Mit dieser Resonanz auf die Königsfelder Resonanzen hatte wohl niemand gerechnet: Der große Kirchensaal war am Sonntagabend gut zur Hälfte gefüllt – das ist viel für Kammermusik mit Orgel. Klaus Schüller spielte sie reduziert pianistisch, um der Flötistin und Sängerin Àgnes Suszter Raum für klangliche Entfaltung zu lassen. Das hervorragend disponierte Duo erzeugte mit filigranen Werken von Händel, Bach und Zeitgenossen meditative Innigkeit; romantisch-schwelgerischer Kontrast war die Suite von Charles-Marie Widor.

Georg Friedrich Händel hat seine Sonate g-Moll op.1 Nr. für Blockflöte und Basso continuo komponiert und wäre von der kraftvollen Variante für Querflöte und Orgel vermutlich ebenso bezaubert gewesen wie das Publikum. Engelsgleich fließt die Melodie von der Empore in den Saal hinunter. Klaus Schüller akzentuiert die weichen, verspielten Bögen der virtuosen Flöte mit sparsamem Bass und übernimmt im zweiten Satz die Rolle des konzertanten Tanzpartners. Àgnes Suszter begeistert mit klarem, modulationsfähigem Spiel, Hingabe und Tiefe im Ausdruck. Der Organist brilliert auch in den weiteren Werken mit technischer Souveränität und Gespür für eine effektvolle, minimalistische Registrierung.

Die schlichte Suite von Louis-Nicolas Clérambault lebt von Echo-Effekten in verschiedenen Stimmlagen. Die wandlungsfähige Orgel gebärdet sich jetzt flötistisch und entwickelt mit der Querflöte einen spirituellen Dialog, bei dem jeder Ton wichtig ist und sich in Ohren und Seelen schmeichelt. Das Publikum lauscht andächtig und verzichtet auf Beifall zwischen den Werken, was wohl der sakralen Atmosphäre geschuldet ist. Sie wird durch Kirchenlieder von Heinrich Schütz unterstrichen, bei der Àgnes Suszter auch als Sängerin mit kraftvoller, klarer, schnörkelloser Stimme glänzt.

Bei der Sonate C-Dur von Franz Xaver Schnizer ist die Orgel in zierlichem Parlando solistisch zu erleben, während ihr bei der abschließenden Widor-Suite opulentere Klangfülle im chromatischen Gleiten mit einer gewitzten, jubilierenden Flöte gestattet ist. Die Musikfreunde lauschen atemlos; endlich brandet Beifall auf.