Auch wenn heute die Zeit in Form von Funksignalen praktisch vom Himmel "fällt" und die Uhren im Auto und im Supermarkt versorgen: Die digitale Uhrzeit ist eine alte Errungenschaft. Bereits vor über 100 Jahren gab es Taschenuhren mit digitaler Anzeige. Auf überaus großen Zuspruch stieß der Museumsabend des Geschichtsvereins Buchenberg am Freitag mit der Eröffnung der Sonderausstellung "Uhrenschätze aus der Region" im Dorfmuseum des Buchenberger Rathauses. Vorsitzende Barbara Lein führte poetisch in den Abend ein und bezeichnete die Zeit als großen Bruder der Uhr, die zu unzertrennlichen Geschwister geworden seien. Uhrenschätze seien Familienschätzen gleich zu setzen. Beide besäßen ihren Stammplatz in Haus und Hof und würden von den Besitzern ungern aus den Händen gegeben. Jedes dieser Kleinode erzähle seine eigene Geschichte und nur der Besitzer kenne die "Mucken und Breschten" der Schmuckstücke, die sie liebevoll pflegten. Umso mehr danke sie allen sehr herzlich, die ihre Schätze dem Verein für diese Sonderausstellung zur Verfügung stellen. Hierzu gehöre auch die örtliche Kirchengemeinde, die die frühere Uhr der Dorfkirche der Sonderausstellung überlasse und somit ein Stück Dorfgeschichte darstelle, hob Lein hervor.

Die frühere Kichenuhr (rechts) der Dorfkirche Buchenberg stellt nach Auskunft der Vorsitzenden Barbara Lein ein Stück Dorfgeschichte dar.
Die frühere Kichenuhr (rechts) der Dorfkirche Buchenberg stellt nach Auskunft der Vorsitzenden Barbara Lein ein Stück Dorfgeschichte dar. | Bild: Lothar Herzog

Im Jahre 1518 seien im süddeutschen Raum erstmals Sonnenuhren erwähnt. In Europa beginne der Mensch sich mit dem Einfangen der Zeit zu beschäftigen und Uhren zu konstruieren. 1730 habe der Schönwalder Franz Ketterer die erste Kuckucksuhr hergestellt. Die Entwicklung sei rasend schnell verlaufen und habe Wohlstand in den Schwarzwald gebracht. Die Uhrenträger, auch in Buchenberg ein angesehener und beheimateter Beruf, hätten auf dem Rücken begehrte Uhren und Schilderuhren in ferne Länder gebracht. Für die einfachen Leute seien die Kirchenglocken der Zeitmesser gewesen, wusste Lein.

Die Resonanz beim Museumsabend des Geschichtsvereins Buchenberg im Rathaus war überaus groß und freut die Organisatoren um Vorsitzende Barbara Lein (links).
Die Resonanz beim Museumsabend des Geschichtsvereins Buchenberg im Rathaus war überaus groß und freut die Organisatoren um Vorsitzende Barbara Lein (links). | Bild: Lothar Herzog

Die serienmäßige Uhrenproduktion und deren Spezialisierung sei in den abgelegenen Schwarzwaldhöfen entstanden. In St. Georgen, Schramberg, Villingen-Schwenningen und Schönwald habe sich eine weithin bekannte Uhrenindustrie mit der Herstellung von mechanischen Laufwerken entwickelt, die sich Ende der 70er Jahre bereits im Niedergang befunden habe. Firmen wie Kienzle, Junghans, Maute und Staiger hätten ums Überleben gekämpft. Optisch moderne Einweg-Uhren seien gefragt gewesen. 1976 sei die erste digitale Quarz-Herren-Armbanduhr ohne bewegliche Teile auf den Markt gekommen. Inzwischen sei eine Kehrtwende festzustellen. Hochwertige mechanische Uhren seien wieder gefragt.

Bild: Lothar Herzog

Für jeden von uns bedeute Zeit etwas Individuelles und jeder sei von Geburt an mit einer "inneren Uhr" ausgestattet. Wer kenne die Situation nicht, dass Stunden im Nu vorbeihuschen, und Minuten zu Stunden werden können. Trotz genauester Uhren könne der Mensch beides nicht beeinflussen, stellte die Vorsitzende fest und lud zum Rundgang ein, den Vorstandsmitglied Ingrid Weisser führte. Sie betonte, dass der Verein eine kleine, feine Ausstellung bieten wolle. Sie erhebe nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Abfolge des Themas zu sein.