Fast alle haben heutzutage ein Handy, aber niemand will den Sendemast vor der Haustür. Wenn es um das Thema Mobilfunkstandort in der Gemeinde geht, kochen die Emotionen bei den Bürgern hoch. Sie fühlen sich zehn Jahre zurückversetzt.

  • Der Grund: Die Telekom hat der Gemeinde in einem Schreiben mitgeteilt, zur besseren Versorgung mit mobilen Sprach- und Breitbanddiensten einen neuen Mobilfunksender in den Ortsteilen Erdmannsweiler und Neuhausen aufstellen zu lassen. Auch wurden darin bereits geeignete Standorte genannt. Der Kommune wurde eine Frist von 30 Tagen eingeräumt, um eigene Vorschläge einzureichen und beim Standort-Suchlauf dabei zu sein.
  • Reaktion der Gemeinde: Bürgermeister Fritz Link antwortete der Telekom, dass die Gemeinde mit Blick auf die bestehenden Bedenken der Bevölkerung gegen den Aufbau neuer Mobilfunkstandorte im bebauten Innenbereich dringend in den Standortsuchlauf eingebunden werden müsse. Der Telekom wurde untersagt, bereits jetzt bei privaten Grundstückseigentümern Pachtverträge abzuschließen, die die Gemeinde nicht genehmigen werde. Es wurde eine Fristverlängerung bis Ende März 2018 beantragt, die Bürger wurden über das Vorhaben der Telekom informiert.
  • Bisherige Vorgehensweise: Das Thema Mobilfunkstandort wurde in den Ortschaftsräten Neuhausen und Erdmannsweiler beraten. Ähnlich wie in Neuhausen waren zur Sitzung in Erdmannsweiler 40 Interessierte gekommen, die in der Bürgerfragestunde ihre Bedenken äußerten.
    Vor allem jüngere Bürger sagten, sie seien extra deshalb nach Erdmannsweiler gezogen, weil es hier keinen Sendemast gebe und sie sich der Strahlenbelastung nicht aussetzen wollten. Sollte sich dies ändern, bleibe nur der Wegzug. Stefanie Richter vom Verein Diagnose Funk rügte das Vorgehen der Telekom. Dies erinnere stark an das von E-Plus vor zehn Jahren. Wieder habe ein Mobilfunkbetreiber die Gemeinde hintergangen. Claus Ding, Vorsitzender der BUND-Ortsgruppe Königsfeld, lobte das Vorgehen der Verwaltung. Er verstehe aber nicht, weshalb das Ganze wieder von vorne losgehe. Sein Verein sei dafür, dass Sendemasten aus der Bebauung raus müssten und im Wald stehen sollten.
  • Sitzungsverlauf: Bürgermeister Link stellte die Sachlage dar. Da ein erwiesener Bedarf an einer Verbesserung der Technik bestehe, um Funklöcher zu minimieren, könne die Gemeinde das Vorhaben der Telekom nicht einfach ablehnen. Er und Ortsvorsteher Armin Wursthorn hatten einige Mühe, besorgte Besucher zu besänftigen. Sie mussten sie auf die Gemeindeordnung verweisen, wonach sie sich während der Sitzung nicht zu einem Thema äußern dürfen. Rätin Waldtraud Polkowski wetterte, es sei eine Unverschämtheit, dass Ortschaftsräte verbal verunglimpft würden. Vor Jahren habe dies dazu geführt, dass das komplette Ratsgremium zurückgetreten sei.

Standorte

Bis Mitte Januar 2018 will die Telekom der Gemeinde Standortvorschläge unterbreiten. Diese sollen dann mit Vertretern der Verwaltung, Mobilfunkbetreiber, Bürgern und Naturschutzverbänden unter Abwägung unterschiedlicher Interessen begutachtet werden. Die Gemeinde wird Thomas Gritsch beauftragen, unabhängiger Sachverständiger vom Tüv Süd, ein Gutachten auf der Basis der Bundesimmissionsschutzverordnung zu erstellen.