Die Michael-Balint-Klinik steht vor dem Aus. Nachdem der SÜDKURIER die Öffentlichkeit über die geplante Schließung informiert hatte, wurden nun Reaktionen gegenüber den Verantwortlichen laut: Der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Rombach wandte sich laut einer Pressemitteilung an zwei Entscheidungsträger der Landesregierung.

Karl Rombach liegt die Michael-Balint-Klinik am Herzen.
Karl Rombach liegt die Michael-Balint-Klinik am Herzen. | Bild: SK

Am Montag schrieb Rombach eine E-Mail an den Sozialminister Manfred Lucha, am Dienstag schickte er ein Schreiben an Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Bei beiden setzt er sich für den Erhalt der Klinik ein.

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Schreiben an Manfred Lucha

In seiner Nachricht an den Sozialminister geht es Rombach vor allem um die 42 Akutbetten der Klinik, die momentan noch in Königsfeld sind, künftig aber an das Vinzenz von Paul Hospital in Rottweil gehen sollen. Rombach weist Lucha auf ein Schreiben von Bürgermeister Fritz Link hin, in dem Link Lucha darum bittet, über den Antrag der Klinik vom 19. September 2019 in der Sitzung des Landeskrankenhausauschusses am 6. November zu beraten. In dem Antrag der Klinik geht es darum, die 42 Akutbetten in den Krankenhausbettenplan der Michael-Balint-Klinik aufzunehmen.

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„Akutbetten bilden den wirtschaftlichen Kern der Klinik“

Im Sommer war entschieden worden, dass die 42 Akutbetten der Klinik nicht an den Standort gebunden sind. In seiner E-Mail an Manfred Lucha schreibt Rombach von einem „schweren Fehler“, was die Entscheidung über die Verlagerung der 42 Akutbetten angeht. „Die Akutbetten bilden den wirtschaftlichen Kern der Klinik“, so Rombach. Momentan hat die Klinik 42 Akutbetten in der psychosomatischen Abteilung des Krankenhauses und 60 Betten für Reha-Patienten. „Allein mit den Rehabetten wäre der Betrieb nicht mehr aufrechtzuerhalten“, schreibt Rombach weiter. Abschließend bittet Rombach den Sozialminister, den Antrag auf die 42 Akutbetten zu prüfen.

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Ministerium prüft eingegangenen Antrag

Auf Nachfrage des SÜDKURIER äußerte sich ein Sprecher des Ministeriums für Soziales und Integration am Donnerstagnachmittag wie folgt: „Zu aktuellen erneuten Forderungen nach Aufnahme der Klinik in den Krankenhausplan sind derzeit keine Aussagen möglich. Dem Ministerium liegt zwar seit Kurzem ein Antrag vor, der vor einer Entscheidung und Einbindung des Landeskrankenhausausschusses jedoch inhaltlich und fachlich sorgfältig zu prüfen ist. Diese Prüfung ist noch nicht abgeschlossen.“

Aufforderung an Kretschmann

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Dass die Balint-Klinik „speziell traumatisierte Menschen mit Migrationshintergrund“ behandelt, ist für Karl Rombach der Grund, Ministerpräsident Kretschmann zu schreiben. In seinem Brief bezieht sich Rombach auf eine Forderung von Kretschmann, der im Sommer ein Sonderkontingent des Bundes für IS-Opfer nach dem Vorbild Baden-Württembergs gefordert hatte.

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Klinik besitzt „transkulturelle Expertise“

In einer Pressemitteilung erklärte Rombach: „Ich erwarte, dass der Ministerpräsident seinen Worten Taten folgen lässt. Die Michael-Balint-Klinik hat sich große Verdienste erworben durch die Behandlung von besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak.“ In seinem Schreiben betont Rombach, dass mit der Schließung der Klinik „transkulturelle Expertise“ verloren gehe. Ihm stelle sich die Frage, wie diesen Menschen künftig geholfen werden solle. „Wo soll die Expertise herkommen, wenn die Michael-Balint-Klinik geschlossen wird?“

 

Zur Person

Manfred Lucha, 58, ist in Garching an der Alz geboren. Seit 2016 ist der Minister für Soziales und Integration im Kabinett von Parteikollege Winfried Kretschmann. Lucha ist ausgebildeter Chemiewerker und Krankenpfleger. Nach der Fachhochschulreife studierte er Sozialarbeit an der FH Weingarten. 2005 absolvierte er das Masterstudium Management im Sozial- und Gesundheitswesen. Lucha gehört den Grünen seit 1979 an. Von 1998 bis 2000 war er Mitglied des Landesvorstands der Grünen in Baden-Württemberg. Im Gemeinderat von Ravensburg hat er seit 1994 einen Sitz und ist dort Fraktionsvorsitzender. (kbr)