Winterquartier zu finden.

Situation

Anfang August hat die Familie Weisheit ihr Stallzelt neben dem Sportplatz von Neuhausen aufgeschlagen und die Fahrzeuge aufgestellt. Eigentlich wollten die Zirkusleute längstens einige Wochen bleiben, um dann weiterzuziehen, doch bislang fanden sie keinen Platz. Das Verbot der Zurschaustellung von Tieren kommt einem Auftrittsverbot mit Tieren gleich. Die Idee, mit artistischer Unterstützung aus der Verwandtschaft Aufführungen ohne Tiere in Königsfeld zu gestalten, musste wegen behördlicher Einwände verworfen werden. (cn)