Martin Krauss lebt heute wieder in Königsfeld, nachdem er bis 2002 in vielen Ländern der Welt zuhause war. Er wurde 1937 in Brasilien geboren und ist mit fünf Geschwistern Sohn des in der Nachkriegszeit 16 Jahre lang regierenden Königsfelder Bürgermeisters. Später wohnte er als Familienvater jahrzehntelang in Florida. Er ist lebensfroh, energisch, munter und zufrieden. Was ihn letztendlich zurück in die Heimat nach Königsfeld zog, seien die vier Jahreszeiten gewesen, diese habe er in Übersee am meisten vermisst. Er ist ein Phänomen, im Ort kennt ihn nahezu jeder. Im Januar reiste er nach Indien und Sri Lanka, obwohl er kurz vorher an der Hüfte operiert wurde.

Immer aktiv: Martin Krauss ist im Jahr 2017 der älteste Teilnehmer beim sogenannten Laien-Man-Triathlon. Bild: Lutz Rademacher
Immer aktiv: Martin Krauss ist im Jahr 2017 der älteste Teilnehmer beim sogenannten Laien-Man-Triathlon. Bild: Lutz Rademacher
  • Zwei Vorträge über Reisen: Über diese Reise hält er mit seinem Reisegefährten zwei Vorträge in Königsfeld, am Freitag, 16. Februar, um 18 Uhr im Gemeindezentrum und am Mittwoch, 28. Februar, im Christoph-Blumhardt-Haus um 15 Uhr. Krauss läuft die Treppe hinunter wie ein 20-Jähriger. Dabei summt er vor sich hin, spricht hübsche Frauen an, wie ein Charmeur Mitte 30 und fährt sein Auto, als wäre er höchstens 40. Mit 50 hatte er alle bewohnten Kontinente der Welt schon mindestens einmal bereist. Er genieße es, alleine zu reisen und Risiken einzugehen, erzählt er, so sei er einmal in Brasilien beim Joggen mit einer Pistole angegriffen worden – die Waffe landete schließlich bei ihm. Ein anderes Mal habe er eine Nacht in einer stockdunklen Schlucht eines Vulkans verbracht, in die er hineingefallen war, am ganzen Körper blutig und mutterseelenallein.
    Er habe aber mit dem Herrgott immer gute Erfahrungen gemacht.
  • Neue Hüfte hält fit: Seit Anfang Dezember liefe er nun mit einer neuen Hüfte herum, erzählt er. Der Heilprozess verlief extrem schnell. Wofür die anderen so drei Monate benötigen, habe er in drei Wochen geschafft, sagt er mit etwas Stolz. In der Reha habe er alles doppelt gemacht, zum Beispiel anstatt einer halben Stunde Wassergymnastik eine ganze, dafür aber nur die Hälfte gegessen, und selbstverständlich gar kein Fleisch, das mache er seit Jahrzehnten, vorwiegend aus ethischen Gründen, nicht mehr. Er lebt auch ziemlich bescheiden. Das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit für ihn, welche vorwiegend aus Müsli bestehe. Anschließend könne der Tag kommen. Joggen, Rad fahren, mal ein Marathon in New York oder eben der Laien-Man-Triathlon am Kirnbergsee, mal Singstunde oder ein Orgelkonzert in der Kirche, Vortrag über exotische Länder oder vorm Königsfelder Publikum einen Vortrag über die eigenen Reisen halten – er macht alles mit. Vor der OP hatte er einen Teilzeitjob und in Villingen Pakete ausgetragen.
  • Flexibilität genießen: Das Geld für Reisen müsse ja auch verdient werden. Am schönsten an diesem Job sei die Flexibilität gewesen, meint er. Eineinhalb Monate nach dem Einsetzen der Hüftprothese besuchte er im Januar Indien und Sri Lanka. Er meint, diesmal sei es etwas bequemer gewesen, er sei nämlich mit einer Reisegruppe und auch mit einem Königsfelder Freund gefahren. Trotz des bequemen Reisebusses, schönen Hotels, gutem Essen und Swimmingpools, hat er auf eigene Faust viel unternommen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Bussen, Zügen, teilweise zu voll, unhygienisch, wackelig und sehr laut. Oder mit der Rikscha, vor Ort Tuk-Tuk genannt, sei er morgens meist alleine aufgebrochen, um die richtige Welt zu erleben: Menschen abseits des Tourismus, Kultur, Natur und Abenteuer. Trotz Schmutz, Elend und Sicherheitsrisiken. No risk, no fun laute seine Devise. Dabei sei es nie langweilig gewesen.
  • Immer auch Spenden im Blick: Einheimische hätten ihn unterwegs angesprochen, auf Sri Lanka habe er in einem Waisenpark für Elefanten den Rüssel eines grauen Riesen abgebürstet, und was zu jeder seiner Reisen dazugehört: Er habe, wie immer, eine Summe in der Höhe von 500 Euro gespendet und diesmal einer Waisenschule auf Sri Lanka überreicht. Das Geld dafür bekam er teils von der Kirche als Sonntagseinkommen, teils sammelte er es im Rahmen seiner Reiseberichte. Über die zu unterstützende Organisation entscheidet er jedes Mal spontan, diesmal habe er im Hotel nachgefragt, wo ein wenig finanzielle Hilfe gebraucht werden könnte. Wohltat bringe Zinsen, er sei deshalb mit einem Auto des Hotels zu dieser Waisenschule gefahren worden, und der Schuldirektor habe sich nicht wenig über das späte Weihnachtsgeschenk gefreut.

Dieses Jahr steht noch eine Reise nach Südamerika und danach nach Israel auf seinem Plan. Überall auf der Welt wolle man ja vom schönen Schwarzwald hören, meint er. Und die Königsfelder im Schwarzwald möchten ja letztendlich auch einiges über die weite Welt erfahren.