So richtig zufrieden war man im Ausschuss für Tourismus, Kultur, Bildung und Soziales nicht, als Kurgeschäftsführerin Andrea Hermann die Tourismuszahlen für 2017 vorstellte. Und das, obwohl in vielen Bereichen ein deutlicher Zuwachs verzeichnet werden konnte. Was allerdings erneut zurückgegangen ist, ist die Zahl der Übernachtungen – trotz einem ordentlichen Anstieg der Besucherankünfte.

Denn im Vergleich zum Vorjahr habe man 30 000 Ankünfte in 2017 verzeichnet, sagte Andrea Hermann. Das seien über 2400 Ankünfte mehr als 2016. Besonders in den Monaten April und Juni seien die Zahlen um jeweils rund 25 Prozent gestiegen, im Dezember sogar um 32 Prozent. Dem gegenüber stehe aber die Zahl der Übernachtungen, die um fast 1300 auf rund 169 000 gefallen sei. "Die Aufenthaltsdauer geht erneut leicht zurück", erläuterte die Kurgeschäftsführerin. "Das liegt einfach an den Busgruppen." Diese Reisenden bleiben in der Regel nur eine Nacht.

Bei diesen handle es sich vor allem um Gäste aus China, erklärte Andrea Hermann. Diese bilden bei den aus dem Ausland kommenden Gästen, die gut 38 Prozent der Gesamtzahl ausmachen, mit rund 57 Prozent die Mehrheit. Mit 10,5 Prozent folgt die Schweiz und mit 7,7 Prozent die Niederlande.

Bürgermeister Fritz Link zeigte sich angesichts der sinkenden Übernachtungszahlen besorgt. "Wir können nicht zufrieden sein", sagte er. Zwar habe man dank der Kliniken im Ort einen relativ stabilen Wert, doch müsse das Ziel sein, wieder zuzulegen. "Wir brauchen dringend ein qualifiziertes Bettenangebot", sagte er auch mit Blick auf das geplante Vier-Sterne-Resort auf der Kinderweide. Ansonsten werde man den großen Nachfrage in diesem Bereich nicht nachkommen können. Bei einem weiteren Rückgang der Übernachtungszahlen sei zu befürchten, dass der Kurbetrieb nicht mehr aufrechterhalten werden könne, meinte Link.

Zumal über der Gemeinde noch die mögliche Schließung der Michael-Balint-Klinik hängt, wie Ralf Ruchlak, Vertreter der Kliniken im Ausschuss, anmerkte. Eine Schließung könnte starke Auswirkungen auf die Gästezahlen haben, betonte er.

Heftige Kritik an ihren Kollegen äußerte die sachkundige Einwohnerin und Gastgeberin Ingrid Koch. Es sei eine Schande, dass die Zusammenarbeit zwischen den Gastgebern in der Gemeinde und der Gemeinde selber nachlasse. "Es wird uns von der Gemeinde so viel angeboten", sagte sie. Doch die Resonanz beispielsweise bei Seminaren zur Buchung über das Internet sei stets gering. "Wenn sich jeder aus der Verantwortung zieht, kommt man nicht voran", sagte sie.

Auch Bürgermeister Link sparte nicht mit Kritik. Dabei ging es ihm vor allem um das Thema Buchbarkeit über das Internet. Seit gut acht Jahren versuche die Gemeinde die Gastgeber dazu zu bewegen, in diesem Bereich tätig zu werden. Er verstehe nicht, warum sich viele noch immer dagegen sträuben. "Wenn der Gast im Ort ist, ist er zufrieden", sagte Link. Dafür müsse man den Gast aber erst einmal in den Ort bringen. Man müsse bei seinem Angebot mit der Zeit gehen, denn "Stillstand ist Rückschritt." Deswegen werde die Gemeinde erneut ein Seminar zu diesem Thema anbieten.