Wie kann der ländliche Raum für junge Menschen attraktiv werden? Mit dieser Frage haben sich die Teilnehmer des Wirtschaftstages am Mittwoch in Königsfeld beschäftigt. Im Zentrum des Nachmittages stand ein Vortrag von Andreas Reiter, Gründer des Zukunftbüros in Wien. 90 Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Verwaltung aus den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar hörten sich dazu im Haus des Gastes neue Ideen und Impulse an.

90 Vertreter von Wirtschaft, Politik und Verwaltung lauschen dem Vortrag von Andreas Reiter.
90 Vertreter von Wirtschaft, Politik und Verwaltung lauschen dem Vortrag von Andreas Reiter. | Bild: Rüdiger Fein

Land gilt als verstaubt

Im Jahr 2050 werden nach heutigen Prognosen acht von zehn Bewohnern Deutschlands in Städten wohnen. Mit diesen Fakten eröffnete Andreas Reiter seinen Vortrag. An die Fakten schließen sich unwillkürlich Fragen an: Warum ist das so? Warum zieht es die jungen Menschen in die Städte? Die Antworten scheinen auf der Hand zu liegen: Metropolen bieten Arbeitsplätze, Start-Ups, eine hohe Lebensqualität. Im Gegensatz dazu gilt das Land als verstaubt und langweilig – so beschreibt Andreas Reiter die Vorstellung, die in den Köpfen vieler jungen Menschen vorherrscht. Diese Annahme sei, so Reiter, jedoch nicht mehr zeitgemäß. „Das Land ist längst ein Zukunftsraum.“ Laut Reiter verschwimmen die Grenzen zwischen Land und Stadt immer mehr: „Die Stadt wird grüner, das Land wird kreativer.“

Andreas Reiter gibt Impulse zum Thema.
Andreas Reiter gibt Impulse zum Thema. | Bild: Rüdiger Fein

Regionale Kooperationen wichtig

Wie kann es ländlichen Regionen gelingen, für junge Menschen attraktiver zu werden? Für Reiter gibt es dazu mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist, sich vor allem den Bedürfnissen der heute 18- bis 25-Jährigen, den sogenannten Millennials, anzupassen. „Diese Zielgruppe entscheidet über die Zukunftsfähigkeit von Regionen“, sagte Reuter. Dazu gehöre es, familienfreundliche Orte zu schaffen und für Freizeitangebote zu sorgen. Außerdem sei Arbeit oft nicht mehr an einen Ort gebunden. Das bedeute, jungen Menschen Räume zur Verfügung zu stellen, wo sie arbeiten und sich entfalten könnten. Zum anderen sei es wichtig, das Alleinstellungsmerkmal einer Region herauszuarbeiten und damit zu werben. Damit dies gelinge, müssten, so Reuter, regionale Unternehmen zusammenarbeiten. Unternehmen seien dafür verantwortlich, einen attraktiven Lebens- und Wirtschaftsraum zu schaffen. „In der digitalen Moderne geht es nicht mehr ohneeinander.“

Diskussion am runden Tisch

Wie sieht es vor Ort in Königsfeld und Villingen aus? Sind junge Talente wirklich schwer zu bekommen? Diesen Fragen stellten sich Jan-Jürgen Kachler, Geschäftsführer des Raumausstatter-Betriebs Kachler in Königsfeld und Harald Kühne, Inhaber von Kühne Druck- und Werbetechnik in Villingen. Kachler müsse sich um junge Talente keine Sorgen machen. Immer drei Jahre lang habe der Betrieb einen Lehrling. Jedes Jahr bekomme er zwei bis drei Anfragen. Die Lehrlinge kommen größtenteils aus der Region. Für Kachler sei es, gerade auch in der digitalen Welt wichtig, Mitarbeiter in der Firma zu halten, wobei für ihn vor allem „ein gutes Betriebsklima“ und der Austausch mit den Mitarbeitern bedeutsam sei. Was sich Kachler wünscht, ist eine bessere Vernetzung mit den Berufsschulen.

Händeringend Lehrlinge gesucht

Anders sieht es bei Harald Kühne aus. Der kleine Betrieb mit fünf Beschäftigten suche händeringend nach Lehrlingen, so Kühne. Die Schwierigkeit sieht er darin, dass der Beruf als Schild- und Lichtreklamerhersteller nicht modern sei. Für Stellen als Mediengestalter gebe es hingegen viele Bewerbungen. Der Betrieb beschäftige momentan zwei Gesellen, aus Singen und aus Oberndorf. Der Betrieb stoße außerdem an seine Grenzen, was die Produktionsfläche betrifft.

Dass es schwierig ist, an Fachkräfte zu kommen, bestätigte auch ein Teilnehmer aus dem Publikum. Ebenso wurde aus den Zuhörerreihen angebracht, dass ein Umdenken erforderlich ist, was die altmodische Struktur der Arbeitsplätze betreffe. Es brauche jemanden, der sich konkret um die Vernetzung der Unternehmen kümmere, so ein Besucher.