Enttäuscht zeigen sich Claus Ding vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Bund) und Stephanie Richter vom Verein Diagnose Funk mit Blick auf ihre Beteiligung am von der Gemeinde Königsfeld eingerichteten runden Tisch, an dem für einen von der Telekom geplanten Mobilfunkmasten ein von möglichst allen Seiten akzeptierter Standort gefunden werden soll.

Ein Dialog, so die beiden Vertreter, sei an diesem runden Tisch jedoch bislang nicht möglich gewesen, geschweige denn eine sachliche Diskussion auf Augenhöhe. Vielmehr verspüren Ding und Richter ihnen gegenüber von Anfang an eine ablehnende Haltung. Auch von einer echten Bürgerbeteiligung könne keine Rede sein. Vielmehr habe man gleich zu Beginn ein Gutachten vorgesetzt bekommen, das aus Sicht von Ding und Richter von Anfang an wohl als „nicht mehr verhandelbar“ angesehen wurde. Selbst Informationen aus sehr seriösen Quellen seien ernstgenommen worden.

Und was noch Schlimmer sei: Selbst verbale Entgleisungen seitens des Bürgermeisters in Richtung der Vertreter des Bund und der Diagnose Funk, wie der, man habe eine „Pogrom-Stimmung“ geschaffen, habe man über sich ergehen lassen müssen. Sie können nicht nachvollziehen, dass es als Panikmache bezeichnet wurde, wenn man auf Verbraucherschutzinformationen verweist. Die Umweltverbände widersprechen dem öffentlich gemachten Vorwurf, man trage Schuld am Scheitern einer Konsenslösung.

Bürgermeister Fritz Link hat wenig Verständnis für die Anschuldigungen. "Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit", sagt er. Man habe einen unabhängigen Sachverständigen bestellt, der die vorhandenen Bedenken gerade nachweislich nicht ignoriert, sondern intensiv untersucht habe. Die Gemeinde habe auch kein Gutachten einseitig vorgegeben, sondern dieses als Diskussionsgrundlage unter objektiver Betrachtung der Sach- und Rechtslage erarbeiten lassen.

Es gebe Parameter, die bei der Ansiedlung eines Funkmastens beachtet werden müssen und die in der Bundesimmissionsschutzverordnung festgelegt sind. "Die Gemeinde ist an Recht und Gesetz gebunden." Man sei sogar darüber hinausgegangen und habe die strengeren Vorsorgewerte aus Österreich und der Schweiz für die Untersuchungen zugrunde gelegt, die einen weitergehenden Gesundheitsschutz beinhalten. "Wir tun mehr, als der Gesetzgeber von uns fordert", sagt Bürgermeister Link.

Auch zu dem Vorwurf, er habe die Vereine beschuldigt, eine Pogrom-Stimmung zu verursachen, äußerte sich der Bürgermeister. Vielleicht sei der Begriff im Eifer der Diskussion nicht glücklich gewählt gewesen, räumt er ein. Aber Tatsache sei, dass durch Verbreitung von teilweise falschen Fakten sozialer und psychischer Druck auf Grundstückseigentümer ausgeübt werde, sodass diese den falschen Eindruck bekommen, dass sie die Gesundheit der Bevölkerung gefährden, wenn sie dem Funkmast im Außenbereich zustimmen. "Das hat dazu geführt, dass bisher keiner es wagt, zuzustimmen", bedauert der Bürgermeister. Dies könne schlimmstenfalls dazu führen, dass das Vermittlungsverfahren scheitert und die Telekom die Sendeanlagen doch im Innenbereich der Ortsteile errichtet.

Rückblick

Im November 2017 unterrichtete die Deutsche Telekom die Gemeindeverwaltung von ihrem Plan, einen neuen Mobilfunkmast in Neuhausen oder Erdmannsweiler aufzustellen. Die Gemeinde lehnte die von der Telekom vorgeschlagenen Standorte an, forderte Mitsprache ein und es wurde ein runder Tisch zur Standortsuche gebildet.